NATIONALTEAM: Meister Petz soll essen

Die Schweiz bereitet sich auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Lettland vor. Der Hunger sei wieder da, sagt Nationalcoach Vladimir Petkovic. Wenn er nur im Vorfeld nicht immer Xherdan Shaqiri verteidigen müsste.

Christian Brägger, Lausanne
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Vladimir Petkovics bildliche Botschaft an die Schweizer Nationalmannschaft: Sie soll alle gegnerischen Kegel aus dem Weg räumen. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Vladimir Petkovics bildliche Botschaft an die Schweizer Nationalmannschaft: Sie soll alle gegnerischen Kegel aus dem Weg räumen. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Christian Brägger, Lausanne

Vladimir Petkovic spricht gern in Bildern, seit er der Nationaltrainer der Schweiz ist. Insbesondere seit vergangenem Spätherbst, als sich seine Mannschaft, wie er sagt, wohlig wie ein Bär in den Winterschlaf verabschiedete – notabene nach dem 2:0 gegen die Färöer mit dem Punktemaximum in der WM-Qualifikation. In diesen bildlichen Vergleichen umgeht Petkovic geschickt die sprachlichen Unebenheiten, die es zwischen ihm, dem in Sara­jevo Geborenen, und dem Deutschen gibt. Auch die neueste Bildsprache, die er gestern an der Pressekonferenz verwendete, war deutlich, und vor allem knüpfte sie an die alte an: Meister Petz, also sein Team, hat jetzt wieder Hunger. Petkovic sagte: «Der Bär hat gut geschlafen, weil er einen vollen Bauch hatte. Aber jetzt ist der Winterschlaf beendet, der Bär ist aufgewacht. Um zu essen, braucht er die nächsten drei Punkte.» Entsprechend hielt Petkovic eine Illustration hoch, die er seinen Spielern wohl schon mehrmals präsentiert hatte: ein brüllender Bär, dazu eine Schweizer Bowlingkugel, die Kegel der WM-Qualifikationsgegner Portugal, Lettland, Färöer, Ungarn und Andorra aus dem Weg räumt.

Es geht bei drei weiter, nicht bei eins

Über vier Monate ist es nun her, seit sich die Nationalmannschaft letztmals gesehen hat. Ursprünglich dachte der Trainer, er werde seine Arbeit auf einer Eins weiterführen können, doch gestern sagte er: «Wir sind bei plus drei oder vier. Die Stimmung im Team ist gut, die Spieler waren sofort präsent.» Dennoch sind die Wochen und Monate nicht spurlos an den Schweizern vorbeigegangen, es gab Probleme in den Verei­nen, evoziert durch Verletzungen, Trainerwechsel oder Sperren nach roten Karten. «Teilweise hat sich in den Clubs die Dynamik verändert, aber ich lasse meine Spieler nicht im Stich. Sie haben mich auch nie enttäuscht», sagte Petkovic. Vor allem blieb er seiner Linie treu und forderte bereits, was er von dieser Schweizer Mannschaft seit zweieinhalb Jahren als Nationaltrainer fordert und weswegen er ja auch engagiert worden war: «Wir wollen gegen Lettland das Spiel machen, wir wollen gewinnen, weil wir auch weiterhin alle Fäden in der Hand haben wollen.»

Nicht mehr alle Fäden in der Hand scheint Petkovic bei Xherdan Shaqiri zu haben nach der ungefähr zehnten muskulären Verletzung der vergangenen drei Jahre. Irgendwie macht es gar den Anschein, dass nicht einmal der Spieler selbst noch die Fäden in der Hand hält, sondern längst der Körper die Kontrolle übernommen hat. Petkovic sagte: «Er hat kein Signal gegeben, dass es ihm nicht gut geht. Natürlich muss auch er mich für die Startformation überzeugen.» Der Nationaltrainer verwies darauf, dass es ratsam wäre, wenn sich Shaqiri mit dem Arbeitgeber Stoke und der Familie, dem «Shaqiri-Clan», an einen Tisch setzen würde. «Um gemeinsam zu analysieren, wie es besser werden kann. Drei Teams in drei Jahren, das ist nicht so einfach zu verdauen.»

Doch ist Shaqiri überhaupt bereit, Ratschläge aufzunehmen, die aus dem Kreis des Nationalteams kommen? Petkovic sagte: «Er muss sich mit sich beschäftigen. Wer top sein will, muss professionell sein. Aber ich überprüfe nicht, ob er um 12 Uhr abends Stretching macht oder ob er Popcorn oder Hackfleisch isst.»

Einzig der Bär soll dann essen, wenn er Hunger hat.