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Neustart im Nachwuchsprojekt: «Future Champs Ostschweiz» poliert sein Image auf – und wird bald zum nationalen Leistungszentrum

Die Führung des FC St.Gallen ist daran, das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz in neue Bahnen zu lenken – und spricht von einem «Kulturwandel». Die Zusammenarbeit soll transparenter und klarer werden. Knackpunkt bleibt das Finanzielle.
Ralf Streule
Training der U14 des Nachwuchsprojekts FCO im Gründenmoos. (Bild: Michel Canonica)

Training der U14 des Nachwuchsprojekts FCO im Gründenmoos. (Bild: Michel Canonica)

Ein neues Logo. Ein neuer Faltprospekt. Und der neue Leitspruch: «Steilpass fürs Leben». Das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) hat eine Auffrischung erhalten. Die Änderungen reichen aber weit über den visuellen Auftritt hinaus. Es sei ein eigentlicher «Kulturwandel», den man im Nachwuchsbereich anstrebe, sagt Ivo Forster, CEO der FC St.Gallen Event AG und verantwortlich für die FCO-Positionierung.

Die Kooperation mit allen Beteiligten sei lange Zeit «gespickt von Misstrauen» gewesen, so Forster. Ein transparentes «Miteinander statt Gegeneinander» im Konstrukt werde angestrebt. Forster sagt:

«FCO soll wieder eine positive Marke werden.»

Ivo Forster, CEO FC St.Gallen Event AG (Bild: pd)

Ivo Forster, CEO FC St.Gallen Event AG (Bild: pd)

Derzeit ist ein «Strategiepapier 2021» in Vernehmlassung bei den Beteiligten: den Stützpunkten, den Kantonalverbänden, dem Ostschweizer Fussballverband und dem St.Galler Partnerverein FC Wil. Die Strukturen sollen schlanker werden, die Verträge klarer und verbindlicher, so FC-St.-Gallen-Präsident Matthias Hüppi. Und auch bei der Zusammenarbeit mit Lehrbetrieben und Sponsoren wolle man vermehrt auf die «Währung Vertrauen» setzen.

"Rückkehr zur Normalität"

Begonnen hat der Neuanfang bereits mit dem Führungswechsel im
FC St.Gallen Ende 2017. «Rückkehr zur Normalität» wurde das damals von einigen Beteiligten genannt. Das 2011 gegründete FCO-Projekt war in den Anfangsjahren schnell gewachsen, 2014 wurde ein Geschäftsführer eingestellt, das Budget schraubte sich in die Höhe – zeitweise dem Vernehmen nach auf über fünf Millionen Franken, was letztlich auch zu Defiziten geführt haben soll. Es gab damals Ideen, das Projekt langfristig mit Transfereinnahmen finanzieren zu wollen.

Das neue FCO-Logo (Bild: pd)

Das neue FCO-Logo (Bild: pd)

In dieser Zeit war es zu Kritik von vielen Seiten gekommen: Der FC St.Gallen spiele sich als «grosser Max» auf, der sich nicht für die Arbeit in den Stützpunkten interessiere. Die neue Führung um Hüppi sprach Anfang 2018 davon, das Budget wieder auf gut drei Millionen Franken zu senken. An diesem Ziel hält man fest. Das Amt des Geschäftsführers wurde abgeschafft, FCO wurde dem Sportchef Alain Sutter unterstellt. Christian Maier übernahm von Marco Otero das Amt des Technischen Leiters. Und ein Grossteil des Trainerteams wurde ausgetauscht.

Hüppi: «Wir planen keine Revolution»

Wenn es um die Neuausrichtung geht, will Hüppi aber mit keinem Wort die Arbeit und die Ideen der Vorgänger beurteilen. Sondern den Blick nach vorne richten. Und er stellt klar: «Wir planen keine Revolution.» Die Grundidee bleibt: Der Ostschweizer Fussballnachwuchs wird in zehn Stützpunkten vom Bündnerland bis in den Thurgau ausgebildet. Die grössten Talente werden später in Wil und St.Gallen in Nachwuchsteams integriert. Einer bis zwei von rund 800 talentierten Fussballern pro Jahrgang schafft idealerweise den Schritt in den Profifussball. Kürzlich erhielten die Talente Tim Staubli, Fabio Solimando und Angelo Campos Profiverträge beim FC St.Gallen, Jan Wörnhard, Yuri Klein und Lars Traber beim FC Wil. Andere Talente kehren zurück in den Breitensport – wovon die Vereine wiederum profitieren sollen.

Laut Forster sind Optionen geprüft worden, mit weniger Stützpunkten und anderer regionaler Aufteilung zu arbeiten. Man sei aber zum Schluss gekommen, dass die bisherigen Strukturen tauglich seien.

Tauwetter, aber auch viele ungeklärte
finanzielle Details

Die Bestrebung, offener zu kommunizieren und dieser Idee im Strategiepapier Rechnung zu tragen, scheint zu fruchten. FC-Wil-Präsident Maurice Weber sagt:

«Erstmals seit der FCO-Gründung empfinden wir uns als Partner.»

Auch von anderen Stützpunkten ist Positives zu hören. Beispielsweise aus dem Thurgau, wo sich für Vereine im westlichen Kantonsteil als Alternative eine Kooperation mit Zürcher Clubs anbietet und wo von Abwanderungsgelüsten zu hören war. Diese seien fürs Erste vom Tisch, sagt Patrick Küng, Präsident des Thurgauer Fussballverbands.

Die grundsätzlich positive Stimmung täuscht aber nicht über ungelöste Fragen hinweg. Die finanziellen Hürden sind hoch. Lange war St.Gallens früherer Präsident Dölf Früh Garant für das finanzielle Überleben. Dank seines wirtschaftlichen Netzwerks generierte er viele Sponsorengelder – oft im Sinne von Gegengeschäften, wie in vielen Hintergrundgesprächen zu hören ist. Viele dieser Einkünfte fallen weg. Forster hofft, dass durch die angestrebte neue Akzeptanz von FCO neue Geldgeber gefunden werden. Teilweise sei das bereits jetzt der Fall. Rückmeldungen von Firmen stimmten ihn zuversichtlich.

Thurgauer Verband fordert Ausbildungsentschädigung

Das Finanzielle ist auch in der Vernehmlassung des Strategiepapiers Thema. Unterschrieben ist es bisher erst vom St.Galler Kantonalverband. Offen ist unter anderem, inwiefern sich der Ostschweizer Fussballverband als übergeordnetes Gremium finanziell beteiligen oder sich in der Geldbeschaffung involvieren kann. Eine weitere Frage: Ist die FCO-Führung bereit, den Stammclubs eine Ausbildungsentschädigung zu bezahlen für Talente, die nach St.Gallen zur Akademie stossen? Gefordert wird dies explizit vom Thurgauer Fussballverband, wie Präsident Küng bestätigt. Hüppi signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Ein Faktor wird auch das Verhältnis zwischen dem FC Wil und St.Gallen sein, das in den vergangenen Jahren oft angespannt war, nun aber auf gutem Weg scheint. Wie sehen Übernahmemodalitäten von Spielern aus? Gibt sich Wil mit der Rolle des «kleinen Bruders» im Nachwuchs zufrieden? Klare vertragliche Abmachungen sollen es richten, ist beidseits zu hören. Wil-Präsident Weber:

«Im Idealfall ist die Zusammenarbeit kein Seilziehen.»

Ein gutes Zeichen ist: Wil erhält neu ein U18-Team, St.Gallen verzichtet im Gegenzug auf seine U17. Und: Drei St.Galler U21-Spieler stehen neu im Kader der Wiler.

Der nationale Fussballverband
begleitete den St.Galler Neuanfang eng

Viele Beobachter sahen zuletzt aber eine andere FCO-Schwachstelle: Mit dem Umbruch und den vielen Wechseln ging Know-how verloren. Sowohl der Technische Leiter Maier als auch Sportchef Sutter haben in ihren Ämtern 2018 Neuland betreten. Dies ausgerechnet in einer Phase, in der der Schweizerische Fussballverband (SFV) die Nachwuchsprojekte neu aufgleiste und sie auf ihre Tauglichkeit als künftige «nationale Leistungszentren» begutachtete.

Christophe Moulin ist Ressortleiter für die Nachwuchsarbeit beim SFV. Er hat die FCO-Entwicklung eng begleitet, zusammen mit dem ehemaligen Nationalspieler Marc Hottiger, dem «Leiter Leistungszentren SFV». Moulin spricht davon, dass man beim Verband gespannt gewesen sei, wie St.Gallen mit den vielen Veränderungen umgehen würde. Heute bescheinigt er FCO professionelle Kooperation, die gepaart sei mit viel Aufwand und Einsatz auf allen Ebenen. Inzwischen sind alle Trainer im Besitz der nötigen Diplome, das Projekt sei so weit, dass man kurz vor der definitiven Vergabe des Labels «Nationales Leistungszentrum» stehe, so Moulin.

Leistungszentrum strahlt aus

Für diese Lizenzierung muss FCO kostspielige Bedingungen erfüllen, was medizinische, taktische und mentale Begleitung, aber auch was die Infrastruktur (Kasten) angeht. Auf der anderen Seite wird die «Marke Leistungszentrum» vom SFV mit 100 000 Franken belohnt. Einen Teil des Betrags hat FCO bereits in vergangenen Jahren quasi «auf dem Weg zum Leistungszentrum» erhalten. Mit dem Label erhofft sich St.Gallen auch Ausstrahlung. Unter anderem sollen junge Ostschweizer so von frühen Abgängen in andere Nachwuchsabteilungen abgehalten werden.

Zu hören ist, dass FCO aufgrund seiner komplizierten geografischen Struktur auf zusätzliche SFV-Unterstützung hofft. Immerhin erhalten auch die Bündner neu ein U18-Team, was weitere SFV-Subventionen generiert. Zudem kamen 2018/19 weitere knapp 100 000 Franken in die FCO-Kasse, dies dank der «Effizienzkriterien»: Der SFV honoriert, wenn Nachwuchsspieler in der Startaufstellung der ersten Mannschaft stehen. Vor allem dank Silvan Hefti, aber auch Dereck Kutesa, Jérémy Guillemenot, Alessandro Kräuchi und Leonidas Stergiou stand St.Gallen hier in der Super League zuoberst. Der FC Wil generierte in der Challenge League als Fünfter weitere 50 000 Franken.

Bleibt eine entscheidende Frage: Wie viele junge Spieler werden in Zukunft aus dem FCO-Projekt im Spitzenfussball landen? Natürlich sei diese Frage zentral, sagt Präsident Hüppi. Er unterstreicht aber auch die jüngst von Sportchef Sutter gemachte Aussage, FCO sei auch ein soziales Projekt. Mit Betonung auf «auch». Der Begriff «soziales Projekt» schliesse Erfolg nicht aus. Was sicher sei, sagt Hüppi: «Wir werden nie mit Transfereinnahmen aus dem Nachwuchs budgetieren.» Zu volatil sei das Fussballgeschäft.

Hybridrasen im Gründenmoos?

(rst) Der Schweizerische Fussballverband (SFV) macht Vorgaben, was die Infrastruktur für Nachwuchs-Leistungszentren angeht. Die Bedingungen auf den Trainingsplätzen des
FC St.Gallen im Gründenmoos entsprechen den Anforderungen höchstens knapp. In den Wintermonaten, wenn die Rasenplätze nicht bespielbar sind, wird es auf den zwei Kunstrasenplätzen eng, zumal neben dem FC St.Gallen und dessen Nachwuchsteams auch Breitensportvereine die Trainingsplätze belegen. Geht es nach dem FC St.Gallen, sollen deshalb im östlichen Teil der Anlage, wo zwei Rasenplätze dem Club zur Verfügung stehen, bald zwei Felder mit Hybridrasen erstellt werden – jene wetterresistentere Unterlage, die 2017 auch im Kybunpark eingebaut wurde. Der Club ist in engem Kontakt mit der Stadt St.Gallen, der Eigentümerin der Anlage. Kürzlich wurden Bodenproben genommen, um Möglichkeiten eines allfälligen Umbaus auszuloten, erklärt Martin Bühler, Leiter Schul- und Sportanlagen bei der Stadt St.Gallen.

Fragen bleiben in Sachen Finanzierung. Ob die Stadt bereit wäre, den kostspieligen Umbau mitzutragen, müsste auf politischer Ebene beantwortet werden. Gemäss FC-St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi will der Club dank Sponsoring- und Spendengelder zumindest die Kosten für ein erstes Hybridrasenfeld selber stemmen. Der Umbau wäre aber nur möglich, wenn die Stadt mitspielt, das Gelände zum Beispiel im Baurecht an den Club abgibt. Man führe gute Gespräche, heisst es von beiden Seiten. Hüppi hofft, dass schon im Herbst ein Hybridrasenfeld bereitsteht.

Das Ostschweizer Nachwuchsprojekt - die Entwicklung seit 2008:

Anfang 2008

FC-St.Gallen-Präsident Dieter Fröhlich stellt das Konzept einer Fussballakademie im entstehenden Stadion im Westen der Stadt vor. Gleichzeitig initiiert der heutige FC-Wil-Präsident Maurice Weber Gespräche, um Wil und St.Gallen in Sachen Nachwuchs an einen Tisch zu bringen. Die Gespräche scheitern. «St.Gallen zeigte sich skeptisch», sagt Weber heute. Die Idee wurde im VR des FC St.Gallen abgelehnt. Im Mai steigt St.Gallen ab, Fröhlich tritt zurück, Michael Hüppi wird neuer FCSG-Präsident.

November 2008

Michael Hüppi kündigt an, mit dem FC Wil im Nachwuchs-Spitzenfussball zusammenarbeiten zu wollen. Auch dieser Versuch scheitert. Erst unter St.Gallen-Präsident Dölf Früh ab Herbst 2010 nimmt das Projekt Formen an.

Juni 2011

Das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) unter der Führung des FC St.Gallen, des FC Wil sowie dem Ostschweizer Fussballverband wird gegründet. Für das Projekt sind jährlich 1,8 Mio. Franken budgetiert. Technischer Leiter wird Roger Zürcher.

Juni 2014

Das Projektbudget ist längst über drei Millionen Franken gestiegen. FCO soll weiter wachsen. Eine externe Analyse empfiehlt die Anstellung eines «Geschäftsführers FCO». FCSG-Verwaltungsrat Jakob Gülünay sagt im Tagblatt: «Wir wollen das Nachwuchsprojekt langfristig mit Transfereinnahmen finanzieren.» Ferrucio Vanin wird Geschäftsführer.

März 2015

Meinungsverschiedenheiten bewegen Zürcher zur Kündigung. Marco Otero wird Technischer Leiter. In der Folge gibt es viele Wechsel im Trainerteam. Die Rede ist von einer «Gruppe Otero», die, gestützt von Früh, über den Nachwuchs hinaus Einfluss nimmt.

Oktober 2015

Die Akademie neben dem Stadion wird eingeweiht. Bis zu 24 Talente ab 13 Jahren werden einquartiert.

November 2015

Seit August ist in Wil die türkische Führung am Ruder. Milliardär Mehmet Nazif Günal will sich mit zehn Millionen Franken rückwirkend ins Nachwuchsprojekt einkaufen, damit aber «gleichberechtigter Partner» im Konstrukt sein. Der Deal mit dem FCSG unter Früh scheitert. Wil prüft eine Partnerschaft mit Winterthur und den Bau eines eigenen Ausbildungscampus. Anfang 2017 verschwinden die Wiler Geldgeber über Nacht.

Ende 2017/Anfang 2018

Dölf Früh gibt sein Aktienpaket ab, im Dezember 2017 übernimmt der neue Verwaltungsrat mit Präsident Matthias Hüppi. Das Amt des Geschäftsführers FCO wird abgeschafft, Alain Sutter übernimmt die sportliche Leitung FCO. Christian Maier, zuvor U16-Trainer, wird Technischer Leiter FCO.

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