NEUSTART: «Ich suche das Abenteuer»

Bobpilotin Sabina Hafner ist zurück ins Elternhaus gezogen, um ihren Traum zu verwirklichen. Die 32-Jährige will noch einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Raya Badraun
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Raya Badraun

Über vier Jahre sass Sabina Hafner nicht mehr in einem Bob. Die Pilotin studierte stattdessen in Winterthur Elektrotechnik und spielte in der 3. Liga Fussball. Im vergangenen Herbst kehrte die 32-Jährige nun auf die Bahn zurück. Königssee war die erste Station. Mit ihren Anschieberinnen verbrachte sie eine Trainingswoche dort. Als sie zum ersten Mal wieder am Start stand, war sie plötzlich unsicher. Sie dachte an den Kreisel, eine schwierige Passage auf dieser Bahn. Wusste sie noch, was zu tun ist? Die Sorge war unbegründet. Als die Baselbieterin durch den Eiskanal raste, erinnerte sich ihr Körper an früher. Automatisch führte er die richtigen Handbewegungen aus. Hafner war froh und überrascht – wie so oft bei ihrer Rückkehr in den Bobsport. Sie hatte mit mehr Hürden gerechnet, als sie im vergangenen Frühling das Projekt in Angriff nahm. Doch am Ende fügten sich alle Teile so selbstverständlich zusammen wie in einem Puzzle.

Sechs Kilogramm Muskelmasse zugelegt

«Ich suche das Abenteuer», sagt Hafner. Um dieses zu finden, ist sie gar bereit, zurück zu ihren Eltern nach Liestal zu ziehen. Das ist nötig. Denn der Bobsport ist teuer. Eine Saison kostet 40000 bis 50000 Franken. Sponsoren hat sie jedoch kaum, dafür viele Gönner. «Im vergangenen Sommer war es fast einfacher Geldgeber zu finden als in früheren Jahren», sagt Hafner. Daneben griff ihr der Bobclub Frauenfeld unter die Arme und zahlte einen grossen Teil an die Miete des Schlittens. Auch die Suche nach guten Anschieberinnen war einfacher als gedacht. Mit den Zwillingsschwestern Eveline und Rahel Rebsamen sowie der Bazenheiderin Jasmin Näf fand sie drei Leichtathletinnen, die sich auf einem ähnlich starken Niveau bewegen. «Dadurch kann sich keine zurücklehnen», sagt Hafner. Auch sie selbst macht nun, am Saisonende, keine Pause.

Bereits jetzt beginnt die Vorbereitung für den nächsten Winter. «Wir sind noch immer fit», sagt die Pilotin. Grund dafür war der späte Start im vergangenen Sommer. Noch bevor Hafner damals richtig mit dem Training begonnen hatte, erlitt sie eine Zerrung. So konnte sie erst Mitte Juni mit der Vorbereitung starten. Die ersten zwei Monate musste sie kämpfen. An die Belastung war ihr Körper nicht mehr gewohnt. Zwar machte sie in den vergangenen Jahren auch Sport. Die Schnelligkeit und Kraft wich in dieser Zeit jedoch der Ausdauer. In den vergangenen Monaten hat sich ihr Körper nun verändert. Sechs Kilogramm Muskelmasse hat sie zugelegt. «Ich habe das jedoch gut verkraftet», sagt Hafner. Nur zwischendurch hatte sie Probleme mit der Ferse. Auf den ersten Metern konnte sie deshalb nicht immer volle Kraft geben, dadurch verlor der Schlitten Zeit. «Das kann man auf der Bahn nicht mehr aufholen», so Hafner. «So etwas darf mir nächste Saison nicht mehr passieren.»

Im kommenden Winter geht es für die Athleten um alles. Im südkoreanischen Pyeongchang finden 2018 die Olympischen Spiele statt. Diese sind auch Hafners Ziel. Am vergangenen Wochenende startete sie bei der letzten Weltcupstation in diesem Winter auf der neuen Olympia-Bahn. «Sie liegt mir», sagt die Bobfahrerin. Im Rennen fuhr sie schliesslich auf den zehnten Rang. «Ein guter Abschluss», so Hafner.

«Ich will zufrieden nach Hause gehen»

Das Ticket für Olympia zu erhalten wird jedoch nicht ganz einfach werden. Swiss Olympic schreibt zwei Weltcup-Platzierungen in den Top acht vor. Dies muss Hafner in den ersten fünf Rennen schaffen, ansonsten fehlt ihr beim Saisonhöhepunkt wohl die Kraft. Für die Baselbieterin wäre es bereits die dritte Teilnahme an Olympischen Spielen. 2006 in Turin und 2010 in Vancouver belegte die dreifache Junioren-Weltmeisterin die Plätze zehn und zwölf. Zufrieden war sie damals jedoch nicht. «Es reizt mich, das alles nochmals zu erleben», sagt Hafner. «Dieses Mal will ich jedoch zufrieden nach Hause kommen.»