Nach Winkler muss Fiorina gehen

Nicht nur in der Super League macht der FC St. Gallen schwierige Zeiten durch. Auch bei Future Champs Ostschweiz kehrt keine Ruhe ein. Nach fünf Jahren muss Luca Fiorina, früher Roger Zürchers rechte Hand, ebenfalls gehen.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Nachdem der Technische Leiter Roger Zürcher gekündigt hat und der Leiter Formation Patrick Winkler gehen muss, wird nun auch das Arbeitsverhältnis mit Luca Fiorina aufgelöst. «Ich bin enttäuscht und verlasse das Projekt ungern. Die Ostschweiz ist meine Heimat geworden», sagt der Leiter Préformation. Begründet wurde die Kündigung für den bald 40jährigen Fiorina, der seit dem Start des Projektes Future Champs Ostschweiz (FCO) Zürchers rechte Hand gewesen war, mit dem geplanten «Neuanfang».

Nach der Kündigung von Zürcher ist im Nachwuchsprojekt des FC St. Gallen und des FC Wil kein Stein auf dem anderen geblieben. Trainer erhielten während der Saison neue Teams zugeteilt, als Nachfolger von Zürcher wurde Marco Otero engagiert, der ehemalige Nachwuchschef des FC Basel und der Grasshoppers. Es herrscht Verunsicherung, die Kündigungen für Winkler und Fiorina tragen nicht dazu bei, die Lage zu beruhigen.

Dabei galt Fiorina im Sinne der Kontinuität als Wunschkandidat für die freigewordene Stelle des Technischen Leiters – insbesondere bei den FCO-Partnerschaften. Auch wenn sich diese nicht äussern wollen: In den Regionen ist das Unverständnis über die Vorgehensweise bei FCO gross.

Bitter enttäuscht

Fiorina macht keinen Hehl daraus, bitter enttäuscht zu sein, will aber festgehalten haben, dass der Entscheid, ihm zu kündigen, nicht durch Sportchef Heinz Peischl gefällt worden sei. Aus gut unterrichteten Quellen ist zu vernehmen, dass Peischl ihn gar als Nachfolger von Zürcher gesehen hätte. «Schade ist, dass nicht im Sinne der Nachhaltigkeit gehandelt wird. Dabei ist in solch einem Projekt die Kontinuität das A und O», sagt Fiorina. Und natürlich wird der Leiter Préformation auch um die Früchte seiner Arbeit gebracht. FCO hat in vier Jahren 14 Akteure zu Nachwuchs-Internationalen ausgebildet, als Fiorina in St. Gallen begann, stellte der Club keinen Nachwuchs-Nationalspieler. Im vergangenen Jahr liefen in einem U15-Länderspiel sechs FCO-Akteure auf, kein anderer Schweizer Verein stellte derart viele Spieler. In der Geschichte des Ostschweizerischen Fussballverbandes war jenes Aufgebot einmalig: «In zwei, drei Jahren wären wir für die Arbeit belohnt worden. Dann werden jene Spieler so weit sein, um den Sprung in die Super- oder Challenge League schaffen zu können», sagt der Winterthurer.

«Früher wurden wir belächelt»

Fiorina war vor seinem Engagement in der Ostschweiz beim Schweizerischen Fussballverband bei der U17 Assistent des heutigen U21-Nationalcoachs Heinz Moser und Nachwuchstrainer der Grasshoppers. Zusammen mit Zürcher hat er in den vergangenen vier Jahren den FCO-Gedanken in der Region umgesetzt. «Ich habe gelernt, dass ein Rheintaler anders denkt als ein Thurgauer. Dass ein Appenzeller anders funktioniert als ein St. Galler. Die Kunst war, herauszufinden in welcher Region welche Ausgangslage herrscht, und entsprechend zu wirken. Während wir früher belächelt wurden, muss sich die Ostschweiz heute nicht mehr verstecken. Die Entwicklung diverser Stützpunkte zeigt auch, dass die Ostschweiz weiterhin ein grosses Potenzial hat.»

Fiorina war zuständig für neun Stützpunkte. Zudem war er für die Umsetzung einer einheitlichen Spiel- und Ausbildungsphilosophie und für ein systematisches Scouting verantwortlich. «Am Anfang stiessen wir auf Widerstand.» Unterdessen aber sei die Skepsis gewichen. «Nun ist sogar der Schweizerische Fussballverband bestrebt, unsere Strukturen als Vorzeigemodell für andere Regionen zu übernehmen», sagt Fiorina. «Aber dafür haben wir Jahre gebraucht.» Noch weiss er nicht, wie es weitergeht. Der Zeitpunkt für die Kündigung sei «denkbar ungünstig», sagt er. Die meisten Clubs hätten ihre Planungen im Februar und März abgeschlossen. «Ich werde bestimmt eine neue Herausforderung finden.»

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