NACHGEFRAGT

«Die Zehen spüre ich nicht mehr» Nach neun Tagen, einer Stunde und 44 Minuten kam der Gaiser Extremsportler Reto Schoch gestern am Race Across America in Annapolis/Maryland an. Das angestrebte Ziel, in acht Tagen von Kalifornien bis Maryland durchzukommen, verpasste er.

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Reto Schoch Dritter am Race Across America (Bild: Quelle)

Reto Schoch Dritter am Race Across America (Bild: Quelle)

«Die Zehen spüre ich nicht mehr»

Nach neun Tagen, einer Stunde und 44 Minuten kam der Gaiser Extremsportler Reto Schoch gestern am Race Across America in Annapolis/Maryland an. Das angestrebte Ziel, in acht Tagen von Kalifornien bis Maryland durchzukommen, verpasste er. Er erklärt, weshalb es nicht reichte, warum er nach 3500 von 4800 Kilometern aufgeben wollte – und es dann doch nicht tat.

Vor zwölf Stunden sind Sie nach 4800 Velokilometern ins Ziel gekommen. Schon wieder wach?

Ja. Ich konnte nur etwa sieben Stunden schlafen.

Obwohl Sie eine Woche

lang kaum geschlafen haben?

Mein Körper muss sich wohl zuerst wieder mit Schlaf anfreunden. Man gewöhnt sich an den Schlafentzug. Vor einem Jahr machte mir das noch mehr zu schaffen. In diesem Jahr schlief ich höchstens 90 Minuten pro Nacht. Dazu kamen wenige siebenminütige «Powernaps». Das wirkt Wunder.

Andere Fahrer haben nach einigen Tagen Halluzinationen bekommen.

Dieses Problem hatte ich noch nie. Ich fühle mich jetzt etwas beduselt, ja, aber das ist alles. Mehr Probleme habe ich mit den Zehen. Einige spüre ich nicht mehr.

Sie sind nach dem Vorjahressieg Dritter geworden hinter dem Österreicher Christoph Strasser und dem Walliser Dani Wyss. Enttäuscht?

Enttäuscht bin ich nicht wegen dem Rang, sondern weil ich mein Ziel, als erster Mensch in acht Tagen durchzukommen, nicht erreicht habe. Nun hat es Christoph geschafft, was mich sehr freut.

Wirklich?

Die Unstimmigkeiten vom letzten Jahr zwischen mir und Christoph sind unterdessen vergessen, wirklich. Am Start war die Stimmung noch unterkühlt. Im Ziel aber konnten wir einen Schlussstrich ziehen. Ich gönne ihm den Sieg.

Werden Sie 2014 versuchen, ihm den Rekord wieder abzujagen?

Momentan sage ich: Ich nehme nicht mehr teil. Aber das kann sich ändern. Zuerst brauche ich etwas Abstand. Am Montag fliege ich zurück, in der Schweiz werde ich neue Pläne schmieden.

Am Dienstag hiess es, Sie hätten schon aufgegeben. Dann waren Sie plötzlich wieder auf der Strecke.

Ich habe in Ohio den Bettel hingeworfen, als ich merkte, dass ich mein Ziel nicht erreichen kann. Das war für mich mental schwer zu verarbeiten. Ich stand schon frisch geduscht am Strassenrand, als Dani Wyss an mir vorbeifuhr.

Und dann?

In meinem Team gab es unterschiedliche Zielvorstellungen. Einige verstanden nicht, weshalb ich aufhören will, nur weil ich den Rekord nicht schaffte. Reserven hatte ich ja noch. Sie motivierten mich also weiterzufahren. Auch die Rennleitung fand, es sei den anderen Teilnehmenden gegenüber unfair, wenn ich aufgeben würde. Also fuhr ich weiter. (rst)

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