Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nächste Station Australien

Seit den Olympischen Spielen in Rio nimmt Nico Stahlberg Tag für Tag. Ob der 24jährige Thurgauer seine Karriere als Ruderer weiterführt, ist offen. Zuerst müssen einige Fragen geklärt werden.
Raya Badraun
Momentan lässt Nico Stahlberg sein Ruderboot im Bootshaus des RC Kreuzlingen. Bild: Andrea Stalder (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Momentan lässt Nico Stahlberg sein Ruderboot im Bootshaus des RC Kreuzlingen. Bild: Andrea Stalder (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Spiegelglatt liegt der Bodensee im Morgenlicht. Es wären perfekte Bedingungen, um das Ruderboot mit kräftigen Bewegungen über das Wasser zu schieben. Doch Nico Stahlberg bleibt lieber an Land. Seit seiner Rückkehr aus Rio de Janeiro sass er erst zweimal im Boot, etwa um den Nachwuchs in Kreuzlingen zu trainieren. Mehr möchte er momentan nicht. Zuletzt ist er pro Jahr 6000 Kilometer gerudert, auch dann, wenn er keine Lust hatte. Seit den Olympischen Spielen macht er deshalb eine Pause vom Rudersport, der davor seinen Alltag ausfüllte.

Langweilig wird es ihm dennoch nicht. Über die Jahre hat Stahlberg alles auf die Zeit nach den Olympischen Spielen verschoben. Treffen mit Kollegen. Biketouren in den Bergen. Zeit mit der Familie. «Meine Eltern mussten jeweils an Wettkämpfe reisen, um mich zu sehen», sagt der 24-Jährige. «Nun bin ich wieder Teil der Familie.» Seit seiner Rückkehr aus Brasilien lebt er im Elternhaus in Schönenberg. Seine Wohnung in Luzern hat er für ein halbes Jahr untervermietet.

Will er das alles nochmals auf sich nehmen?

Eine solch lange Pause machte Stahlberg seit Jahren nicht mehr. Selbst nach den Olympischen Spielen in London 2014 konnte er nur kurz innehalten. Bereits im Oktober musste er damals in die Rekrutenschule. «Am Ende der Vorbereitungen für Rio habe ich gespürt, dass es eine extrem lange Zeit war.» In den kommenden Monaten muss er sich nun die Frage stellen, ob er das alles nochmals will. Das intensive Training in Sarnen. Die Kilometer auf dem Wasser. Der Verzicht. «Ich mache es nur, wenn ich mit voller Überzeugung dahinterstehe», sagt Stahlberg. Bei der Entscheidung helfen ihm wohl auch die Erinnerungen an die Sommerspiele in Rio de Janeiro. Dabei lief es in Brasilien nicht wie gewünscht. Das grosse Ziel, den Final, verpasste der schwere Doppelvierer deutlich. «Das war ein Tiefpunkt», sagt Stahlberg. So lange hatten sie darauf hingearbeitet, so lange gehofft. Doch trotz der Enttäuschung konnten sich die vier Ruderer nochmals aufrichten und den B-Final gewinnen. Mit dem siebten Rang holten sie am Ende gar ein Diplom. «Nur wenig hat gefehlt, um mit den Besten mitzuhalten», sagt Stahlberg.

Er spürt auch, dass noch nicht alles ausgereizt ist, dass er noch nicht an die Leistungsgrenze gestossen ist. «Die Motivation wäre deshalb da, um vier weitere Jahre zu trainieren», sagt er. Festlegen möchte er sich jedoch noch nicht. Dafür ist noch zu vieles offen, etwa die Trainerfrage.

Suche nach einem Studienplatz

Vergangene Woche wurde bekannt, dass Headcoach Ian Wright und Nationaltrainer Tim Dolphin den Schweizerischen Ruderverband verlassen. Die Suche nach den Nachfolgern läuft, die Stellen sind ausgeschrieben. «Um weiterzumachen, muss ich wissen, was für Vorstellungen Trainer und Verband haben», sagt Stahlberg. Auch privat ist noch vieles offen. Im kommenden Frühling will er an Besuchstagen von verschiedenen Fachhochschulen teilnehmen und sich für ein Studium einschreiben. Den Forstwart würde die Forstwirtschaft interessieren, er könnte sich jedoch ebenso die Fachrichtung Erneuerbare Energien und Umwelttechnik vorstellen. «Es stellt sich auch die Frage, ob das Studium überhaupt mit dem Training vereinbar ist», sagt er.

Für solche Überlegungen lässt sich Stahlberg jedoch Zeit. Anderes steht momentan im Vordergrund. Ende Oktober oder Anfang November reist er für zwei bis drei Monate nach Australien. Einem Ruderclub möchte er dort beitreten, vielleicht auch eine Sprachschule besuchen. Noch ist jedoch kaum etwas geplant, nicht einmal das Datum der Abreise. «Das ist gut so», sagt Nico Stahlberg. In den vergangenen Jahren wusste er bereits lange im voraus, was er an welchem Tag zu tun hat. Nun lässt er sich für einen Moment treiben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.