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Neues Donnergrollen über der Leichtathletik-WM

Während Lauf-Guru Alberto Salazar wegen Dopingvergehen für vier Jahre als Trainer gesperrt wird, sorgen seine Schützlinge in Doha auf den Mittel- und Langstrecken für Furore.
Rainer Sommerhalder
Alberto Salazar ist ein in der Leichtathletik-Szene seit Jahren umstrittener Lauftrainer. (Bild: Kin Cheung/AP, Peking, 21.8.2015)

Alberto Salazar ist ein in der Leichtathletik-Szene seit Jahren umstrittener Lauftrainer. (Bild: Kin Cheung/AP, Peking, 21.8.2015)

Der amerikanische Dopingkämpfer Travis Tygart hat ein Flair für spektakuläre Aktionen. Als er im Sommer 2012 Radsport-Ikone Lance Armstrong des Dopings überführte, war der zuvor unbekannt Jurist über Nacht in aller Munde. Zuletzt fiel er als knallharter Kritiker der Welt-Antidoping-Agentur auf.

Dass nun ein über vierjähriges Verfahren gegen den bekanntesten und umstrittensten amerikanischen Lauftrainer Alberto Salazar ausgerechnet während der Weltmeisterschaft in Doha zum Abschluss kommt, ist gewiss kein Zufall. Der Zeitpunkt garantiert maximale Aufmerksamkeit.

Die US-Antidoping-Behörde (Usada), welcher Tygart vorsteht, sperrt den 61-jährigen Salazar wegen mehrfacher Dopingverstösse ab sofort für vier Jahre. Seine WM-Akkreditierung wurde ihm entzogen und von ihm betreute Athletinnen und Athleten aufgefordert, keinen Kontakt mehr mit ihm zu haben. Sonst droht auch ihnen eine Sperre.

WM-Gold für Salazar-Schützling Sifan Hassan

Zu Salazars Schützlingen in Doha gehören einige der grössten Medaillenkandidaten. Unter ihnen auch die Niederländerin Sifan Hassan, die am ersten Wettkampftag bereits Gold über 10 000 m gewonnen hatte und nun auch Topfavoritin über 1500 m ist. Sie sagt: «Ich bin geschockt. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass sich die Untersuchungen auf einen Zeitraum beziehen, als ich noch nicht beim Nike Oregon Project war».

In ein schiefes Licht gerät nun auch Konstanze Klosterhalfen. Das 22-jährige deutsche Laufwunder trainiert seit November 2018 in Portland bei Salazars Assistenzcoach Pete Julien. Sie konterte Kritik an ihrem Trainingsort und «Chef» vor der WM mit den Worten: «Wer negativ darüber redet, soll sich vor Ort ein eigenes Bild machen» und verwies auf das innovative Training unter besten Bedingungen.

Die Arbeit von Trainer-Guru Salazar wurde schon lange mit kritischen Blicken betrachtet. Sein fast schon besessenes Streben, die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit zu verschieben, brachte ihn früh unter Verdacht, mit unerlaubten Mitteln zu arbeiten.

2015 erschienen dann mehrere Medienberichte mit detaillierten Anschuldigungen von ehemaligen Athleten und Trainern. Als Folge startete die Usada mit Ermittlungen. 30 Zeugen sagten in den Untersuchungen aus. Tygart lobte den Mut der Athleten: «Sie hatten die Courage, auszupacken und die Wahrheit zu enthüllen». Salazar und Brown hätten bei ihrer Arbeit für das Nike Oregon Project gezeigt, «dass gewinnen wichtiger war als die Gesundheit und das Wohlbefinden der Sportler, die sie geschworen haben zu beschützen.»

Auch ein Arzt wird gesperrt

Bereits im Juni 2017 wurde Anklage erhoben, danach aber zwei Jahre lang auf juristischem Weg gerungen, bis ein Urteil gefällt werden konnte. Salazar hatte dank Nike ein potentes Anwaltsteam am Start.

Ebenso für vier Jahre wurde der Endokrinologe Jeffrey Brown, der zahlreiche Athleten Salazars behandelt hatte, aus dem Verkehr gezogen. Der Hormonspezialist soll gemeinsam mit Salazar verbotene Infusionen der Aminosäure L-Carnitin bei Athleten verordnet haben. L-Carnitin lässt Muskulatur und Herz-Kreislauf-System weniger schnell ermüden. Gemäss Urteil soll Salazar auch Testosteron verabreicht und Dopingkontrollen zu manipulieren versucht haben.

Er selber weist jede Schuld von sich: «Ich habe immer darauf geachtet, dass die Regeln genau befolgt werden. Während dieser Untersuchung haben meine Athleten und ich eine ungerechte, unethische sowie äusserst schädigende Behandlung durch die Usada erfahren.»

Nike hält Salazar die Treue und hat bereits angekündigt, ihn bei seinem Einspruch gegen die Verurteilung am internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne juristisch zu unterstützen.

Das Verdikt wird auch deshalb von grösstem Interesse sein, weil gemäss Wada-Code erst seit 2016 Sanktionen auch gegen Trainer und Funktionäre sowie ohne Vorliegen von positiven Dopingtests möglich sind. Auch im Fall des russischen Staatsdopings ist das Cas mit derselben Ausgangslage konfrontiert.

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