NEUSTART: Anlauf holen für Grösseres

Die Sprinterin Salomé Kora hat ihre Technik geändert, um schneller zu werden. Das braucht Geduld. Dieses Wochenende tritt sie nun an den Schweizer Hallenmeisterschaften in Magglingen an.

Raya Badraun
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«Im Moment überlege ich noch zu viel. Deshalb zeige ich im Rennen eine Mischung aus alt und neu»: Salomé Kora. (Bild: Ralph Ribi)

«Im Moment überlege ich noch zu viel. Deshalb zeige ich im Rennen eine Mischung aus alt und neu»: Salomé Kora. (Bild: Ralph Ribi)

Raya Badraun

Salomé Kora wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Jedes Jahr startete die Sprinterin mit einer besseren Zeit in die Hallensaison. Nun war es plötzlich anders. «Dabei ist meine Form deutlich besser als noch vor einem Jahr», sagt die 22-jährige St. Gallerin. Vor allem im Kraftbereich hat sie grosse Fortschritte gemacht. So hat sie an Muskelmasse zugelegt und stemmt nun mehr Gewicht als noch vor einem Jahr. Beides hängt mit ihrer Zeit in Florida zusammen. Drei Monate verbrachte Kora diesen Winter an der Wärme, um ihr Englisch zu verbessern. Den Aufenthalt musste sie für die Pädagogische Hochschule absolvieren und verband ihn gleich mit der Saisonvorbereitung. Dafür ging sie nach Bradenton, einer Stadt südlich von Tampa. Dort konnte sie bei Loren ­Seagrave und dessen Frau wohnen. Der Trainer betreut eine Gruppe von erfolgreichen Athletinnen. Bis kurz vor Weihnachten war Kora eine von ihnen und konnte so unter professionellen Bedingungen trainieren.

Das Profileben wäre nichts für sie

Das Trainerteam in Florida bestand aus fünf Personen, für jeden Bereich gab es einen Spezialisten. «In der Schweiz hingegen muss man sich alles zusammensuchen», sagt Kora. Während die Ostschweizerin neben dem Sport eine Ausbildung zur Oberstufenlehrerin absolviert, waren die meisten Athletinnen, die mit ihr trainierten, Profis und brachten viel Erfahrung mit. «Das war sehr motivierend», sagt Kora. «So ein Leben wäre jedoch nichts für mich.» Die junge Athletin braucht Abwechslung, gerade in Phasen, in denen nicht alles nach Plan verläuft. Eine solche erlebt sie auch momentan.

Der Start ist seit Jahren ihre Schwäche. Im Sprint macht das sehr viel aus, vor allem über 60 Meter. Um noch schneller laufen zu können, muss Kora deshalb ihre Technik ändern. In ihrer Zeit in den USA hat sie sich an die Umstellung gewagt, nachdem sie gesehen hatte, wie ihre Kolleginnen den Start trainierten. Die Idee ist es, grössere Schritte zu machen und gleichzeitig die Frequenz zu erhöhen. Im Training funktioniert die Umsetzung bereits ziemlich gut. Doch im Wettkampf bedeutet die Änderung im ersten Moment einen Rückschritt. Es braucht viel Zeit, bis die neuen Bewegungen verinnerlicht sind. Coach Seagrave rechnet mit mindestens 500 Trainingsstunden. Es könnte also mehr als ein Jahr dauern. «Im Moment überlege ich noch zu viel», sagt Kora. «Deshalb zeige ich im Rennen eine Mischung aus alt und neu.»

Mit jedem Rennen wird sie schneller

Dass momentan noch nicht alles funktioniert, macht Kora jedoch nicht nervös. «Ich weiss schliesslich, was der Grund dafür ist.» Sie nimmt sich Zeit und legt den Fokus bewusst auf die Sommersaison. Dann läuft sie wieder über 100 Meter, und der Start fällt etwas weniger ins Gewicht als in der Halle. «Ich bin zuversichtlich, dass ich dann eine persönliche Bestzeit laufen werde», sagt Kora. Kleine Fortschritte beobachtet sie bereits jetzt. In jedem Rennen hat sie ihre Saisonbestzeit ein bisschen verbessert. Zuletzt lief sie die 60 Meter in 7,47 Sekunden. Damit liegt sie nur noch fünf Hundertstelsekunden über der Limite für die Hallen-EM in Belgrad. Dass sie so nahe an diese Hürde herankommen würde, hat sie vor ein paar Wochen noch nicht gedacht. Dieses Wochenende startet sie nun an den Schweizer Meisterschaften in Magglingen – und hat die Chance, einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.

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