FC St.Gallen-Staad
Die nächste Stufe für den Frauenfussball in der Ostschweiz

Das NLA-Team des FC St.Gallen-Staad wird in den FC St.Gallen integriert. Doch was bedeutet dieser Schritt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ives Bruggmann
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Höherer Stellenwert im FC St.Gallen: Anna Sutter (rechts) und die Frauen des FC St.Gallen-Staad.

Höherer Stellenwert im FC St.Gallen: Anna Sutter (rechts) und die Frauen des FC St.Gallen-Staad.

Ralph Ribi

«Der FC St.Gallen-Staad bekommt einen höheren Stellenwert beim FC St.Gallen», heisst es in der Medienmitteilung des Klubs. In der Organisation löste der FC St.Gallen das Super-League-Team der Frauen per sofort aus dem Nachwuchsförderprogramm Future Champs Ostschweiz und integrierte es in den FC St.Gallen. Was heisst das für die Zukunft der seit 2017 bestehenden Kooperation zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Staad? Die wichtigsten Antworten:

Was genau ist das Ziel der Integration in den FCSG?

Durch die Neupositionierung im Klub ist das Frauenteam neu direkt bei Männersportchef Alain Sutter angegliedert. Geleitet wird die Equipe durch die beiden Co-Sportchefinnen Patricia Willi und Sandra Egger. Sie sagen: «Dies gibt uns mehr Spielraum in der Gestaltung und Ausrichtung zur Entwicklung des Frauenteams und hilft uns zudem, öffentlichkeitswirksamer aufzutreten. Für die erste Equipe der Frauenteams ergeben sich durch die klare Positionierung und die Strukturanpassung noch mehr Synergien und weitere Fortschritte hinsichtlich der laufenden Professionalisierung.»

Was bedeutet das für die Kooperation mit Staad?

Die Zusammenarbeit mit dem FC Staad, die seit 2017 besteht und auch den Spitzenfussball bei den Juniorinnen umfasst, bleibt bestehen. «Wir haben seit langer Zeit einen engen und sehr konstruktiven Austausch mit den Verantwortlichen des FC Staad», sagt Co-Sportchefin Egger. Und auch Luc Haltner, Leiter der Frauenabteilung des FC Staad, sagt: «Wir fühlen uns enorm wertgeschätzt. Die Zusammenarbeit hat sich ausgezahlt. Dieser organisatorische Entscheid ist eine absolute Bestätigung für den Frauenfussball.» Gerade in dieser unsicheren Zeit sei diese Massnahme nicht hoch genug einzuschätzen, so Haltner.

Geht der Name des FC Staad irgendwann verloren?

«Die organisatorische Änderung zieht jedoch Anpassungen beim Auftritt mit sich. Das Frauenteam wird künftig ebenfalls unter der Marke FC St.Gallen 1879 auftreten», steht in der Medienmitteilung. Auf Nachfrage fügt der Klub hinzu: «Für uns ist es vorerst keine zentrale Frage, wann und ob der Name Staad wegfällt.» Noch ist also nichts beschlossen. Haltner sagt: «Wir sind sehr stolz auf den Namenszusatz Staad. Aber ob dieser auch bestehen bleibt, ist noch nicht entschieden. Es laufen Gespräche.» Am Ende müsse es eine saubere Lösung sein, mit der alle leben können, so Haltner.

Finden noch Heimspiele in Staad statt?

Für den Staader Bützel wird es immer schwieriger, alle Vorschriften des Verbands zu erfüllen. Seit dieser Saison zeichnet die SRG alle Partien auf. Darüber hinaus werden einzelne Spiele live übertragen. «Dafür ist das Espenmoos prädestiniert», sagt Haltner. Der Bützel dürfte in Zukunft einen schweren Stand haben. Das Auftaktspiel der Women’s Super League fand sogar im Kybunpark statt.

Staad, Seebach, Root, Schwerzenbach: Die Pioniere waren kleine Vereine

Die Entwicklung des Frauenfussballs verläuft rasant. Das war nicht immer so. Erst 2005 erlaubte der Schweizerische Fussballverband (SFV) den Frauen, eigenständige Vereine zu gründen. Bis dahin mussten sich die Frauen einem Männerverein anschliessen, wenn sie Fussball spielen wollten. In vielen grossen Vereinen wurden Frauen erst gar nicht zugelassen oder vernachlässigt behandelt. So gehörten oftmals kleine Vereine zu den erfolgreichsten Frauenfussballklubs: Die Vorgängervereine der heutigen Super-League-Teams heissen SV Seebach (heute FC Zürich), SK Root und SC Kriens (FC Luzern), Schwerzenbach (Grasshoppers) oder DFC Bern (YB-Frauen). Die Entwicklung geht nun aber wieder in die andere Richtung. In der höchsten Liga der Frauen spielen nur Teams, die Kooperationen mit den grossen Profiklubs eingegangen sind. Häufig nutzen Männer und Frauen in der Nachwuchsförderung und darüber hinaus dieselbe Infrastruktur. Weil sich der Frauenfussball immer weiter entwickelte, ist es für den FC Staad immer schwieriger geworden, alle SFV-Auflagen zu erfüllen. So war die Kooperation mit dem FC St.Gallen im Jahr 2017 der einzige Ausweg, die gesammelten Erfahrungen weiterhin in den Frauenspitzenfussball einfliessen zu lassen. Seit 1992 hatte Staad in der Ostschweiz eine Pionierrolle im Frauenfussball inne und war oftmals höher klassiert als die Frauen des FC St.Gallen. Nun arbeiten die beiden zusammen – in der höchsten Liga. (ibr)