Neongrau und immer noch wütend

Die Zürcher Rapperin Anna Frey heischte vor fünf Jahren als damals 19-Jährige viel Szenenapplaus ein. Mittlerweile lebt sie in Hamburg und präsentiert heute abend mit Flo Stoffner zusammen ihr neues Album «Neongrau» in Frauenfeld.

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Anna & Stoffner sind «neongrau». (Bild: pd)

Anna & Stoffner sind «neongrau». (Bild: pd)

Anna Frey, sind Sie «still young» – der Titel der 2006er-EP – oder mittlerweile mit Anna & Stoffner erwachsen geworden?

Anna Frey: Wenn es bedeutet, nicht mehr wachsen zu können, möchte ich nicht erwachsen werden. Ich will mich musikalisch weiterentwickeln und immer Neues ausprobieren. Und das haben wir mit «Neongrau» auch getan.

Ist Anna & Stoffner im Vergleich zu Ihren Soloalben «still young» oder «Trotzdem» vom musikalischen Zugang her anspruchsvoller?

Frey: Ob das Album intellektueller ist als seine Vorgänger, überlasse ich den Hörern zur Beurteilung.

Auf Ihrer MySpace-Site liest man, Anna & Stoffner, das sei wie PJ Harvey und Buck65, die heiraten würden. Also Singer/Songwriter mit Punk-Attitüde, der auf Indie-Hip- Hop trifft. Wann sind Kinder geplant? Wohin geht's in die Flitterwochen?

Frey: Das erste Kind ist wohl unser Album, und das soll für sich sprechen.

Apropos Kinder und Geschlechter-Rollenverteilung: Vor fünf Jahren haben Sie das Image der jungen, gutaussehenden, offensiv feministischen Rapperin bedient. Sind Sie «angry young urban riot-girl» geblieben?

Frey: Nun ja, ich kann nicht genau beurteilen, wie ich gegen aussen wahrgenommen wurde, habe dabei aber nie absichtlich irgendein Image bedient. Jedenfalls: Ich bin noch immer jung und auch immer wieder mal wütend.

Anna Frey und Sie, Flo Stoffner, leben mittlerweile in Hamburg, Anna Frey studiert Schauspielregie an der Hamburger Kunsthochschule. Inwiefern hat Sie diese örtliche Veränderung in Ihrem künstlerischen Schaffen beeinflusst?

Florian Stoffner: Es ist immer gut, mal den Ort und das Umfeld zu wechseln, damit auch mal was anderes als das Gewohnte zu sehen. So nimmt man seine Aussenwelt und sich selber anders wahr, und das schlägt sich auch automatisch in der Kunst nieder.

Das Zürcher Theaterspektakel, welches von Anna & Stoffner dieses Jahr bespielt wurde, schreibt von gerappten Chansons. War das ein einmaliger Ausflug in den Theaterkontext oder fühlen sich Anna & Stoffner auf solchen Bühnen mittlerweile wohler als in Clubs?

Frey: Am Theaterspektakel habe ich sehr gerne gespielt, freue mich aber auch darauf, in Clubs zu spielen. Ich glaube nicht, dass man sich da entscheiden muss.

Oder geht es mit einem Poetry 'n' Sound-Konzept irgendwann mal in Richtung Kleinkunst?

Stoffner: Poetry 'n' Sound oder Kleinkunst ist uns eigentlich egal. Wenn wir unsere Musik machen, überlegen wir uns nicht, wo wir am besten hinpassen. Wir machen Musik, weil es für uns wichtig ist.

Zum Schluss noch zum Konzert von heute abend in Frauenfeld. Von «little big city» Zürich über die anonyme Millionenstadt Hamburg in die Ostschweizer Provinz: Sind Sie glücklich, den Thurgau nach der Show wieder hinter sich lassen zu können?

Frey: Ich bin froh, dass ich meinen festen Wohnsitz nicht mehr in der Schweiz habe. Aber deswegen habe ich nichts gegen die Provinz. Ich geniesse es sehr, hier zu sein.

Stoffner: Meine Grossmutter wohnt im Thurgau. Was soll also dagegen sprechen? Trotzdem freue ich mich auch wieder, in Hamburg zu sein.

Interview: Mathias Frei

Sa 10.9., 21.30, Kaff, Frauenfeld: Anna & Stoffner, Support: Intellect. www.myspace.com/annastoffner

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