NHL: «Mental ist es eine Achterbahnfahrt»

Mark Streit und den Pittsburgh Penguins fehlt noch ein Sieg zum Stanley-Cup-Triumph. Der Berner wartet aber weiter auf seinen ersten Finaleinsatz. Der 39-Jährige über die schwierige Situation, seine Vaterrolle und den Aufschwung im Schweizer Eishockey.

Sascha Fey (sda)
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Mark Streit spielt seit zwölf Jahren in der NHL. (Bild: Larry MacDougal/Imago)

Mark Streit spielt seit zwölf Jahren in der NHL. (Bild: Larry MacDougal/Imago)

Sascha Fey (SDA)

Mark Streit, Sie sind im Playoff in 24 Spielen bloss dreimal zum Einsatz gekommen, im Final noch gar nie. Wie schwierig ist es, die Spannung zu halten?

Ich habe es schon lange nicht mehr erlebt, nicht zu spielen. Es ist eine grosse Herausforderung. Vom Physischen her geht es noch. Ich trainiere und mache extra Sachen im Kraftraum. Was das Mentale betrifft, ist es allerdings eine Achterbahnfahrt. Einerseits verlierst du nie die Hoffnung. Im Halbfinal kam ich von einem auf den andern Tag zum Einsatz. Andererseits ist es an einem Spieltag aber schon brutal. Du musst jedoch darüber hinwegkommen.

Es kann sein, dass Ihr Team zum zweiten Mal in Folge den Stanley Cup gewinnt, Sie aber im Final keine Minute zum Einsatz kommen. Wie ordnen Sie diese Situation ein?

Für diejenigen Spieler, die nicht zum Zug kommen, ist es hart. Ich kann es jedoch nicht ändern. Wenn ich in den Spiegel schaue, realisiere ich, dass ich in der Qualifikation und auch im Playoff sehr gute Leistungen gezeigt habe. Mehr konnte ich nicht machen. Es ist der Entscheid des Trainers, wer auf dem Eis steht. Aber schlussendlich gehörst du zum Team. Im Falle eines Triumphs hätte ich ebenfalls einen Teil dazu beigetragen, wenn auch einen kleinen.

Sie sind im Januar zum ersten Mal Vater geworden. Hilft Ihnen das in dieser schwierigen Zeit?

Das relativiert vieles. Einen Grossteil meines Lebens ordnete ich alles dem Sport unter. Er war für mich das absolut Wichtigste auf der Welt. Das hat sich verändert. Eishockey zu spielen ist immer noch cool. Ich liebe den Sport. Aber wenn man die Schwangerschaft, die Geburt und nun die ersten Monate erlebt, dann ist das emotional nochmals etwas ganz anderes. Wenn du nach Hause kommst und die Tochter in den Arm nimmst, dann ist vieles vergessen. Dann ist dir klar, dass es noch viel Wichtigeres gibt als Eishockey.

Sie sind nicht der einzige Schweizer, der in den Stanley-Cup-Final involviert ist. Bei Nashville sind mit Roman Josi, Yannick Weber und dem derzeit verletzten Kevin Fiala gleich drei unter Vertrag. Eine spezielle Situation.

Das ist für das gesamte Schweizer Eishockey etwas Besonderes. Vor zehn Jahren hätte man sich das nicht vorstellen können. Es ist einzigartig.

Mit Josi und Weber bestreiten Sie jeweils das Sommertraining. Sie sind mit beiden befreundet. Was sagen Sie zu den beiden?

Bei Roman Josi zeichnete sich ab, dass er ein grosser Spieler in dieser Liga wird. Er verfügt über eine sehr hohe Spielintelligenz. Es gelang ihm, sich kontinuierlich zu steigern. Aber er hat viel dafür gemacht und hart gearbeitet. Er hat hohe Ansprüche an sich selber. Den Weg von Weber finde ich genial. Er hat keine einfachen Jahre hinter sich, musste sich durchkämpfen. Er hätte sicherlich die Möglichkeit gehabt, in der Schweiz einen schönen Vertrag zu unterschreiben. Aber er ist stark geblieben und hat den Traum, in der NHL zu spielen, immer weiterverfolgt. Nun steht er im Stanley-Cup-Final. Ich gönne es ihm von Herzen.

Man kann sagen, dass sich das Schweizer Eishockey im Aufwind befindet. Ende Juni dürfte Nico Hischier als Nummer eins oder zwei gedraftet werden. Worauf führen Sie das zurück?

In den Vereinen und auch in der Nationalmannschaft wird gut gearbeitet. Man ist auf dem richtigen Weg. Das Schweizer Eishockey hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt. Das ist aber auch vielen anderen Nationen gelungen. Wenn man nur etwas nachlässt, ist man sofort im Hintertreffen. Man darf die tägliche Arbeit nicht vernachlässigen, man muss sich stetig weiterentwickeln – das heisst bei der Juniorenförderung, bei der Trainerausbildung.

Der Aufschwung hat auch mit Ihnen zu tun. Sie haben mit Ihrem Durchhaltewillen in Nordamerika einige Türen geöffnet. Macht Sie das stolz?

Das ist sicherlich schön. Als ich nach Übersee ging, dachten wohl die wenigsten, dass ich zwölf Jahre später immer noch in der Liga bin. Ich bin stolz, dass ich mich durchsetzen konnte. Ich finde es schön, dass viele junge Schweizer den Weg in die Juniorenligen oder in die AHL auf sich nehmen, um den Traum von der NHL zu verfolgen. Das ist ihnen hoch anzurechnen. Es ist hart hier. Du bist oft einsam. Es gibt viele Hochs und Tiefs. Aber viele bissen sich durch.

Sie spielen erst seit März für Pittsburgh. Der Draft kam unerwartet. Wie gingen Sie damit um?

Es war eine turbulente und aufregende Zeit. Ich bin froh, eine unkomplizierte und starke Frau zu haben, die mich unterstützt. Es ging alles sehr schnell. Am Anfang war es schwierig, da ich zwei Wochen alleine war. Es war hart, das Kind so lange nicht zu sehen.

Dafür spielen Sie nun in einem Team mit Superstars wie Sidney Crosby und Jewgeni Malkin. Wie ist das?

Ich hatte noch nie die Möglichkeit, in einem solchen Topteam zu spielen. Crosby ist weltweit der beste Spieler. Es ist beeindruckend, wie er für den Sport lebt, wie professionell und begabt er ist. Es ist keine Überraschung, dass er der beste Spieler ist.

Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Streben Sie ein weiteres Engagement in der NHL an?

Grundsätzlich will ich weiterspielen. Nach der Saison brauche ich erst einmal eine Pause, um emotional etwas runterzufahren. Dann schaue ich, was es für Möglichkeiten gibt. Klar ist aber, dass es auch für die Familie stimmen muss. Sie hat Priorität. Ich würde jedoch sehr gerne noch im Minimum ein Jahr weiterspielen.

Die Nationalliga A ist kein Thema?

Nein. Das sage ich nun so. Ich will die Karriere hier beenden. Das Spiel hier ist eher auf mich zugeschnitten als jenes in der Nationalliga A auf dem grossen Eisfeld.

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