Neu sortieren nach dem Kaltstart

Der FC St. Gallen hat einen klassischen Fehlstart in die Rückrunde hinter sich. Nach dem 1:4 gegen den FC Zürich muss sich die Mannschaft massiv steigern, um am Sonntag gegen das letztklassierte Luzern bestehen zu können.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Aus St. Galler Sicht war es der einzige emotionale Moment des Abends: Vor dem Spiel gegen den FC Zürich verabschiedete sich Philippe Montandon von den Zuschauern. Präsident Dölf Früh überreichte dem früheren Captain, der nach acht Gehirnerschütterungen seine Karriere beenden musste, ein Präsent und einen Blumenstrauss. In der bitterkalten AFG Arena hätte danach Schluss sein sollen mit dem Verteilen von Geschenken, so war es eigentlich vorgesehen. Die Vorbereitung war gut verlaufen, in sieben Testspielen hatten die St. Galler nur einmal verloren. Doch sie bekamen schnell zu spüren, wie wenig Wert das alles hat, wenn es im ersten Ernstkampf nicht gelingt, den Schalter umzulegen, wenn kaum ein Spieler sein Niveau erreicht. Nach 90 Minuten sagte Trainer Jeff Saibene: «Es war eine enttäuschende Leistung.»

«Die falsche Entscheidung»

Der FC Zürich – er hatte von sechs Testspielen kein einziges gewonnen – lag nach 13 Minuten mit 2:0 in Führung. St. Gallen hatte sich gleich zweimal bei Freistossflanken des Gegners ungeschickt verhalten. Zuerst traf Franck Etoundi per Kopf, danach Marco Schönbächler direkt. Das 0:2 schien nicht unhaltbar. St. Gallens Torhüter Marcel Herzog gab zu, nicht damit gerechnet zu haben, dass Schönbächler die direkte Variante wählen würde. «Deshalb stand ich zu weit vorne und wollte auf eine mögliche Flanke reagieren. Rückblickend war es natürlich die falsche Entscheidung.»

Doch Herzog alleine war nicht schuld am klassischen Fehlstart des FC St. Gallen. Die ganze Mannschaft wirkte von Beginn an unsortiert und nach dem frühen 0:2 wie gelähmt. Die Niederlage noch schmerzlicher machen dürfte die lange Absenzenliste des Gegners. Er musste in St. Gallen gleich auf sieben Spieler verzichten, die potenziell seiner Startformation angehören könnten. Trainer Urs Meier verzichtete nach dem Africa Cup auf seine Tunesier Yassine Chikhaoui und Amine Chermiti, gesperrt war Davide Chiumiento. Trotz dieser Abwesenheiten geriet der FC Zürich gegen einen direkten Konkurrenten um die Europacup-Plätze nie in Gefahr, das Spiel zu verlieren. Nach zwei Niederlagen vor der Winterpause und den Testspielen ohne Sieg sagte Meier: «Wir haben das Gefühl eines Sieges wieder einmal gebraucht.» Die Gastgeber waren defensiv zu anfällig, im Mittelfeld zu wenig präsent und offensiv kaum gefährlich. Sie versuchten zwar, den Tritt nach der Pause zu finden, und waren während einer längeren Phase auch mehr im Ballbesitz. Doch insgesamt kamen die Ostschweizer bloss zu drei Torchancen. Eine davon nutzten sie durch den eingewechselten Dzengis Cavusevic in der 77. Minute zum 1:3. Für den Slowenen war es das erste Tor seit dem 4. Oktober und dem 2:1-Heimsieg gegen Basel. «Doch das bringt mir nichts. Wir haben verloren», sagte der Stürmer. Sie hätten schlecht begonnen «und wenn man gegen Zürich 0:2 in Rückstand ist, wird es schwierig». Das Team habe zwar versucht, sich Chancen zu erarbeiten, «aber dadurch öffneten sich Räume, die eine Mannschaft wie Zürich nutzt».

St. Gallen vermisste vor allem den gesperrten Everton. Der Brasilianer war in der Vorrunde ein Spieler, der sein Team zusammenhielt, ihm Balance verlieh und das Spiel beruhigte. «Einen wie Everton kann man nicht ersetzen», sagte Trainer Saibene.

Heilsame Niederlage?

Verloren hat der FC St. Gallen nach diesem 1:4 noch nichts. Möglicherweise war die deutliche Niederlage und der Leistungsunterschied auch heilsam. Schon am nächsten Sonntag zu Hause gegen Luzern muss sich St. Gallen deutlich steigern, um gegen ein Team, das sich gegen den Abstieg wehrt, bestehen zu können. Nur mit einem Sieg wird St. Gallen den Anschluss an die Europacup-Plätze halten können. Dass die Mannschaft reagieren kann, hat sie in der Vorrunde bewiesen; nach dem 0:2 gegen den FC Zürich blieb sie in sieben Partien ohne Niederlage.

St. Gallens Pascal Thrier (hinten) kann Zürichs Armando Sadiku nur noch mit den Händen zurückhalten. (Bild: Benjamin Manser)

St. Gallens Pascal Thrier (hinten) kann Zürichs Armando Sadiku nur noch mit den Händen zurückhalten. (Bild: Benjamin Manser)

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