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Nadine Fähndrich: «Der Kopf entscheidet viel, gerade bei mir»

Nadine Fähndrich war an den Weltmeisterschaften der Lichtblick des Schweizer Langlaufteams der Frauen. Die 23-jährige Luzernerin über Druck, Zukunftspotenzial und Doping.
Interview: Rainer Sommerhalder, Seefeld
Freute sich über viele positive Nachrichten: Nadine Fähndrich. (Bild: Federico Modica/Freshfocus, Davos, 15. Dezember 2018)

Freute sich über viele positive Nachrichten: Nadine Fähndrich. (Bild: Federico Modica/Freshfocus, Davos, 15. Dezember 2018)

Nadine Fähndrich lief noch nie so stark und konstant wie in den letzten zehn Tagen an der WM in Seefeld. Die 23-Jährige aus Eigenthal überzeugte im Sprint mit Platz 7 und einer nur knapp verpassten Finalqualifikation. Über 10 km in der klassischen Technik stiess Fähndrich als Fünfte sogar in die absolute Weltspitze vor. Trotz grosser Fortschritte sieht die neue Schweizer Teamleaderin bei sich weiterhin Steigerungspotenzial.

Können Sie von dieser WM eine durchwegs positive Bilanz ziehen?

Nadine Fähndrich: Die Weltmeisterschaften waren sehr anstrengend. Aber insgesamt durfte ich sehr viele schöne Erlebnisse geniessen. Aber es gab auch Enttäuschungen. Ich versuche, aus diesen Fehlern zu lernen.

Sie sprechen den knapp verpassten Final im Sprint an?

Ja, ich denke an den Halbfinal im Sprint. Aber auch an meine Magenverstimmung, worauf es mir im Teamsprint nicht optimal lief.

Zurück zu den Highlights: Hätten Sie sich vor der WM einen fünften Platz über 10 km klassisch zugetraut?

Nein, ich hätte nicht gedacht, dass ich über 10 km so weit nach vorne laufen kann. Ich wusste, dass ich es mit einem sehr guten Rennen in die Top 10 schaffen kann. Aber Top 5 ist überwältigend.

Gab es Reaktionen auf Ihre starken Leistungen?

Ja, es waren sehr viele positive Nachrichten. Sehr viele Gratulationen.

In einem Medienartikel wurden Sie als schüchtern beschrieben, ich erlebe Sie in dieser Saison als sehr selbstbewusst. Was von beidem stimmt nun?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich denke, ich bin von Natur aus eher ein zurückhaltender Mensch. Vor allem aber bin ich eine sehr ruhige Person. Das kommt dann vielleicht für viele als schüchtern rüber.

Aber neben den physischen werden vor allem Ihre mentalen Fortschritte bewundernd erwähnt. Wie viel macht Ihr Kopf aus und was hat sich dort bei Ihnen verändert?

Der Kopf entscheidet viel. Gerade bei mir, denn ich bin ein sehr kopflastiger Mensch. Mein Kopf steuert sehr viele meiner Handlungen. Das musste ich als Athletin in den Griff bekommen. Es war ein Prozess über mehrere Jahre. Ende der letzten Saison hat es ein wenig klick gemacht und ich habe versucht, dieses mentale Gefühl über den Sommer zu konservieren, was mir sehr gut gelang. Ich habe in dieser Beziehung sicherlich noch Potenzial, aber es ist schon viel besser, als ich es auch schon erlebt habe.

Wie muss man sich eine kopflastige Langläuferin vorstellen?

Ich überlege einfach sehr, sehr viel. Ich nehme alles zehnmal auseinander und analysiere und analysiere. Selbst während des Rennens denke ich über sehr viele Dinge nach. Manchmal wäre es schön, wenn ich diesen Schalter einfach kippen könnte. Aber das ist nicht möglich, deshalb muss man lernen, damit umzugehen.

Auffallend ist der kontinuierliche Aufbau in den letzten Jahren. Wer alles ist dafür verantwortlich, dass die Athletin Nadine Fähndrich derart überlegt Schritt für Schritt macht?

Das ist ein sehr grosses Team. Als erstes muss das persönliche Umfeld stimmen. Ich spüre eine grosse Unterstützung meiner Eltern, von meinem Freund und meinem Bruder. Auch meine treuen Sponsoren unterstützen mich. Aber natürlich gehört dieses Lob auch Swiss Ski mit den Trainern, Betreuern und dem Serviceteam. Das ganze Zusammenspiel funktioniert für mich sehr gut.

Step by Step zu nehmen bedarf viel Geduld. Sind Sie ein geduldiger Mensch?

(lacht)

Ich habe das Gefühl, dass ich gerade auf diese Saison hin etwas geduldiger geworden bin. Ich habe mir dies auch ganz bewusst vorgenommen. Aber nein, von Natur aus bin ich alles andere als geduldig.

Welche Bedeutung hat es für Sie, dass auch Ihr jüngerer Bruder ­denselben Sport leistungsmässig betreibt?

Dass er die gleiche Leidenschaft mit mir teilt, ist megaschön. Wir können uns sehr gut austauschen. Wir reden oder telefonieren auch sehr viel über unsere Leistungen – wenn einem von uns ein gutes Rennen gelungen ist. Aber auch, wenn es mir oder ihm gerade nicht so läuft. Das ist viel wert.

Aber den kleinen Bruder möchte man sportlich schon gerne in die Schranken weisen, oder?

Ja (lacht). Aber das liegt für mich schon länger nicht mehr drin. Physisch ist er inzwischen um einiges stärker als ich.

Welche nächsten Schritte erwarten Sie selber von sich?

Ich werde in den nächsten Wochen analysieren, auf welchen Gebieten ich mich weiter steigern kann, woran ich im Sommer gezielt arbeiten will. Ich habe das Gefühl, dass da noch einiges geht. Ich glaube, ich habe noch Potenzial. Dieses abzurufen, muss aber gut aufgebaut und gut überlegt sein. Wo und vor allem wie kann ich mich steigern.

Es sieht so aus, als ob die sportlichen Erwartungen im Schweizer Frauen-Langlauf nächstens alleine auf Ihren Schultern lasten. Ein gefährlicher Druck?

Ich habe Mühe mit Druck – mit jenem Druck, unter den ich mich selber setze. Den Druck von aussen bekomme ich nicht gross mit. Auf eine Art ist es aber auch schön, wenn man Druck spürt. Das bedeutet schliesslich, dass man gute Leistungen erreicht hat und es dadurch Erwartungen gibt. Ich versuche, den Druck aus dieser Warte zu sehen.

Aber Sie werden bald die absolute und wohl auch einzige Team­leaderin im Schweizer Frauen-­Langlauf sein.

Ich nehme es einfach, wie es kommt. Das ergibt sich von alleine. Eine Teamleaderin wird man auch nicht von heute auf morgen. Das baut sich über mehrere Saisons auf.

Das Thema Doping hat die WM überschattet. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie von der Razzia erfuhren?

Es sind geteilte Gedanken. Auf eine Art ist es sehr positiv, dass man die Betrüger erwischt. So weiss ein Athlet, dass das System funktioniert. Auf der anderen Seite ist es sehr, sehr schade, dass es so etwas überhaupt braucht und dass es Doping im Langlauf gibt. Das macht unseren Sport ein Stück weit kaputt.

Der überführte Langläufer Johannes Dürr sagte, der Spitzensportler werde derart darauf programmiert, immer wieder Grenzen zu über­winden, dass es schwierig sei, bei Doping genau diese Grenzen zu erkennen. Was gibt den Ausschlag, dass ein Athlet diese Grenze eben nicht überschreitet?

Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen. Mein Ziel im Spitzensport ist es, meinen Körper mit Training so zu steuern, dass ich das Maximum herausholen kann. Ich will am Schluss mit Befriedigung sagen können: das ist die Leistung, die mein Körper zu erbringen vermag. Jeder Körper ist anders, er mag heute mehr oder weniger zu leisten. Deshalb gibt es ja auch Rang 1, 2 oder 3. Das ist letztlich das Interessante am Sporttreiben. Deshalb verstehe ich nicht, wie man Doping betreiben kann. Dann ist man es schliesslich nicht mehr selber, der die Leistung erbracht hat.

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