Neunmal um die Welt gefahren

RAD. Zum Ende dieser Saison beendet der Aadorfer Andreas Dietziker seine Karriere als Profi. Durch die Fusion von NetApp mit Endura Racing hat er keinen Platz mehr in der neuen Mannschaft. In Zukunft arbeitet Dietziker als Tiefbauzeichner.

Remo Fuchs
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Andreas Dietziker beendet die Profi-Karriere: Künftig wird das Rad nicht mehr sein ständiger Begleiter sein. (Bild: Team NetApp)

Andreas Dietziker beendet die Profi-Karriere: Künftig wird das Rad nicht mehr sein ständiger Begleiter sein. (Bild: Team NetApp)

Der Aadorfer Andreas Dietziker zieht nach acht Profijahren einen Schlussstrich unter seine Karriere. «Vor gut drei Wochen haben Gespräche mit dem Team-Manager von NetApp stattgefunden. Durch die Fusion mit einem anderen Rennstall (Endura Racing) hat es für mich keinen Platz mehr in der neuen Mannschaft», sagt Dietziker. Der Thurgauer, welcher am 15. Oktober den 30. Geburtstag feiert, hat sich aber schon vor den Gesprächen mit der Teamleitung Gedanken über den weiteren Verlauf seiner Karriere gemacht und einen Rücktritt ins Auge gefasst.

Es sei ein wandelnder Prozess gewesen, und die Entscheidung sei nicht von heute auf morgen gefallen, erklärt der sympathische Thurgauer. «Ein Wechsel zu einem anderen Team kam für mich nicht in Frage», sagt Dietziker.

Die Zukunft ist geregelt

Der gelernte Tiefbauzeichner hat bereits in seinen letzten zwei Profijahren, im Stundenlohn, auf seinem gelernten Beruf bei der Firma ITK Planungen GmbH in Aadorf gearbeitet und so einen Fuss in der Arbeitswelt drin behalten. «Der Zeitpunkt meines Rücktritts ist auch darum optimal, weil die Wirtschaftslage im Baugewerbe gut ist», sagt Dietziker.

Noch ist nicht sicher, für welche Firma der Tiefbauzeichner arbeiten wird. Entweder bei seinem Lehrbetrieb Fritschi & Ehrhardt AG in Eschlikon oder bei der Firma ITK Planungen GmbH in Aadorf. Sicher ist, dass Dietziker in den nächsten Jahren eine Weiterbildung als Tiefbautechniker in Angriff nehmen wird. Dazu muss der ehemalige Spitzensportler eineinhalb Tage in der Woche die Schulbank drücken. «Je nach Anmeldungsstand beginnt die Weiterbildung im August 2013 oder im Januar 2014», erklärt Dietziker.

360 000 km in den Beinen

Vom Jahr 1994 bis 2012 hat der 29-Jährige 360 000 Renn- und Trainingskilometer abgespult. Anders ausgedrückt: Er ist fast neunmal um die ganze Welt gefahren. Auf diesem langen Weg hat der Thurgauer einiges erlebt. Höhen und Tiefen, wobei ihm nur wenig Tiefen vorbehalten waren. Im Jahr 2002 kollidierte er auf einer Trainingsfahrt in Wil mit einem Auto, wo er sich einen Schlüsselbeinbruch zuzog. Einen anderen Tiefschlag erlebte er bei der Schweizer Meisterschaft 2008 als er auf Medaillenkurs lag und 200 Meter vor dem Ziel stürzte.

In Erinnerung bleiben Erfolge

Dass Dietziker ein erfolgreicher Radprofi war, zeigte er mehrmals auf. Nebst dreifachem Junioren- Schweizer-Meister siegte er beim nationalen Titelkampf im Zeitfahren bei der U23. Als Profi gewann er den Giro del Mendrisiotto, holte einen Etappensieg an der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, wurde Zweiter im Gesamtklassement an der Bayern-Rundfahrt und fuhr im Zeitfahren an der Schweizer Meisterschaft auf Rang drei. 2012 stand das Karriere-Highlight an: Dietziker nahm erstmals an einer dreiwöchigen Rundfahrt teil, dem Giro d'Italia.

Der Aadorfer wird am 2. und 4. Oktober in Belgien und Frankreich seine letzten Rennen als lizenzierter Fahrer für das Team NetApp bestreiten. Symbolisch hat er sein Velo aber schon an den Nagel gehängt. Beim Bikerennen in Tuttwil feierte er seinen Abschied und fuhr «zum Plausch» beim Rennen mit (Rang 6). Noch steht die Abschiedstour an. Danach holt Dietziker die Flitterwochen mit Frau Sybille in Neuseeland nach. Am 17. Oktober fliegt er ab und gönnt sich nach der erfolgreichen Karriere erst einmal Ruhe.

Dietziker auf Abschiedstour. (Bild: übc)

Dietziker auf Abschiedstour. (Bild: übc)