Handball
Neustart nach 172 Tagen: Fortitudo Gossau mit einigen Fragezeichen

Die NLB-Handballer setzen die unterbrochene Meisterschaft mit Aufstiegsambitionen fort.

Fritz Bischoff
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Das Warten hat ein Ende: Lucius Graf – hier mit Goalie Gabor Busa – und Fortitudo Gossau dürfen wieder spielen.

Das Warten hat ein Ende: Lucius Graf – hier mit Goalie Gabor Busa – und Fortitudo Gossau dürfen wieder spielen.

Benjamin Manser

Am 24. Oktober 2020 verloren die Handballer von Fortitudo Gossau als Tabellenzweiter in der achten Meisterschaftsrunde der NLB auswärts gegen das nach dieser Partie punktgleiche Stäfa 23:28. Es sollte für 172 Tage das letzte Meisterschaftsspiel sein, denn coronabedingt wurde die Meisterschaft unterbrochen, der Trainingsbetrieb weitgehend eingestellt.

Erst vor rund einem Monat wurde den Teams der zweithöchsten Spielklasse erlaubt, wieder ein geregeltes Mannschaftstraining aufzunehmen. Am vergangenen Mittwochabend fand mit der Nachtragspartie zwischen Solothurn und Birsfelden erstmals in diesem Jahr wieder ein Spiel statt und morgen wird die neunte Runde angepfiffen. Dies jedoch ohne Fortitudo Gossau, denn die Begegnung gegen den TV Möhlin wurde vor zwei Tagen auf den kommenden Mittwoch verschoben. «Da der TV Möhlin nach einer Quarantäne diese Woche erstmals wieder trainieren konnte, bat er um die Verschiebung. Die Fairness gebietet uns, diesem Anliegen nachzukommen», erklärt der Gossauer Präsident Franz Würth.

Viele Fragezeichen bleiben

Trotz der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der NLB bleibt noch einiges offen. Geplant ist vorerst bis zum 8. Mai 2021 die Vorrunde mit 13 Partien abzuschliessen. Danach sollen die sechs besten Teams eine Finalrunde bestreiten, die restlichen Mannschaften eine Abstiegsrunde, wobei es allerdings keinen Absteiger geben wird. Vorgesehen ist ein Aufsteiger in die NLA. Wie dieser ermittelt wird, ist jedoch noch offen. Nicht restlos geklärt ist auch die Frage nach dem allfälligen Absteiger aus der NLA. «Vieles ist im Fluss, etwas schwammig. Die endgültigen Entscheide sind noch nicht gefällt», bestätigt Matthias Schlageter von der Swiss Handball League. In den Bereich der Ungewissheiten hat sich jüngst auch noch eine Expertengruppe eingebracht, die die Semiprofessionalität der NLB in Frage gestellt hat. Entscheidungsbefugnis kommt dieser Gruppe keine zu, Unruhe hat sie trotzdem heraufbeschworen. «Wir gehen jetzt einmal davon aus, dass im Minimum die Vorrunde zu Ende gespielt werden kann», erklären Franz Würth und Matthias Schlageter übereinstimmend.

Trainer René Ullmer

Trainer René Ullmer

PD

Davon gehen auch die Spieler von Fortitudo Gossau und ihr Trainer René Ullmer aus. Der Vorarlberger, der als handballerischer Pendler zweimal die Woche die Grenze zwischen der Schweiz und Österreich passiert und wöchentlich seine negativen Coronatests vorweisen muss, ist seit dem 2. März 2021 mit seinem Team wieder im Mannschaftstraining. «Ich musste mit meinen Spielern einen gezielten Aufbau angehen, denn ein halbes Jahr ohne sportliche Körperkontakte ist nicht ohne Folgen geblieben.» Dies bestätigt auch Jonas Mächler. «Nach den ersten Einheiten tat mir so ziemlich alles weh. Es war ein recht komisches Gefühl, wieder mit Körperkontakten trainieren zu dürfen. Aber die Freude, dies nach einer gefühlten Ewigkeit ohne Teamsport tun zu können, war für alle riesengross», schildert der Captain. Personelle Veränderungen hat es in seinem Team keine gegeben und auch die Ambitionen sind die gleichen geblieben, wie sie es zu Saisonbeginn im September 2020 waren. «Trotz der sich abzeichnenden Kaderveränderungen zum Saisonende ist es unser Ziel, jedes Spiel zu gewinnen. Wir peilen den Aufstieg in die NLA an», sagt Mächler. Damit sind das Team und sein Captain gleicher Meinung wie der Trainer. «Als Sportler trainiert man für Erfolge und Ambitionen. Wir haben beides und wollen unsere Möglichkeiten ausschöpfen», sagt Ullmer.