Neuling Marc Hirschi vor seiner längsten Fahrt beim Klassiker nach San Remo

Marc Hirschi gilt als grösstes Talent seit Fabian Cancellara. Jetzt darf der 20-jährige Berner beim Klassiker Mailand–San Remo starten.

Marcel Kuchta
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Marc Hirschi, der U23-Weltmeister im letzten Herbst in Innsbruck. (Bild: Christian Bruna/EPA (28. September 2018))

Marc Hirschi, der U23-Weltmeister im letzten Herbst in Innsbruck. (Bild: Christian Bruna/EPA (28. September 2018))

Wer im Radsport als Neuling ins Profi-Business einsteigt, der muss normalerweise erst einmal hartes Brot essen. Will heissen: Man wird für die kleineren Rennen eingeteilt und muss sich dort bewähren, ehe man zu höheren Aufgaben gerufen wird. Bei Marc Hirschi läuft das alles etwas anders. Der 20-Jährige gilt als einer der grössten Hoffnungsträger seiner Sparte. Sein eindrücklicher Ritt zum U23-WM-Titel im Herbst in Innsbruck hat seine Stellung als Ausnahmetalent untermauert. In der Schweiz wird er bereits mit Fabian Cancellara verglichen. Nicht nur, weil er wie der mehrfache Weltmeister und Olympiasieger in Ittigen BE wohnt. Sondern, weil man ihm dasselbe Talent attestiert.

Da ist es nur logisch, dass er von seinem Arbeitgeber, dem deutschen Sunweb-Team, gleich einmal auf höchstem Niveau auf Herz und Nieren geprüft wird. Deshalb steht Marc Hirschi am Samstag um 9.45 Uhr in Mailand am Start des ersten Frühjahresklassikers der Radsaison 2019. Sage und schreibe 291 Kilometer zwischen der norditalienischen Metropole und dem Ziel in San Remo stehen auf dem Programm.

Wie verkraftet er die sechs Stunden im Sattel?

«Das wird die längste Fahrt mit dem Velo, die ich jemals gemacht habe», zeigt Marc Hirschi Respekt vor der Aufgabe. Vor allem deshalb, «weil ich nicht weiss, wie mein Körper reagiert, wenn nach sechs Stunden Fahrt die entscheidende Phase des Rennens beginnt. Ich hoffe, dass ich so gut durchkomme, dass ich dann noch in der Lage bin, Helferdienste zu verrichten.»

Ursprünglich war nicht geplant, dass der Profi-Lehrling beim ersten der fünf «Monumente des Radsports» am Start steht. Eine Verletzung sorgte aber dafür, dass Hirschi vor etwas mehr als zwei Wochen informiert wurde, dass er ins Aufgebot nachrücke. «Das war schon eine Überraschung für mich. Zumal wir mit Michael Matthews, Tom Dumoulin und Sören Kragh Andersen drei Leute im Team haben, die um den Sieg mitfahren können.»

Will heissen: Hirschi wird in seiner ambitionierten Equipe eine wichtige Helferrolle spielen. «Meine Hauptaufgabe wird es sein, unsere Teamleader im Feld gut zu positionieren», erzählt er, der zusammen mit seinen Teamkollegen am Donnerstag die letzten 40 Kilometer des Parcours intensiv rekognosziert hat – darunter die Anstiege Cipressa und Poggio. «Die beiden Steigungen wirken, wenn man im Training drüber fährt, gar nicht so steil. Aber es ist dann schon etwas anderes, wenn hier im Renntempo raufgefahren wird – und man 250 Kilometer in den Beinen hat», zeigt er Respekt vor der Aufgabe.

Mit einem exzellenten Renngespür gesegnet

Sollte er in der entscheidenden Phase noch an der Spitze des Feldes präsent sein, dann dürfte ihm sein Gespür für den Rennverlauf zugutekommen. Vor allem deshalb dürfte er von den Sunweb-Verantwortlichen aufgeboten worden sein. Dass er, wie sein Vorbild Fabian Cancellara, der 2008 in San Remo triumphierte, gar um den Tagessieg mitfährt, ist nicht zu erwarten. Es geht für ihn vor allem darum, wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Grundsätzlich überwiegt bei Marc Hirschi, der von sich selber sagt, dass er die italienischen Rennen am liebsten fährt, aber die riesige Vorfreude: «Dass ich als Neo-Profi gleich an so einem Rennen teilnehmen darf, ist ein Traum, der in Erfüllung geht. Deshalb setzte ich mich auch nicht unter Druck.»

Läuft alles nach Plan, dann dürfte Marc Hirschi am Ende seiner ersten Profisaison drei der fünf Monumente bestritten haben. Sein Rennprogramm umfasst unter anderem auch die Teilnahmen bei Lüttich–Bastogne–Lüttich und im Herbst an der Lombardei-Rundfahrt. Auch deshalb schwärmt Hirschi: «Ich habe ein super Programm.»