Neffs Neustart

Jolanda Neff steigt am Wochenende in Tschechien unter veränderten Rahmenbedingungen in den Weltcup. Die St. Galler Studentin hat weiter hohe Ziele.

Jonas Schneeberger (sda)
Merken
Drucken
Teilen
Die Thalerin Jolanda Neff war Olympiafavoritin und dreifache U23-Weltmeisterin. Nun fährt sie für ein polnisches Team. (Bild: Mareyke Frehner)

Die Thalerin Jolanda Neff war Olympiafavoritin und dreifache U23-Weltmeisterin. Nun fährt sie für ein polnisches Team. (Bild: Mareyke Frehner)

Jonas Schneeberger (SDA)

«Zurück zur Normalität» lautet die Devise im nacholympischen Jahr beim Gros der Mountainbiker vor dem Startschuss zur Weltcupsaison 2017 in Nove Mesto. Für die zweimalige Gesamtsiegerin Jolanda Neff gilt dies nicht. Die 24-jährige Ostschweizerin hat in Tschechien einige Fragezeichen im Gepäck. Wo steht sie nach der durchzogenen Saison 2016? Halten Rücken, Rippen und Lunge den Belastungen und allfälligen Stürzen stand? Wie wirkt sich das Studium auf die Leistungen aus? Harmoniert das neue Team?

Neff hatte über den Winter einiges aufzuarbeiten und umzukrempeln. Gemessen an ihren hohen Ansprüchen ist das Olympiajahr 2016 missglückt. Übernommen, davon ist die St. Gallerin überzeugt, hat sie sich mit ihrem Doppelstart in Rio de Janeiro im Cross Country und auf der Strasse nicht. «Mein Plan war gut», sagt sie. Ausgebremst vom eigenen Körper, verpasste Neff die angepeilte Medaille in Rio. Schmerzen im Rippenbereich, herrührend von Stürzen im Mai in La Bresse und vor dem Cross-Country-Olympiarennen, verursachten Rückenprobleme und Atemschwierigkeiten – Probleme, die sich in den wichtigsten Wettkämpfen bemerkbar machten. In Rio resultierte im Cross Country der enttäuschende sechste Platz. Und als hätte es noch eine unschöne Pointe zum Abschluss der Saison gebraucht, zog sich Neffs Stöckli-Team abrupt aus dem Weltcup zurück.

Optimistisch gestimmt

Vor allem, weil Neff die Gründe für die lähmenden Schmerzen erkannt hat, nimmt sie die neue Saison optimistisch gestimmt in Angriff. In ihrem neuen Team Kross Racing fühlt sie sich an der Seite der befreundeten Polin Maja Wloszczowska sehr wohl. «Das Team war meine Wunschlösung», sagt Neff. Auch deshalb startet sie im Weltcup und an der WM in Cairns in Australien im September mit den höchstmöglichen Zielen. Ungewiss sind indes die Auswirkungen des im Herbst letzten Jahres begonnenen Geschichtsstudiums, das sie in den nächsten mindestens vier Jahren parallel absolvieren will.

Schweizer Frauen im Kommen

Im Schatten von Neff nähert sich Linda Indergand der absoluten Spitze an. Nach einem zweiten Platz vor einem Jahr in Cairns scheint der erste Weltcupsieg für die 23-jährige Urnerin nicht mehr unrealistisch. Jedenfalls machte sie in den vergangenen Wochen einen ganz starken Eindruck. Auch Neffs letztjährige Teamkollegin, die 21-jährige Alessandra Keller, ist für Spitzenplätze gut. Und mit der 19-jährigen Sina Frei klopft bereits das nächste Schweizer Ausnahmetalent ans Tor zur Weltklasse. Neffs härteste Gegnerinnen dürften indes die schwedische Olympiasiegerin Jenny Rissveds und die Weltmeisterin Annika Langvad aus Dänemark sein.