NACHGEFRAGT

«Nicht das wahre London» Die St. Galler Theologin Carla Maurer lebt in London und arbeitet für die englische reformierte Kirche. Die Stimmung während der Olympischen Spiele sei zwar gut gewesen, sagt die 32-Jährige.

Merken
Drucken
Teilen
Carla Maurer In London wohnhafte St. Galler Theologin. (Bild: Quelle)

Carla Maurer In London wohnhafte St. Galler Theologin. (Bild: Quelle)

«Nicht das wahre London»

Die St. Galler Theologin Carla Maurer lebt in London und arbeitet für die englische reformierte Kirche. Die Stimmung während der Olympischen Spiele sei zwar gut gewesen, sagt die 32-Jährige. Aber sie bezweifelt, dass der Osten der Stadt von den Investitionen profitieren wird.

Welche Olympischen Wettbewerbe haben Sie vor Ort verfolgt?

Ich war beim Synchronschwimmen. Das waren die einzigen Tickets, die wir bekamen – die Nachfrage war riesig. Daher habe ich vieles zu Hause im Fernsehen geschaut – mit dem Unterschied, dass ich 500 Meter vom Olympia-Stadion entfernt wohne.

Wie empfanden Sie die Stimmung?

Die Stimmung war aufregend. Die Menschen wollten einfach dabei sein. Alle waren friedlich, freundlich und geduldig. Allerdings ist das London, wie es rund um den Olympischen Park stattfindet, wegen der dominanten Sponsoren nicht wirklich präsent. East End und Olympischer Park: das sind zwei Welten.

Hat sich London während

der Spiele also verändert?

Die Stadt war sehr nervös. Die Hauptnachricht an die Bevölkerung war: Verlassen Sie, wenn möglich, die Stadt, vermeiden Sie die U-Bahn und richten Sie sich ein Home Office ein. Tatsache ist: die Stadt ist leer, die U-Bahn war selten so wenig besucht und die «normalen» Touristen bleiben aus.

Sie leben im Osten der Stadt. Werden sich die Investitionen positiv auf den Stadtteil auswirken?

Diese Frage beschäftigt viele. Es gab Demonstrationen mit mehreren hundert Menschen, die sich gegen die Spiele wehrten, auch als sie schon begonnen hatten. Diese Menschen machen keinen Gewinn. Sie verlieren eher, weil die Leute wegbleiben. Die Kinderarmut in Tower Hamlets ist eine der höchsten in Grossbritannien. Ich bezweifle, dass die Olympischen Investitionen etwas daran ändern werden. (mz)