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Basketballer Leonard: das letzte Einhorn

Kawhi Leonard (27) hat die Toronto Raptors in den ersten NBA-Final der Klubgeschichte geführt. Der Kalifornier wird als Lichtgestalt verehrt, doch sein drohender Abgang liegt wie ein Schatten über der Stadt.
Nicola Berger
Auch wenn Kawhi Leonard Selbstinszenierung fremd ist: Die Schlagzeilen gehören ihm. (Bild: Frank Gunn/AP (Toronto, 29. Mai 2019))

Auch wenn Kawhi Leonard Selbstinszenierung fremd ist: Die Schlagzeilen gehören ihm. (Bild: Frank Gunn/AP (Toronto, 29. Mai 2019))

Als Kawhi Leonard aufwuchs, im mit Gangs, Gewalt und Subkultur assoziierten Stadtteil Compton vor den Toren von Los Angeles, hasste er es, seinen Geburtstag zu feiern, er mochte die Aufmerksamkeit nicht. Und im Grunde hat sich daran bei Leonard, 27, bis heute nicht viel verändert. Der Kalifornier ist der beste Spieler dieses NBA-Playoff, er hat die Toronto Raptors gerade im Alleingang in den Final geführt, zum ersten Mal in der Klubgeschichte. Die Stadt ergibt sich gerade einer beispiellosen «Kawhimanie». Es gibt Restaurantbesitzer, die ihm Gratisverpflegung auf Lebzeiten in Aussicht stellen. Graffitis mit seinem Konterfei. Ehrerbietungen aller Art.

Leonard scheint das alles nicht so wirklich zu bewegen, er zeigt fast nie Emotionen. Vielleicht macht ihn das so nervenstark und fokussiert. Der Superstar ist einer der einzigen Profis im NBA-Kosmos, der auf den sozialen Medien kaum präsent ist. Er besitzt einzig ein Twitter-Konto, es ist seit vier Jahren nicht mehr benutzt worden. In einer Liga, in der die Spieler kurz vor Anpfiff mit der Welt teilen, welche Schuhe sie gerade tragen, ist Leonard eine Anomalie; so etwas wie das letzte Einhorn. Leonard funktionierte schon immer anders. Es gibt diese Episode: Wie er als Jugendlicher an der Canyon Springs High School Basketball spielte, oft skorte, und ein Lokaljournalist die Punkte irrtümlicherweise einem Teamkollegen gutschrieb. Leonard weigerte sich, auf den Fehler hinzuweisen. Seiner Mutter beschied er, es spiele doch keine Rolle, er brauche die Punkte nicht.

Mord am Vater ist bis heute nicht aufgeklärt

Die allgegenwärtige Hysterie um Profisportler, das ewige Streben nach Berühmtheit: Diese Auswüchse des modernen Sports sind ihm suspekt geblieben. Gregg Popovich, Leonards früherer Trainer bei den San Antonio Spurs, sagt: «Er liebt den Sport, nicht das, was daraus gemacht wird. Ihm wäre es lieber, wäre das Stadion bei den Spielen leer.» Das ist nur logisch: Wem Selbstinszenierung fremd ist, der braucht auch kein Publikum. Leonard gibt wenig von sich preis, seine Antworten auf Interviewfragen sind berüchtigt nichtssagend. Doch so introvertiert er sich auch gibt: Die Schlagzeilen gehören trotzdem ihm. Er ist einer der komplettesten Basketballer der Liga, und in diesem Frühjahr spielt niemand besser als er. Masai Ujiri, der General Manager der Raptors, sagt: «Er ist der beste Spieler der Welt.» Ujiri ist in diesen Tagen ein glücklicher Mann – unabhängig davon, ob die Raptors im Final gegen den turmhohen Favoriten Golden State Warriors tatsächlich etwas werden ausrichten können. Er akquirierte Leonard im Juli 2018 im Tausch mit dem Publikumsliebling DeMar DeRozan, was mutig war, weil Leonard lange nicht mehr gespielt hatte, wobei bis heute nicht ganz klar ist, ob er verletzt war oder einfach keine Lust mehr hatte, für die San Antonio Spurs aufzulaufen. Nach dem Transfer hiess es, Leonard sei mit der Destination nicht glücklich, er wolle zu den Los Angeles Clippers wechseln. Zurück in die Heimat, die ihn so sehr prägte. In welcher er als Heranwachsender seine eigene Lampe mitnahm, wenn er in der frühmorgendlichen Dämmerung einen öffentlichen Basketballplatz aufsuchte, um zu trainieren. In der er als Kind in der Autowaschanlage seines Vaters aushalf. Bis dieser am Arbeitsplatz erschossen wurde, im März 2008, der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt worden.

Ab dem 1. Juli kann Leonard seinen nächsten Arbeitgeber frei wählen. Er muss auf wenig Rücksicht nehmen, auch nicht darauf, dass er mit einem Abgang Millionen von Menschen enttäuschen würde; in Toronto wäre das nicht anders als in San Antonio. Dort gewann er 2014 den NBA-Titel, der Erfolg macht ihn noch unabhängiger. Zumal er in Toronto gerade bewiesen hat, dass er ein Team im Alleingang sehr weit führen kann. Geld scheint für Leonard eine untergeordnete Rolle zu spielen, auch wenn er als sparsam gilt. Verbürgt ist die Geschichte, dass er regelmässig die Gutscheine nutzt, die ihm sein Sponsor «Wingstop», eine Fast-Food-Kette für Chicken Wings, zur Verfügung stellt. Er, der alleine in dieser Saison 21 Millionen Dollar verdient. Die Gerüchte über seine Zukunft schiessen schon seit Monaten ins Kraut, eine ganze Armada an Journalisten will im Besitz von Insiderinformationen sein. Leonard bleibt sich dabei treu, er sagt einfach: nichts.

Die Warriors sind auch ohne Stars der Favorit

Es wäre eine Sensation, würden sich die Golden State Warriors im NBA-Final (erstes Spiel in der Nacht auf Freitag)nicht den vierten Titel innerhalb der letzten fünf Jahre sichern. Die Buchmacher quotieren das Team als 1,30-Favorit. An der Rollenverteilung ändert auch nichts, dass Golden State zu Beginn der Serie wohl ohne die angeschlagenen Stars Kevin Durant und DeMarcus Cousins auskommen muss. Im Western-Conference-Final gegen die Portland Trail Blazers wirkten die Warriors auch ohne das Duo unwiderstehlich und gewannen die Serie 4:0. Die Raptors düpierten die Milwaukee Bucks, das erfolgreichste Team der Qualifikationsphase, nach einem 0:2-Rückstand mit 4:2-Siegen. (nbe)

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