Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nach dem Transferchaos bei St.Otmars Handballern: Das sind Kaisers Hinterlassenschaften

Vor einer Woche ist St.Otmars Sportchef Beat Kaiser zurückgetreten. Seither kämpft der Vorstand des St.Galler Traditionsvereins mit den Folgen von Kaisers Handeln. «Es wird ein Kraftakt», sagt Präsident Hans Wey.
Ives Bruggmann
Bo Spellerberg wurde vom ehemaligen Sportchef Beat Kaiser vor einem Jahr verpflichtet. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

Bo Spellerberg wurde vom ehemaligen Sportchef Beat Kaiser vor einem Jahr verpflichtet. (Bild: Urs Bucher/TAGBLATT)

St.Otmar liess sich blenden. Eine Woche nach dem überstürzten Abgang des bisherigen Sportchefs Beat Kaiser lässt sich diese These in mehrfacher Hinsicht bestätigen: Da kam Anfang Mai des vergangenen Jahres ein Mann in den Club, der zweifelsohne viel Handballsachverstand besitzt und als Spieler den Schweizer-Meister-Titel mit dem RTV Basel gewann. Dem Vorstand war Kaiser bereits persönlich bekannt, da er kaum eine Partie seines Sohnes Severin verpasste, der als ­linker Flügelspieler die Farben St.Otmars trägt. Er trat nicht nur die vakante Stelle des Sportchefs an, sondern versprach wohl auch, den Verein finanziell zu unterstützen.

Daraufhin erhöhte der Verein das Budget um 200000 auf 1,8 Millionen Franken. Unter anderem mit diesem Geld verpflichtete St.Otmar Spielertrainer Bo Spellerberg. Aus handballerischer Sicht ein vielversprechender Transfer des Sportchefs. Doch es muss aufgrund von Indizien davon ausgegangen werden, dass Kaiser die versprochenen Sponsoringbeträge nie zahlte. «Dazu will ich mich nicht äussern», sagt St.-Otmar-Präsident Hans Wey. Anzunehmen ist jedoch, dass der Vorstand auch aufgrund der ausgebliebenen Gelder des Sportchefs dessen weitere Neuverpflichtungen nicht akzeptierte.

In den Händen der Anwälte

Der Präsident muss sich nämlich nebst der entstandenen Lücke im Budget noch um die von Kaiser abgeschlossenen Verträge mit den drei Bundesliga-Spielern Primoz Prost, Jens Schöngarth und Robert Weber kümmern. Es sei eine unschöne Geschichte für alle. «Es tut mir leid für die Spieler.» Aber: «Wir betrachten die Verträge weiterhin als nicht zustande gekommen», sagt Wey, dessen Unterschrift auf den Spielerverträgen fehlt. Von Verhandlungen mit den Spielern hatte er offenbar Kenntnis, jedoch handelte Kaiser bei der Erstellung der Verträge eigenmächtig. Mögliche Schadenersatzforderungen der Spieler sind nicht ausgeschlossen, gingen diese doch davon aus, dass sie rechtsgültige Verträge unterzeichneten. Die Angelegenheit liegt in den kommenden Wochen in den Händen der Anwälte beider Parteien.

Anzukreiden wäre dem Verein, dass er zu Beginn der Zusammenarbeit den Leumund des Sportchefs nicht geprüft hat. Nachforschungen ergeben, dass Kaiser mit drei Firmen, wo er als Verwaltungsratspräsident oder als Präsident die Verantwortung trug, Konkurs anmelden musste. Zudem soll Kaiser auch privat verschuldet sein. Der Auszug aus dem Betreibungsregister hätte die Verantwortlichen von St.Ot­mar mit Sicherheit von einer Zusammenarbeit abgehalten.

Das Amt als Liga-Präsident niedergelegt

Nun steht St.Otmar also vor grossen Herausforderungen. «Es wird ein finanzieller Kraftakt», sagt Wey. Doch Davonlaufen sei nicht sein Stil. Man habe im Interesse des Vereins gehandelt, als die Transfers abgelehnt und die Verträge für ungültig erklärt wurden. Als Konsequenz aus den Geschehnissen rund um St.Otmar hat Wey das Amt als Liga-Präsident der NLA-Kammer in der Swiss Handball League per sofort zur Verfügung gestellt. Er wolle sich in nächster Zeit voll und ganz den bevorstehenden Aufgaben im Verein widmen.

Der laufende Betrieb, so Wey, sei weiterhin gesichert. Auch das Team für die kommende Saison steht grundsätzlich, die Leistungsträger besitzen allesamt weiterlaufende Verträge. Auf kostspielige Verstärkungen muss der Verein sicherlich verzichten, auch wenn aus sportlicher Sicht beispielsweise ein weiterer Linkshänder dem Rückraum guttäte. Genauso wie ein Coach, der Spielertrainer Spellerberg unterstützte. Mit Zoltan Cordas stand der Verein unter Sportchef Kaiser in Verhandlungen. Der serbisch-österreichische Doppelbürger wird jedoch nicht Trainer St.Otmars.

Beat Kaiser selber möchte sich auf Anfrage zu den Vorkommnissen der vergangenen Wochen nicht äussern. Er lässt sich aber wie folgt zitieren: «Ich werde am kommenden Dienstag an einer Pressekonferenz Stellung nehmen.» Wo und wann genau diese stattfinden wird, ist derzeit nicht bekannt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.