Nachgefragt

«Wir setzen uns unrealistische Ziele» Das Schweizer Handball-Nationalteam verpasst mit zwei Niederlagen gegen Weissrussland die EM 2012. Trainer Goran Perkovac will nun auf junge Spieler setzen und Anreize für sie schaffen.

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Goran Perkovac Schweizer Nationaltrainer Handball (Bild: Quelle)

Goran Perkovac Schweizer Nationaltrainer Handball (Bild: Quelle)

«Wir setzen uns unrealistische Ziele»

Das Schweizer Handball-Nationalteam verpasst mit zwei Niederlagen gegen Weissrussland die EM 2012. Trainer Goran Perkovac will nun auf junge Spieler setzen und Anreize für sie schaffen.

Herr Perkovac, hat das Schweizer Nationalteam in der Formation wie gegen Weissrussland das letzte Mal zusammen gespielt?

Vermutlich ja. Die komplette Analyse steht noch aus. Aber es steht schon länger fest, dass wir den Weg verändern müssen. Ich will junge motivierte Spieler im Kader haben und schon 16-, 17-Jährige auf diese Aufgabe vorbereiten. Wir können aber nicht auf alle verzichten, brauchen jene Leistungsträger, die Profispieler sind.

Sie hatten einige Tage Zeit, das Ausscheiden zu verdauen. Wo sehen Sie die Hauptprobleme?

Darin, dass wir uns unrealistische Ziele setzten. Und das waren die vergangenen drei Qualifikationen mit unseren Gruppengegnern. Man kann nicht mit einem normalen Golf ein Formel-1-Rennen gewinnen, auch mit dem besten Tuning nicht. Also müssen wir mindestens einen Golf GTI haben. Wir brauchen einen Turbo, mehr Professionalität.

Sie wollten nach der Rückkehr aus Minsk einen Plan für die Zukunft machen. Wie weit ist der?

Offiziell entschieden ist noch nichts. Aber ich habe einige Pläne. Denn mit dieser Generation weiterzumachen, ist Selbstmord. Wir brauchen frisches Blut. Das heisst aber auch, dass wir Zeit brauchen für die Entwicklung und eine Endrunde in den nächsten zwei Jahren kein Thema sein wird.

Sie betonen immer wieder, dass junge Spieler auf den Sport setzen müssen. Sind Sie im falschen Land Trainer?

Das ist auch möglich. Vielleicht auch in der falschen Sportart. Denn im Fussball und Eishockey funktioniert es in der Schweiz ja auch. Wir müssen für die jungen Spieler finanzielle Anreize schaffen, damit sie auf Handball setzen können, denn sie wollen ja.

Viele NLA-Clubs haben Geldprobleme. Das sind schlechte Aussichten.

Deshalb muss der Verband den Vereinen helfen und hart dafür arbeiten. Mir schwebt zum Beispiel ein Sponsor für junge Spieler vor. Damit hätten wir auch ein Druck- und Kontrollmittel. Alle könnten von der Situation profitieren. Oder Bundesligaclubs investieren in die Ausbildung von Talenten und können später auf sie zurückgreifen.

Ihr Vertrag läuft noch bis 2014. Haben Sie überhaupt die Geduld, nochmals von vorne anzufangen?

Wenn ich meinen Plan umsetzten kann, ist die Motivation gross. Wenn ich zwei Jahre in Ruhe arbeiten darf, dann sehe ich Licht am Ende des Tunnels. So wie jetzt schlägt es mir allerdings auf den Magen. Ich kann nicht Unmögliches bewegen. Und wenn wir so weitermachen, stelle ich mir auch die Frage, wieso die Schweiz einen Profitrainer braucht. (rab)