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Neue Heimat gefunden

RAD. Was macht eigentlich…? Evelyne Müller aus Gerlikon bei Frauenfeld zählt zu den Pionierinnen des Schweizer Frauenradsports. Heute lebt sie in der Umgebung von Kapstadt in Südafrika.
Bruno Eicher
Evelyne Müller hat in Südafrika weniger Zeit fürs Velofahren, dafür umso mehr für die Gartenarbeit. (Bild: zVg)

Evelyne Müller hat in Südafrika weniger Zeit fürs Velofahren, dafür umso mehr für die Gartenarbeit. (Bild: zVg)

Noch heute findet der Frauenradsport in den Medien eher wenig Beachtung. Ausser es gelingen einigen Frauen spezielle Exploits, wie etwa jene von Karin Thürig, Nicole Brändli oder Barbara Heeb in der jüngsten Vergangenheit. In den Schlagzeilen war ab den frühen Achtzigerjahren jedoch auch die heute 46jährige Evelyne Müller. Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof bei Gerlikon, war sie schon als Kind sehr sportinteressiert.

Von einer Etappenankunft der Tour de Suisse 1975 in Frauenfeld war sie derart begeistert, dass sie gleich mit dem Velovirus infiziert wurde. Wenig später trat sie dem MRSV Frauenfeld bei und fuhr schon bald darauf mit Erfolg ihre ersten Rennen. Den ersten Sieg in der höchsten Kategorie konnte sie 1981 feiern.

Erfolge im Multipack

Bereits mit 17 Jahren bestritt Evelyne Müller ihre ersten Weltmeisterschaften, welcher noch weitere 13 Teilnahmen auf Strasse und Bahn folgen sollten.

Während der Elitezeit blieben ihr jedoch an diesen Anlässen Medaillen versagt. So musste sie sich etwa 1992 in die Dienste von Barbara Ganz stellen, um ihr zu Silber zu verhelfen. Die abgemachte umgekehrte Hilfe wurde ihr jedoch im folgenden Jahr von ihrer Teamkollegin nicht gewährt. Von 1996 bis 1998 stand sie dann jedoch selber in der Masters-Kategorie total fünfmal zuoberst auf dem Siegerpodest einer WM oder EM. Abwechslungsweise auf der Strasse und der Bahn.

Gefördert wurde diese Vielseitigkeit von ihren damaligen Trainern Fritz Stauffer (MRSV) und Guido Amrhein (VC Fischingen), dem sie sich später anschloss. Dank ihrem Talent und dem grossen Willen brachte es Evelyne Müller während über einem Jahrzehnt regelmässig zu Saisonsiegen in zweistelliger Höhe. Dazu einen nationalen Meistertitel auf der Strasse, deren fünf aufeinanderfolgende auf der Bahn, und einen Sieg beim 6-Tage-Rennen von Berlin. Nicht zu vergessen die Etappensiege am Giro d'Italia 1990 und an der Kolumbien-Rundfahrt 1991.

Da fehlten ihr bei vier Tageserfolgen, in insgesamt sechs Etappen, nur zwei Sekunden zum Gesamtsieg. Sie konnte sich jedoch mit dem Gewinn des Bergpreis- und Punkteklassements trösten. Ein besonderes Erlebnis war für sie auch die Teilnahme an der Tour de France im Jahre 1986.

Magere Unterstützung

Wer nun glaubt, dass die gelernte Näherin dank ihren vielen Erfolgen keiner Erwerbstätigkeit mehr hätte nachgehen müssen, irrt. Geld von der nationalen Sporthilfe erhielt sie beispielsweise gar nie.

Nur dank verschiedener Sponsoren konnte sie teilweise ihr Arbeitspensum um 50% reduzieren. Beschäftigung fand sie dabei etwa auch bei Bruno Schwarz, dem damaligen Besitzer der Hinterthurgauer Sportbekleidungsfirma «Blacky», der sie auch anderwärtig finanziell unterstützte. In den Anfangszeiten der sportlichen Karriere von Evelyne Müller fanden manchmal nur etwa sechs nationale Rennen pro Jahr statt. Dadurch war es natürlich schwer, das Interesse bei möglichen Sponsoren zu wecken.

Sie trauert diesem Umstand jedoch nicht nach, obwohl sie überzeugt ist, dass sie sich heute mit ihren damaligen Leistungen den Lebensunterhalt mit Radsport verdienen könnte. In ebenfalls positiver Erinnerung bleiben ihr im nachhinein vor allem die Reisen in ferne Länder, wie etwa USA, Brasilien, Spanien, Ukraine, Südafrika, Kolumbien, Japan etc.

Neue Heimat gefunden

Südafrika scheint bei der Weitgereisten wohl besonders haften geblieben zu sein. Nach ihrer Heirat vor vier Jahren führte nämlich die Hochzeitsreise dorthin. Sie heisst nun Evelyne Just und lebt seit 2006 zusammen mit ihren Mann Rolf ganz am südlichen Zipfel des Kontinents. In einer grossen Weingegend, 40 Kilometer entfernt von Kapstadt, bewohnen sie ein schmuckes Anwesen mit Sicht aufs Meer.

Ihre Leidenschaft fürs Backen, Gartenarbeit und die zwei Zwergkaninchen lassen der ehemaligen Spitzensportlerin wenig Zeit zum Velofahren. Mehr als jährlich 1000 Kilometer kommen da nicht mehr zusammen. Freude macht ihr zudem die Arbeit im eigenen Nähstudio, wo sie bereits auch auf einen treuen Kundenstamm von ausgewanderten Europäern zählen kann.

Obwohl sie sich weiterhin für den Radsport interessiert, hat sich praktisch keinen Kontakt mehr zu ehemaligen Sportkolleginnen und -kollegen.

Sie sei sehr glücklich in ihrer neuen Heimat. Und Beziehungen in die Thurgauer Heimat bestehen nur noch zu ihrer Schwester Nelly und deren Familie in Sulgen.

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