NACHGEFRAGT

«Olympische Idee geht verloren» Bei Hugo Dietsche hängt eine Olympia-Medaille im Wohnzimmer. 1984 gewann der Ringer in Los Angeles Bronze. Dass seine Sportart ab 2020 nicht mehr olympisch sein soll, ist für ihn unverständlich.

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Hugo Dietsche Ehemaliger Ringer, Olympia-Bronzegewinner 1984 (Bild: Quelle)

Hugo Dietsche Ehemaliger Ringer, Olympia-Bronzegewinner 1984 (Bild: Quelle)

«Olympische Idee geht verloren»

Bei Hugo Dietsche hängt eine Olympia-Medaille im Wohnzimmer. 1984 gewann der Ringer in Los Angeles Bronze. Dass seine Sportart ab 2020 nicht mehr olympisch sein soll, ist für ihn unverständlich. Es sei nicht zu akzeptieren, dass nur noch der kommerzielle Gedanke zähle, sagt der 49-Jährige, der heute in Sevelen wohnt und weiterhin das Kriessener Ringer-Team trainiert.

Vielleicht bleiben Sie der letzte Schweizer Ringer, der eine Olympia-Medaille gewann.

Ich hätte es lieber anders. Die Nachricht, dass Ringen nicht mehr olympisch sein soll, hat mich regelrecht geschockt. Das kommt völlig unerwartet.

Gab es für Sie keine Anzeichen, dass der Sport, wie vom internationalen olympischen Komitee angetönt, an Beliebtheit verliert?

Natürlich hörte man von rückläufigen Mitgliederzahlen, von fehlender Medienpräsenz. Die Tradition sollte aber höher gewichtet werden als der kommerzielle Aspekt. Ringen ist eine olympische Disziplin der ersten Stunde, das gab es schon bei den alten Griechen und von Beginn weg an den Spielen der Neuzeit. Ich dachte, das habe einen Stellenwert. Offenbar aber nicht. Die olympische Idee bleibt auf der Strecke.

Was bedeutete ein Olympia-Aus für das Ringen in der Schweiz?

Langfristig werden Mitglieder fehlen. Im eigenen Club in Kriessern sind die Zahlen seit Jahren stabil, das dürfte sich aber ändern. Olympische Spiele waren immer eine Motivation für unsere jungen Ringer. Und für andere Anlass, mit dem Sport zu beginnen. Ich sehe das bei mir: Das Fieber kommt mit den Spielen – alle vier Jahre denke ich wieder an die eigenen Erfolge.

Was können die Ringer tun,

um das Unheil noch abzuwenden?

Auf Vereinsebene nichts. Ich hoffe aber, dass der Weltverband mit politischem Geschick beim IOC etwas erreichen kann. (rst)