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Sunrise übernimmt UPC - die Zeche bezahlt der Sportfan

Künftig gibt es noch mehr TV-Geld fürs Eishockey. Die Preise für die bezahlten Live-Inhalte werden steigen und das Angebot im öffentlich-rechtlichen TV wird dürftiger.
Klaus Zaugg
My Sports mit Aushängeschild Steffi Buchli erhält mit Sunrise einen neuen Besitzer. Bild: Christian Merz/KEY

My Sports mit Aushängeschild Steffi Buchli erhält mit Sunrise einen neuen Besitzer. Bild: Christian Merz/KEY

Durch die Verschmelzung von Sunrise und UPC Schweiz entsteht ein Titan, der im Kommunikationsgeschäft Swisscom auf Augenhöhe herausfordert. Auf den ersten Blick eine trockene Wirtschaftsmeldung. Auf den zweiten Blick aber ist es ein grosser Deal, der die TV-Landschaft umpflügen und nicht nur den Eishockey-Clubs künftig noch mehr TV-Geld bescheren wird.
Inhalte bekommen immer grösseren Wert. Mit noch so guten Serien und Filmen ist im TV-Business kein Staat mehr zu machen. Die laufen über Netflix. Die neue Generation schaltet keine TV-Apparate mehr ein. Was dem Fernsehen bleibt, ist der Sport mit Liveübertragungen. Diese Liveinhalte lassen sich immer einfacher verbreiten und der Kunde ist bereit, dafür zu zahlen. Diese gesuchten Liveinhalte produzieren beispielsweise die Schweizer Fussball- und Hockeyligen.

Swisscom bezahlt für Fussball 50 Millionen

Für TV- und Vermarktungsrechte bezahlt heute Swisscom (Teleclub) für die höchste Fussballliga der Schweiz etwas mehr als 50 Millionen Franken im Jahr. Für die Eishockeyrechte blättert UPC Schweiz jährlich knapp 35 Millionen auf den Tisch. UPC hat 2017 die Swisscom bei der Vergabe der Rechte überboten.
Der Grund für diese enormen Summen ist ein Verkaufsargument. Stark vereinfacht gesagt: Du kaufst den Internet- und TV-Anschluss und deine Telefoniererei bei mir. Weil du nur bei mir die TV-Livebilder der Hockey- oder Fussballliga bekommst.
Diese Rechnung ist für UPC nicht aufgegangen. Nur wegen Eishockey-Live-Spielen alles bei Swisscom aufkünden, ein neues Abo bei UPC machen und erst noch ein weiteres Kästchen in meiner Wohnung installieren? Nein, danke. UPC verliert mit dem Hockey-Deal gut und gerne 30 Millionen im Jahr. Nebst den horrenden Kosten für die Rechte muss ja auch der eigens fürs Eishockey gegründete TV-Sender My Sports finanziert werden. Mit den dank den Hockey-Live-Spielen neu gewonnenen Kabelkunden können nicht einmal die Löhne für die Crew um Steffi Buchli und Ueli Schwarz bezahlt werden.

Der Hockey-Deal drohte UPC Schweiz finanziell in die Luft zu sprengen.

Sunrise wird durch die Übernahme von UPC auch Besitzer von My Sports. Es geht nicht mehr bloss um Kabelanschlüsse. Es geht um ein grosses Geschäft. Um die Übertragung von Livebildern auf Smartphones und Tablets. Da heute eine Verschlüsselung über Apps möglich ist, braucht es keine Kabelnetze und keine Kästen in Wohnzimmern, um dem Kunden Geld für TV-Bilder abzuknöpfen. Nun läuft alles per Wischbewegung auf dem Smartphone und dem Tablet. Das Smartphone wird vom Hosentelefon zum Hosen-TV-Apparat. Sunrise bekommt mit My Sports ein grandioses Verkaufsargument: Du telefonierst mit mir und nicht mehr mit Swisscom und kannst dafür bald unsere Eishockeyspiele live auf deinem Smartphone sehen. Swisscom hält dagegen mit dem Argument: Und bei mir kannst du unsere Fussballspiele live sehen. In den nächsten Jahren dürften die beiden Kommunikationsgiganten versuchen, weitere Sport-Live-Rechte einzukaufen.

SRF muss sich wohl mit mit Brosamen begnügen

Für den sportlich durchschnittlich interessierten Bürger genügt die in der Schweiz durch den Gesetzgeber geregelte kostenlose Grundversorgung mit TV-Bildern. Es sind die Brosamen, die vom Tisch der Grossen fallen und mit denen sich in Zukunft das staatstragende Fernsehen begnügen muss. Die Gespräche um die Vergabe der TV-Rechte haben bereits begonnen, und nun setzt sich mit Sunrise ein bedeutender Markteilnehmer mit an den Tisch. Im Fussball werden die Rechte im Sommer 2021 und im Eishockey ein Jahr später neu vergeben. Bereits ist klar, dass sich dafür Swisscom und Sunrise interessieren werden. Wenn die Eishockeyrechte im Sommer 2022 auf den Markt kommen, ist schon bekannt, wer im Fussball zum Zuge gekommen ist. Der Verlierer im Schachern um die Fussballrechte wird dann im Bietverfahren ein sehr hohes Angebot einreichen, um die Rechte zu bekommen. Die Preise werden also nicht fallen. Sondern steigen.

Vielleicht verkaufen die Clubs die Bilder bald selber

Der Medienmarkt verändert sich so schnell, dass in absehbarer Zeit die klassischen öffentlich-rechtlichen TV-Sender nicht mehr mithalten können. Es ist sogar denkbar, dass die Liga beziehungsweise die Clubs einen Teil des Geschäftes selbst machen und die laufenden Bilder der Spiele direkt an ihre Kunden verkaufen werden – wie ein Saisonabonnent. Das Sport-Live-Erlebnis bekommt in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts einen immer grösseren Wert. Die Zeche bezahlt am Ende der Fan. Denn die Preise für die bezahlten Liveinhalte werden ebenfalls steigen und das frei empfangbare Angebot im öffentlich-rechtlichen TV wird immer dürftiger.

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