«Da frage ich mich: Haben die Basler nichts gelernt?» – «YB ist einfach cleverer, auch neben dem Platz!»

Welche Erkenntnisse hat das Fussball-Wochenende geliefert? Wer fällt auf und wer fällt ab im Schweizer Spitzenspiel? Und was haben Guillaume Hoarau und Erling Haaland gemeinsam? Nachspielzeit für unsere Fussball-Reporter Raphael Gutzwiller und Markus Brütsch. Lesen Sie ihre lebhafte Diskussion.

Raphael Gutzwiller und Markus Brütsch
Drucken
Teilen
YBs Jean-Pierre Nsame, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 1:0, Basels Torhueter Jonas Omlin sitzt auf dem Kunstrasen, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel, im Stade de Suisse in Bern, am Sonntag, 26. Januar 2020. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

YBs Jean-Pierre Nsame, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 1:0, Basels Torhueter Jonas Omlin sitzt auf dem Kunstrasen, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel, im Stade de Suisse in Bern, am Sonntag, 26. Januar 2020. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Brütsch: Raphi, du hast das Spitzenspiel YB-Basel vor Ort mit verfolgt. Hat dich das Spiel erwärmt? Ich selber fand den 2:0-Sieg der Berner ziemlich langweilig. Ich gebe zu, dass ich auf dem Sofa vor dem Fernseher in der ersten Halbzeit mal kurz eingenickt bin...

Gutzwiller: Nein, wirklich erwärmt hat mich das Spiel auch nicht. Vor allem weil es im Stadion echt kalt war - da war es auf deinem Sofa sicher einiges gemütlicher. Und im Spiel gab es abgesehen von den YB-Toren ja kaum Torchancen. Trotzdem schienen die Berner Fans am Ende ziemlich happy. Kein Wunder, wenn man Nsame und Hoarau hat!

Brütsch: Dass der Sieg von YB verdient war, steht ausser Frage. Es ist schon erstaunlich: Beim 3:0-Sieg der Basler vor zwei Monaten im St. Jakob-Park hatten die Berner keinen Stich, gestern war es genau umgekehrt!

Gutzwiller: Stimmt! YB hat die Pause offenbar echt gut getan, die Berner waren wieder viel frischer und voller Energie. Aber erstaunlich fand ich vor allem der Unterschied auf der Bank. Basel brachte von Moos und Campo, YB Hoarau und Sulejmani, die kurz für die definitive Entscheidung sorgen. Das ist dann schon auch nochmals ein krasser Klassenunterschied. Aber allgemein war Basel enttäuschend... Lag das vor allem an den gesperrten Spielern?

Brütsch: Das hat sicher eine recht grosse Rolle gespielt. Obwohl die Basler in den Fernsehinterviews dies nicht als Grund für die schwache Leistung anführen wollten. Das ehrt sie zwar, entspricht aber nicht den Tatsachen.

Gutzwiller: Die Basler können ja auch nicht hinstehen und sagen: «Unsere Ersatzspieler sind schlecht.» Auch wenn es sicher ein grosser Unterschied ist, wenn du ohne Stocker, Xhaka, Cömert und Cabral antreten musst. Doch ich glaube im Moment, YB hätte auch gegen ein Basel mit all diesen Spielern gewonnen. Die Berner strotzen nur so vor Selbstvertrauen, das ist bemerkenswert. Und ob Basel nächste Woche St. Gallen schlägt, wage ich auch gleich zu bezweifeln!

Brütsch: Stimmt, dafür müsste sich der FCB steigern. Was mich wundert: Da müssen sie gegen YB wegen Disziplinlosigkeiten auf wichtige gesperrte Spieler verzichten, und dennoch fällt dem bereits verwarnten Verteidiger Alderete nichts Besseres ein, als nach einem Pfiff den Ball wegzuschlagen und jetzt fehlt er dem FCB gegen St. Gallen. Haben die Basler denn nichts gelernt?

26.01.2020; Bern; Fussball Super League - BSC Young Boys - FC Basel;Schiedsrichter Sandro Schaerer zeigt die gelb rote Karte Omar Alderete (Basel) (Urs Lindt/freshfocus)

26.01.2020; Bern; Fussball Super League - BSC Young Boys - FC Basel;
Schiedsrichter Sandro Schaerer zeigt die gelb rote Karte Omar Alderete (Basel)
(Urs Lindt/freshfocus)

Urs Lindt / freshfocus

Gutzwiller: Das habe ich mich auch gefragt! Aber witzig finde ich ja Alderetes Ausrede. Seine Mitspieler sagten nach dem Spiel, dass er gar nicht gewusst habe, dass er schon verwarnt gewesen sei. Darum hat er sich ja auch einfach wieder in die Abwehrreihe eingereiht, nachdem er den Ball weggeschlagen hat. Das kann ich irgendwie nicht glauben. Kein Wunder, war Koller sauer und meinte, solche Disziplinlosigkeiten gehen nicht. Basel war gegen YB einfach zu wenig clever – in allen Belangen...

Brütsch: ...und vielleicht auch nicht besonders clever neben dem Platz. Präsident Burgener soll gesagt haben, man wolle noch die nächsten Spiele abwarten, bevor man über eine Vertragsverlängerung mit dem Trainer entscheide. Ich finde das schlecht. Zum einen ist Kollers Leistungsausweis gross genug, um sofort zu verlängern. Zum andern ist es nicht gut, wenn dieses Thema nun die nächsten Wochen dominiert. Wurde in Bern auch darüber gesprochen?

Gutzwiller: Das finde ich auch recht dämlich. Die Gedanken von Burgener finde ich ja sogar legitim, aber warum man das so kommunizieren muss, ist mir schleierhaft. So viel ich mitbekommen habe, war das aber kein Thema nach dem Match. Übrigens, was denkst du, welcher YB-Spieler hat am längsten gebraucht, um zu duschen?

Brütsch: Hoarau! Weil der nach seinem Joker-Rekordzeit-Kopftor seine neue Frisur wieder richten musste...

YBs Guillaume Hoarau gestikuliert nach seinem Tor zum 2:0 im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel, im Stade de Suisse in Bern, am Sonntag, 26. Januar 2020. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

YBs Guillaume Hoarau gestikuliert nach seinem Tor zum 2:0 im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel, im Stade de Suisse in Bern, am Sonntag, 26. Januar 2020. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Gutzwiller: Genau so ist es! Sein Rekordtor beim ersten Ballkontakt hat mich irgendwie an einen anderen grossgewachsenen Stürmer erinnert, der in Dortmund gerade Rekord um Rekord bricht. Bist du auch schon im Haaland-Fieber?

Brütsch: Nein, Fieber nicht gerade. Aber es ist schon verrückt, was im Fussball immer wieder möglich ist. Da kommt ein 19-Jähriger frisch in die Bundesliga und schiesst als Einwechselspieler fünf Tore in nur 56 Minuten – Wahnsinn!

Gutzwiller: Und was glaubst du, was passiert am nächsten Fussball-Wochenende?

Brütsch: An der Spitze bleibt alles beim Alten: Luzern und YB spielen unentschieden wie Basel und St. Gallen.

Gutzwiller: Und wetten für St. Gallen trifft Cédric Itten gegen seinen Stammklub Basel bei einem 2:2 wiedermal doppelt?

Mehr zum Thema

Liebe Berner, liebe Basler, wer wird denn bitte Meister?

Mit einem Paukenschlag startet die Super League am Sonntag (16 Uhr) zur Rückrunde: YB gegen Basel, Meister gegen Vizemeister, Leader gegen Zweiter. Während in Bern alle überzeugt vom Meistertitel sind, zeigen sich die Verantwortlichen in Basel unschlüssiger.
Céline Feller und Raphael Gutzwiller