Nicht anders als in anderen Sportarten

Schon zum 24. Mal gastiert die Tour de France in der Schweiz. Heute ist das Ziel in Bern, morgen ist ein Ruhetag geplant, und am Mittwoch geht es nach Finhaut-Emosson im Unterwallis. Abstecher ins Ausland sind die Regel.

Daniel Good
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Schon zum 24. Mal gastiert die Tour de France in der Schweiz. Heute ist das Ziel in Bern, morgen ist ein Ruhetag geplant, und am Mittwoch geht es nach Finhaut-Emosson im Unterwallis. Abstecher ins Ausland sind die Regel. Dieses Jahr führte das gut drei Wochen dauernde Velorennen schon durch Andorra und Spanien. Abseits der Norm war die Tour de France, als sie 1998 in der Schweiz halt machte. Wegen des Dopings stand die Tour vor 16 Jahren am Abgrund. Als am 30. Juli die 18. Etappe in Neuenburg endete, waren 7 der 21 Mannschaften nicht mehr dabei. Festina war ausgeschlossen worden. Sechs andere Equipen, vorwiegend solche mit spanischem Hintergrund, hatten sich zurückgezogen. Der weltweit beachtete Anlass stand wegen des Dopings vor dem Abbruch. Eine Etappe war damals annulliert worden, weil die Fahrer streikten.

Schliesslich kam die Tour de France mit dem später verstorbenen Gesamtsieger Marco Pantani 1998 doch noch in Paris an. Ein Umdenken in der Dopingproblematik setzte aber erst viel später ein. Ab 1999 wurde munter weitergedopt, als ob zuvor nichts geschehen wäre. Der Radsport nahm in jener Epoche grossen Schaden, der bis heute nicht repariert ist. Die zuständigen Funktionäre reagierten nach der Skandaltour von 1998 viel zu zögerlich. Sie liessen sich ab 1999 blenden vom Glanz des Amerikaners Lance Armstrong und träumten von der rentablen Globalisierung ihrer Sportart. Dabei hatten sie vor 16 Jahren genügend Spielraum, um eine nachhaltige Wende einzuleiten.

Erst seit fünf, sechs Jahren bewegt sich der Radsport in der Dopingquote wieder auf dem Niveau anderer Sportarten. Das heisst, dass heute nicht alle Fahrer sauber die Grenze zur Schweiz passieren, aber mehr Teilnehmer als früher an der Tour de France dopingfrei sind.

daniel.good@tagblatt.ch