«Nach unten geht nichts mehr»

Der 50jährige Deutsche Axel Thoma amtet seit einem Monat als Sportchef bei den Grasshoppers, dem Zweitletzten der Super League. Heute um 20 Uhr trifft der frühere Trainer des FC Wil mit den Zürchern auf den FC St. Gallen.

Christian Brägger
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Axel Thoma, der Grasshoppers-Sportchef, sagt: «Gegen St. Gallen wird es schwer für uns, es ist der Favorit.» (Bild: Michel Canonica)

Axel Thoma, der Grasshoppers-Sportchef, sagt: «Gegen St. Gallen wird es schwer für uns, es ist der Favorit.» (Bild: Michel Canonica)

Herr Thoma, Ihr ehemaliger Club Wil verlor mit Ihnen als Trainer die beiden letzten Spiele. Als Sportchef sind Sie mit den Grasshoppers seit Ihrer Ankunft im Oktober noch sieglos. Ziehen Sie das Pech an?

Axel Thoma: Gute Frage (lacht). Das denke ich natürlich nicht, sonst hätten mich die St.Galler Medien in den vergangenen acht Jahren wohl falsch beurteilt.

Sie arbeiteten früher als Sportchef beim FC Zürich, seit einem Monat sind Sie in selbiger Funktion beim Stadtrivalen Grasshoppers – in einem Haifischbecken par excellence. Angst, wie Ihr Vorgänger Dragan Rapic gefressen zu werden?

Thoma: Nein. Sonst hätte ich nicht hierher gewechselt.

Der suspendierte und am Mittwoch rehabilitierte Führungsspieler Veroljub Salatic spielt wieder mit der ersten Mannschaft, vielleicht bereits heute gegen St.Gallen. Haben Sie diesen Konflikt gelöst?

Thoma: Nein. Das war unser Präsident Stephan Anliker.

Zuerst hiess es, Sie würden nicht in die Causa Michael Skibbe gegen Salatic involviert werden. Dies war nun offenbar doch der Fall.

Thoma: Ich war dabei und immer auf dem aktuellen Stand, aber sonst nichts, nicht einmal als Mediator. Es gab in dieser Sache keine Entscheidungsverantwortung von meiner Seite.

Sie sind neu bei den Grasshoppers, auch Salatic ist wieder da. Wird die Position von Trainer Skibbe nun schwächer? Die Aussenwahrnehmung könnte sein: Skibbe hat den Streit mit Salatic verloren, und Sie haben dem Coach mit ihrem Engagement einen Teil seiner Doppelfunktion Trainer-Sportchef weggenommen.

Thoma: Das sehe ich komplett anders. Nach wie vor ist Skibbe der Cheftrainer. Er entscheidet über das sportliche Tagesgeschäft, ich bin Sportchef und soll als solcher hier Positives bewirken. Davon profitieren wir alle, unsere Zusammenarbeit ist gut.

Vor knapp vier Monaten trafen Sie sich mit Skibbe zu einem informellen Gespräch. Damals standen Sie ohne dessen Wissens bereits in Verhandlungen mit den Grasshoppers. Sie sagten ihm, es gehe um eine Zusammenarbeit mit Wil und dem Club. Sind Sie so trickreich?

Thoma: Ich schaffe nicht mit Tricks. Ich arbeite mit Strategie.

In Wil waren Sie Trainer und Sportchef. Haben Sie keine Lust mehr, an der Seitenlinie zu stehen und ein Team täglich zu führen?

Thoma: Nein, diese Lust verspürte ich noch nie wirklich. Meine grosse Leidenschaft ist Amt und Funktion des Sportchefs. Trainer in Wil zu sein, das entstand aus einer Notlösung heraus.

Sie waren eine gute Notlösung.

Thoma: Vielleicht, ja. Aber es war ein Ausflug. Jetzt bin ich wieder dort, wo ich mich wohl fühle.

Nun wirken Sie also strategisch und geben nachhaltig die Richtung der Grasshoppers vor. Welche?

Thoma: Da gibt es ja nur eine! Es ist die Richtung nach oben – nach unten ist es ja fertig, da geht nichts mehr. Es gilt, nach vorne zu kommen, den Verein in allen Bereichen zu entwickeln, sportlich und wirtschaftlich. Mir wird sicher nicht langweilig.

Sie haben den Ruf, gut mit jungen Spielern zu arbeiten – wie damals Fabian Schär – und ein geschultes Auge für Talente zu haben.

Thoma: Der Nachwuchs der Grasshoppers ist gut geführt, mit einigen Rohdiamanten bestückt. Das bereitet mir hier im Moment die grösste Freude.

Warum sagten Sie ausgerechnet hier zu, nachdem Sie Angebote aus Bern oder Zürich ausgeschlagen hatten? Die Grasshoppers haben permanente Geldsorgen, viele Machtkämpfe und etliche Wechsel in der Führungsetage hinter sich. Sportlich läuft es dem Zweitletzten der Super League schlecht.

Thoma: Vermutlich gerade deswegen. In unmittelbarer Nähe eines Clubs zu sein, der nicht so richtig in Fahrt kommt und immer wieder mit Problemen zu kämpfen hat, das reizt mich. Ehrlich gesagt habe ich immer wieder mit den Grasshoppers geliebäugelt, das ist nicht erst vor ein paar Wochen entstanden. Der Zeitpunkt schien mir richtig, das Bauchgefühl stimmte.

St.Gallen hat einen Lauf und möchte diesen heute fortsetzen.

Thoma: Der FC St.Gallen ist hoher Favorit und wird gegen uns einen starken Auftritt liefern. Es wird sehr schwer für uns, aber es ist nicht hoffnungslos.

Noch nie mussten Sie einen Trainer entlassen. Was passiert, falls Ihr Club verliert und die vierte Niederlage der letzten fünf Spiele kassiert?

Thoma: Wenn es so weit sein sollte, dann werde ich mir das überlegen und öffentlich kundtun, aber sicher nicht vorher. Ich bin ein positiver Mensch, und ich mag solche negativen Gedankengänge nicht. Sollte es doch so weit kommen, dann werde ich mir diese Gedanken leisten, weil ich dann weiss, was zu tun ist.

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