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Nidwaldner Ski-Talent Marco Odermatt: Die Last der Hoffnung geschultert

Marco Odermatt lässt die Schweizer Skifans träumen. Die Erwartungen schiessen ins Unermessliche. Wie geht ein 21-jähriger Ausnahmekönner damit um?
Sébastian Lavoyer
Nach den Ferien in Asien jetzt wieder im Aufbautraining: Marco Odermatt. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Bormio, 29. Dezember 2018))

Nach den Ferien in Asien jetzt wieder im Aufbautraining: Marco Odermatt. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Bormio, 29. Dezember 2018))

Es ist jungenhaft, das Gesicht der Hoffnung. Kaum Bartwuchs und meist ein breites Lachen. Innerhalb von nur einer Saison kurvte sich Marco Odermatt in die ­Herzen der Schweizer Skifans, wurde aus einem verheissungsvollen ­Talent die ganz grosse Hoffnung der Skination Schweiz. In Davos Anfang Februar 2018 holte er sich als erster Skifahrer überhaupt fünf Goldmedaillen bei einer ­Junioren-WM, da war er gerade 20 Jahre alt. Die Erwartungen waren schon gross, doch Odermatt befeuerte sie mit seinen unbekümmerten Auftritten weiter.

Zum Schluss dieses Winters fuhr er zweimal hintereinander aufs Podest bei einem Weltcup-Riesenslalom. Im letzten Rennen beim Weltcupfinal in Andorra mit angerissenem Meniskus. Grenzen scheint es für den Goldjungen aus Buochs im Kanton Nidwalden keine zu geben. Oder wie sagte Skidominator Marcel Hirscher doch nach dem Riesen­slalom im Adelboden: «Der kann Gesamtweltcupsieger, Olym­piasieger werden – alles, was er will.»

Es ist Balsam in den Ohren der Schweizer Skifans. Endlich scheint da wieder einer zu kommen, der den unaufhaltsamen Hirscher stoppen könnte. Achtmal in Serie gewann der Österreicher zuletzt den Gesamtweltcup. Der letzte Schweizer, der den Gesamtweltcup gewann, war Carlo Janka vor fast zehn Jahren.

Marcos Vater Walter Odermatt nervte die Aussage Hirschers. «Blöde Worte» seien das, sagte er im «Sportpanorama». Darauf angesprochen, schmunzelt Marco Odermatt, sagt, es hätte «schon ein bisschen Trubel gegeben rund um diesen Auftritt». Aber: «Ich kann das einordnen. Das war ein schönes Kompliment von Marcel, aber kaufen kann ich mir davon nichts.» Abgeklärt, ruhig, ohne die Angelegenheit kleinreden zu wollen. Denn eines ist klar: Solche Komplimente verteilt Hirscher nicht jeden Tag.

Noch wartet Odermatt auf den ersten Sieg im Weltcup. Aber auch das scheint bloss eine Frage der Zeit. Spätestens nächstes Jahr müsste es so weit sein, so die Fansicht. Die Erwartungen an ihn sind riesig, der Druck wuchs mit jedem guten Resultat. «Logisch, das Interesse ist grösser geworden. Aber die Erwartungen waren eigentlich immer gross. Schon nach der ersten Junioren-WM-Medaille», sagt Odermatt. Und: «Für mich ist das kein Problem, denn es kommt von aussen, nicht von innen.»

Er spricht wie ein abgebrühter Profi, wie einer, der das alles schon seit Jahren kennt, dabei ist er erst letzten Oktober 21 Jahre alt geworden. Allerdings kennt er die Situation. Odermatt war seiner Zeit immer voraus, er war immer aussergewöhnlich talentiert, immer einer der Schnellsten, immer ganz vorne. Daher auch dieses Selbstbewusstsein.

Ein fataler Fahrfehler

So rasant sein Aufstieg auch scheint, ohne Rückschläge kam auch Odermatt nicht durch die Karriere: Der 19. Januar 2017 war eine Zäsur. Europacup-Riesenslalom in Val d’Isère, ein Verschneider, ein Sturz. Der Meniskus im linken Knie ist kaputt. Er könnte konservativ behandeln und bei der WM in St. Moritz starten, doch Odermatt entscheidet sich für eine Operation. Als sein Manager, Michael Schiendorfer, am Tag nach dem Eingriff zu Besuch kommt, liegt Odermatt mit einem Lachen im Gesicht auf dem Bett. Er solle Platz nehmen, damit sie gemeinsam den Slalom von Schladming schauen können.

Reto Schmidiger, Odermatts erstes grosses Vorbild, wie er beim Skiklub Hergiswil gross geworden, steht am Start. Gebannt schauen sie auf den Bildschirm. Irgendwann schiebt Odermatt seinem Manager einen Zettel zu, sagt: «Das ist mein Plan, wie ich zurückkommen will.» Ohne Stolperer geht es nicht. Odermatt kehrt zwar im Dezember 2017 in den Weltcup zurück, doch die Resultate bleiben ­vorerst aus. In Adelboden schrammt er an der Qualifikation für den zweiten Lauf vorbei. Acht Hundertstel fehlen. Mit der Wut im Bauch geht er zu den Junioren-Schweizer-Meisterschaften. Mehr als zwei Sekunden nimmt er der Konkurrenz ab. Kurz darauf die Junioren-WM in Davos, die fünf Goldmedaillen, der rasante Aufstieg diese Saison. Es läuft, einfach so, im Sport spricht man vom Flow.

Wie sehr ihn die jetzige Verletzung aus diesem herausreisst, darüber kann man nur spekulieren. Wieder hat es das Knie getroffen, wieder den Meniskus, dieses Mal auf der rechten Seite. Odermatt ist seit Andorra nicht mehr auf den Ski gestanden. Statt Skitests zu machen, nimmt er Sponsorentermine wahr, geht mit Freunden in die Ferien. Singapur, Lombok, Gili Trawangan und Bali statt Zermatt. Diese Woche hat der Goldjunge mit dem Aufbautraining begonnen. «Vom Körperlichen her ist er noch ein Baby», sagt sein Trainer Helmut Krug. Im physischen Bereich ortet er das grösste Potenzial. Drei, vier Kilo Muskelmasse dürfte er Anfang nächste Saison mehr auf die Waage bringen, schätzt er. Denn Krug weiss: «An diesem Burschen ist einfach alles aussergewöhnlich.»

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