NATIONENWERTUNG: Der Gastgeber fährt hinterher

Die Schweizer Skirennfahrer starten an der WM in St. Moritz gleich mit mehreren Trümpfen. An den vergangenen Grossanlässen gewann das Gastgeberland die Medaillenwertung jedoch nie.

Raya Badraun/St. Moritz
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WM-Enttäuschungen vor heimischem Publikum: Lindsay Vonn holt 2015 in Beaver Creek nur Super-G-Bronze (jubelnd: Anna Fenninger Veith und Tina Maze). Der Österreicher Klaus Kröll wird in Schladming 2013 in der Abfahrt undankbarer Vierter – hinter Aksel Lund Svindal, Dominik Paris und David Poisson. (Bilder: Jean-Christophe Bott)

WM-Enttäuschungen vor heimischem Publikum: Lindsay Vonn holt 2015 in Beaver Creek nur Super-G-Bronze (jubelnd: Anna Fenninger Veith und Tina Maze). Der Österreicher Klaus Kröll wird in Schladming 2013 in der Abfahrt undankbarer Vierter – hinter Aksel Lund Svindal, Dominik Paris und David Poisson. (Bilder: Jean-Christophe Bott)

Raya Badraun/St. Moritz

Die Schweizer Skirennfahrer kennen ihre Piste in St. Moritz, manche schwärmen vom Schnee. Die Kälte und Trockenheit machen ihn griffig. Das mag längst nicht jeder. Doch auch wenn der Untergrund vielen Schweizern liegt, es ist noch keine Garantie für erfolgreiche Wettkämpfe. Denn Heimvorteil scheint es im Skisport nicht zu geben – zumindest wenn man den Medaillenspiegel ­betrachtet. In den vergangenen 14 Jahren führte das Gastland diesen kein einziges Mal an. Das letzte Mal, dass dies eine Nation schaffte, war 2001. In St. Anton am Arlberg holte Österreich elf Medaillen, drei davon waren golden. Noch dominanter war die Schweiz 1987 in Crans-Montana. Der Gastgeber gewann damals acht Rennen. St. Moritz hingegen brachte den heimischen Skirennfahrern bisher kein Glück. 1974 gab es für die Schweiz nur eine Bronzemedaille. Diese holte damals die Waadtländerin Lise-Marie Morerod im Slalom. Die Favoriten Bernhard Russi und Roland Collombin hingegen scheiterten. Und bei der letzten WM im Engadin, die 2003 stattfand, belegten die Schweizer Skirennfahrer mit zwei Silber- und zwei Bronze­medaillen lediglich den sechsten Rang in der Nationenwertung.

Das lange Warten der Österreicher

Die Schweiz ist jedoch keine Ausnahme. Österreich traf es zuletzt ebenso. An den vergangenen sieben Weltmeisterschaften führte die Skination fünfmal den Medaillenspiegel an. Zu Hause in Schladming schaffte sie es vor vier Jahren hingegen nicht an die Spitze. Die österreichischen Anhänger mussten Geduld beweisen. Lange gewannen die Gastgeber gar nichts, dann holten sie ein paar Bronzemedaillen und eine silberne. Im Teamwettkampf sicherten sie sich schliesslich die erste Goldmedaille. Diese verströmte im Vergleich zu anderen jedoch kaum Glanz. Erst am letzten Tag der Ski-WM wurden die Österreicher erlöst.

Marcel Hirscher, der damals erst 23 Jahre alt war und unter enormem Druck stand, fuhr im Slalom auf den ersten Rang. Für die Spitzenposition in der Nationenwertung reichte dieser Sieg jedoch nicht mehr. Diese sicherten sich die USA. Ted Ligety erkämpfte sich vor vier Jahren nämlich gleich drei Goldmedaillen, die erst 17-jährige Mikaela Shiffrin eine.

«Ich wollte es wohl zu sehr gut machen»

Zwei Jahre später, an der vergangenen WM, war es umgekehrt. Österreich gewann, die amerikanischen Gastgeber fuhren hinterher. Vor allem die Ausnahme­athletin Lindsey Vonn konnte ihr Können nicht abrufen. Im Super-G musste sie sich mit Bronze begnügen, in der Abfahrt wurde sie lediglich Fünfte. «Ich wollte es wohl zu sehr gut machen», zog sie später Bilanz. Auch auf den Schweizer Schultern lastet in den kommenden Tagen grosser Druck. Entscheidend wird wohl sein, wie sie vor heimischem Publikum damit umgehen können.