«Neue Generation am Werk»

Nationaltrainer Patrick Fischer spart nicht mit Selbstkritik nach Platz elf an der WM in Moskau. Die Arbeit mit der Schweizer Auswahl würde der 40jährige Zuger dennoch gerne fortführen.

Matthias Hafen/Moskau
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Herr Fischer, an Ihrer ersten WM als Nationaltrainer haben Sie prompt die Viertelfinals verpasst. Was sind Ihre Gedanken dazu?

Patrick Fischer: Das tut weh. Denn ich hasse es, zu verlieren. Wir alle haben uns mehr erhofft von diesem Turnier. Vor dem abschliessenden Vorrundenspiel gegen Tschechien war ich noch überzeugt, dass wir die Reise an den Viertelfinal in St. Petersburg antreten können.

Am Ende setzte es eine weitere Niederlage ab – die fünfte im siebten Spiel. Damit beendete die Schweiz die WM in Moskau nur als Elfte. Weshalb?

Fischer: Wir haben über die ganze WM gesehen zu viele dumme Strafen kassiert und schafften es nie, unser Boxplay richtig zu stabilisieren. Kommt dazu, dass wir in der Mittelzone in fast jedem Spiel zu viele Pucks verloren haben. Das geht auch zurück auf uns Coaches. Wir haben es in sieben Partien nicht geschafft, darauf eine Antwort zu finden. Das tut mir leid für die Spieler. Sie haben immer alles gegeben.

Sie gehen hart mit sich selber ins Gericht. Sind Sie angesichts dessen der richtige Trainer für die Nationalmannschaft?

Fischer: Es ist verständlich, dass sich die Verbandsspitze Gedanken dazu macht nach diesen Resultaten. Aber ich würde sehr gerne weitermachen mit dieser Mannschaft. Es ist eine neue Generation am Werk, die stark ist. Ich mag die Spieler sehr. Sie haben noch einiges zu lernen, aber das gilt auch für uns Trainer. Ich glaube, dass die Schweizer Nationalmannschaft mit dieser Generation eine gute Zukunft haben wird. Die Spieler haben Charakter und geben immer alles. Das hat man auch hier gesehen, wo wir uns nie abschütteln liessen. Ich bin überzeugt, dass sich unsere ehrliche Arbeit irgendwann auszahlen wird.

Sie haben für die WM in Russland auf mehrere Spieler von Meister Bern verzichtet, dafür hatten Sie sechs des HC Davos im Kader, die ein bisschen ausgelaugt schienen. Hat Ihnen in Moskau nicht auch die spielerische Qualität gefehlt?

Fischer: (überlegt lange) Nein, das glaube ich nicht. Wir hatten ja unsere Chancen, kamen zu so vielen Torschüssen wie kaum ein anderes Team. Ich glaube einfach, dass dies eine junge Mannschaft ist, die noch lernen muss. Gerade, was die Kaltblütigkeit vor dem Tor betrifft.

Von den drei Schweizer Spielern Nino Niederreiter, Eric Blum und Sven Andrighetto, die als beste ihres Teams an dieser WM ausgewählt wurden, spielen zwei in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Ein Zufall?

Fischer: Es hat ja sicher seine Gründe, dass Nino und Sven in der NHL spielen. Sie waren auch die Zugpferde in unserer Offensive. Aber auch Spieler aus der Nationalliga A haben diese Rolle übernommen, Berns Simon Moser etwa.

Der Schweiz hat in Moskau ein starker Rückhalt gefehlt. Goalie Reto Berra war mit einer Abwehrquote von 88,07 Prozent nicht die Hilfe zwischen den Pfosten, die es für eine Viertelfinalteilnahme gebraucht hätte. Was sagen Sie zu seiner Leistung?

Fischer: Hat Reto Berra seine beste WM gespielt? Sicher nicht. Hat die ganze Mannschaft ihre beste WM gespielt? Auch nicht. Ich werde nach diesem Turnier sicher nicht einzelne Spieler kritisieren.