Neuer Bolide aus der «BMW-Welt»

Automobil. Die Aufbauphase ist beendet, das Ziel ambitioniert: BMW-Sauber will in der Saison 2008 den ersten Grand Prix gewinnen und den Anschluss an die beiden Topteams Ferrari und McLaren-Mercedes schaffen.

Ruth Müller/München
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Der neue F1.08 stösst bei der Präsentation in München auf grosses Interesse. (Bild: EQ Images/Sutton)

Der neue F1.08 stösst bei der Präsentation in München auf grosses Interesse. (Bild: EQ Images/Sutton)

Der olympische Gedanke ist der Formel 1 so fremd wie dem Rennfahrer die Vernunft: Was in der automobilen Königsklasse zählt, ist der Sieg. Mitfahrer sind Verlierer. Und dieses Image passt gar nicht ins Bild eines erfolgreichen Autokonzerns wie BMW – zu dessen neuem Auslieferungszentrum und Museum, der futuristisch anmutenden «BMW-Welt», in München an praktisch jeder grossen Kreuzung ein Wegweiser führt. So sind die 101 Punkte, welche die deutsch-schweizerische Allianz in der vergangenen Saison – erst der zweiten gemeinsamen – erreicht hat, eine durchaus beachtenswerte Leistung. Aber der Rennstall will mehr: den ersten Sieg. Man kann das Team beim Wort nehmen. Bislang hielt es stets, was es versprach: 15 Punkteränge im Premierenjahr 2006, zwei Podestplätze und Rang zwei in der Teamwertung 2007.

«Gutmütig zu fahren»

Das neue Auto mit der Bezeichnung F1.08 ist «eine revolutionäre Evolution». Es fällt vor allem durch den massiven Frontflügel und das extrem schlanke Heck auf. «In ihm steckt alles, was wir in zweieinhalb Jahren Formel 1 gelernt haben», sagt Motorsportchef Mario Theissen. «Weil das neue Reglement den Einsatz der Traktionskontrolle untersagt, haben wir ein Auto gebaut, das gutmütiger zu fahren ist. Das erreichen wir mit zahlreichen aerodynamischen Innovationen», sagt Willy Rampf, der Technische Direktor. Rund um die Uhr wird im Hinwiler Windkanal an noch besseren Lösungen gefeilt. Um die Einheitsreifen bestmöglich zu nutzen, wurde auch der mechanische Grip verbessert. Bis zum Saisonstart am 16. März in Melbourne werde das neue Auto bereits rundum überarbeitet sein.

Dabei hilft, dass seit Ende 2007 «alle Leute an Bord und an ihrem Platz sind», sagt Theissen. Das Werk im Zürcher Oberland, wo das Chassis konstruiert wird, wurde um einen Bau erweitert und zählt nun 430 Mitarbeiter. Das sind 155 mehr als zum Zeitpunkt der Übernahme durch BMW im Juni 2005. In München arbeiten 300 Leute am Formel-1-Projekt. Hier werden der Motor, das Getriebe und die Elektronik hergestellt. «Mit 730 Mitarbeitern sind wir, gemessen an der Manpower der Konkurrenz, eigentlich ein Mittelfeldteam», sagt Theissen. «Aber unsere Ambition ist klar. Wir wollen sportlich an die Spitze.» 2008 hat das BMW- Sauber-Team den zweiten Rang in der Teamwertung zu verteidigen, auch wenn es nach der Disqualifikation von McLaren-Mercedes faktisch nur die dritte Kraft war. Der Faktor Konstanz sei ein ebenso grosses Plus. Mit Nick Heidfeld und Robert Kubica verfügt das Team über zwei schnelle, zuverlässige Stammpiloten. Heidfeld, der es sich nicht nehmen liess, im weitläufigen Gebäude der «BMW-Welt» im neuen Boliden mehrere Runden zu drehen, geht mit hohen Ansprüchen in seine neunte Saison. «Ich erwarte, dass wir uns in allen Belangen steigern, speziell in der Standfestigkeit, und dass unser Plan, den ersten Sieg einzufahren, aufgeht», sagt Heidfeld. Robert Kubica wird heute in Valencia das Roll-Out des neuen Boliden bestreiten und morgen den ersten Testtag anhängen. Heidfeld wird am Donnerstag und Freitag zum Einsatz kommen.

Asmer, Villa oder Vietoris

Welcher Nachwuchsfahrer den begehrten Job des Test- und Ersatzpiloten erhält, bleibt offen. «Marko Asmer werden wir Ende dieser Woche in Valencia nochmals unter die Lupe nehmen», sagt Mario Theissen. Der Este dominierte vergangenes Jahr die britische Formel-3-Meisterschaft. Im Gespräch sind auch der GP2-Fahrer Javier Villa aus Spanien sowie der Deutsche Christian Vietoris, der die A1- sowie die Formel-3-Euroserie bestreitet. Theissen hat es jedoch nicht eilig. «Wir rechnen frühestens Ende Januar mit einer Entscheidung», sagt er.

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