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Die St. Louis auf der Triumph-Achterbahn zum NHL-Titel

Wie die St. Louis Blues plötzlich den ersten NHL-Titel ihrer über 50-jährigen Geschichte errangen. Dabei glich selbst die Meistersaison einer wilden und unkontrollierten Achterbahnfahrt.
Marcel Kuchta

Eines vorneweg: Der Verfasser dieser Zeilen ist seit weit über 30 Jahren Anhänger der St. Louis Blues. Und nach dem Stanley-Cup-Triumph über die Boston Bruins in der Nacht auf Donnerstag, dem allerersten in der über 50-jährigen Geschichte dieser NHL-Franchise, entsprechend ziemlich schwer euphorisiert.

Jubelt mit dem Pokal: Erfolgsgoalie Jordan Binnington. (Bild: Dave Sandford/Getty)

Jubelt mit dem Pokal: Erfolgsgoalie Jordan Binnington. (Bild: Dave Sandford/Getty)

Denn: Drei titellose Fan-Jahrzehnte sind eine lange Zeitspanne. Eine Zeitspanne, die eigentlich geprägt wurde durch konstant gute Leistungen der Mannschaft. Man war, mit Ausnahme weniger Durchhänger, eigentlich immer irgendwie vorne mit dabei. Doch so konstant sich die Blues immer im Dunstkreis der Spitzenteams aufhielten, so konstant war auch ihre Gabe, in den entscheidenden Momenten, also in den Playoffs, zu versagen. Auch deshalb erarbeiteten sich die Blues in dem halben Jahrhundert ihrer Existenz den Ruf, eine notorisch erfolglose NHL-Organisation zu sein. Entsprechend tief eingenistet hat sich bei der treuen Anhängerschaft des NHL-Teams aus dem Bundesstaat Missouri über all die Jahre eine seltsam melancholisch anmutende Mischung aus Selbstzweifeln, Skepsis und Pessimismus. Denn eines war in all den Jahren gewiss: Irgendwo auf dem Weg in Richtung des ersehnten Stanley Cups wartete auf die Blues ein Stolperstein. Oder brachte sich die Mannschaft auf jede erdenkliche, bisweilen schon fast absurde Art und Weise, selber um alle Chancen.

Auch deshalb ist es schwierig, die aktuelle Gefühlslage nach dem Bann des Titelfluchs adäquat zu beschreiben. Denn so wundervoll diese Playoffs letztlich für die St. Louis Blues endeten: Für die Fans war die ganze Saison eigentlich eine Tortur. Oder anders ausgedrückt: Sie glich einer wilden, unkontrollierten Achterbahnfahrt. Im vergangenen Sommer war die Mannschaft auf dem Transfermarkt ­gezielt verstärkt worden. Die Hoffnungen, dass man in der Meisterschaft zumindest eine gewohnt ordentliche Rolle spielen könnte, war durchaus berechtigt.

Doch dann ging schon der Start in die Hosen. Im November wurde der Trainer (Mike Yeo) entlassen und durch eine etwas beliebig wirkende Interimslösung (Craig Berube) ersetzt. Besser wurden die Leistungen aber nicht. Am 2. Januar standen die St. Louis Blues in der Gesamttabelle der NHL an 31. und letzter Stelle. Gedanken an die Playoffs waren zu diesem Zeitpunkt geradezu lächerlich. Im Gegenteil: General Manager Doug Armstrong dachte laut darüber nach, die besten Spieler der Mannschaft auf dem Transfermarkt ­anzubieten und einen totalen Neuaufbau einzuleiten.

Die Saison schon abgehakt

Als Anhänger hatte man zu diesem Zeitpunkt die Saison quasi schon abgehakt. Doch dann betrat ein Mann die Bühne, der für den grossen Umschwung sorgte: Goalie Jordan Binnington, eigentlich nur die Nummer vier der ursprünglichen Hierarchie, übernahm vom frustrierend inkonstant agierenden Jake Allen die Position des Stammtorhüters – und blickte nicht mehr zurück. So, wie die ganze Mannschaft, die aus den letzten 45 Qualispielen 65 Punkte holte und so zumindest noch die einstmals für undenkbar gehaltene Playoff-Qualifikation schaffte. Die Playoffs, steter Quell schlechter Gefühle für jeden Blues-Fan, entwickelten schliesslich eine Dynamik, die niemand für möglich gehalten hatte.

Vor allem in einer Beziehung verblüffte das Team immer und immer wieder. Es entwickelte sagenhafte Nehmer-Qualitäten. Immer, wenn man dachte, dass das jetzt einer dieser berühmten Rückschläge zu viel war, stand die Mannschaft wieder auf. Im Achtelfinal gegen Winnipeg, im Viertelfinal gegen Dallas, im Halbfinal gegen San Jose und als Krönung im Final gegen Boston. Nach der Niederlage im sechsten Endspiel, als man es vor eigenem Publikum verpasste, den ersten Matchball zu verwerten, da waren die üblichen, schlechten Gefühle wieder da. Der Glaube, dass es die Blues noch schaffen, gegen den Nullpunkt gesunken. Und dann kamen sie doch wieder zurück. Das letzte und entscheidende Mal. Wahnsinn!

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