Nach dem Frust ist Grösse gefragt

Einen Tag nach dem Ausscheiden im Cup ist die Enttäuschung beim FC St. Gallen gross. Das Team verpasst einen attraktiven Halbfinal, dem Verein entgeht viel Geld. «Die Niederlage ist auch ein Charaktertest», sagt Trainer Jeff Saibene.

Markus Zahnd
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Die Spieler des FC St. Gallen können die Niederlage gegen Winterthur kaum fassen. (Bild: Urs Bucher)

Die Spieler des FC St. Gallen können die Niederlage gegen Winterthur kaum fassen. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Am Morgen nach der Niederlage im Cup-Viertelfinal gegen Winterthur ist bei den St. Gallern Wundenlecken angesagt – sowohl in mentaler als auch in körperlicher Hinsicht. Jene elf Spieler, die von Anfang an auf dem Platz standen, laufen locker um die Trainingsplätze im Gründenmoos oder pflegen mit der medizinischen Abteilung ihre Blessuren. Die restlichen Spieler absolvieren unter der Leitung von Assistenztrainer Daniel Tarone ein Training, in dem vor allem Abschlüsse geübt werden. Die Stimmung nach dem verlorenen Penaltyschiessen ist merklich gedrückt, die Enttäuschung ist den Gesichtern der Spieler deutlich abzulesen.

Die Ernüchterung ist umso grösser, weil es auf der Winterthurer Schützenwiese aus Sicht der St. Galler gar nicht zum Penaltyschiessen und der Niederlage hätte kommen dürfen. «Wir haben den dritten Treffer trotz bester Chancen verpasst. Mit dem 3:1 wäre das Spiel entschieden gewesen», sagt Trainer Jeff Saibene. Doch es kam bekanntlich anders. Die St. Galler wurden für ihre Passivität in der zweiten Halbzeit bestraft und mussten noch das 2:2 durch Patrick Bengondo hinnehmen. Wobei es für Marco Mathys, der eine der Chancen zum 3:1 vergeben hatte, keine Rolle spielt, ob die Partie nach 90 Minuten oder erst im Penaltyschiessen verloren ging. «Enttäuschend ist es ohnehin. Vor allem weil wir den frühen 2:0-Vorsprung leichtfertig verspielt und Winterthur damit ins Spiel zurückgebracht haben.»

Sechsstelligen Betrag verspielt

Wegen der Niederlage ist den St. Gallern auch ein weiterer Höhepunkt entgangen. Denn im Halbfinal hätten sie Meister Basel empfangen. «Am Ausmass der Enttäuschung ändert das nichts. Aber sicher haben wir mit der Niederlage auch die Chance auf ein tolles Spiel in der wahrscheinlich ausverkauften AFG Arena verpasst», sagt Saibene. Eine verpasste Chance ist das Scheitern im Viertelfinal auch in finanzieller Hinsicht. Denn die Partie gegen den FC Basel hätte den St. Gallern nach Abzug aller Ausgaben und dem im Cup vorgeschriebenen Teilen mit dem Gegner wohl einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich in die Clubkasse gespült.

Immerhin einen positiven Aspekt findet Saibene trotz der Niederlage: Den Einsatz des jungen Ilija Ivic, welcher in der Innenverteidigung den gelb-gesperrten Martin Stocklasa ersetzte. «Ilija hat gezeigt, dass er ein grosses Versprechen für die Zukunft ist», so Saibene. Tatsächlich ist die Leistung des 20-Jährigen hervorzuheben, er agierte neben Philippe Montandon überlegt und beinahe fehlerfrei.

Den Fokus auf Biel richten

Am Tag danach blickt Saibene aber auch in die nahe Zukunft. Denn das Ausscheiden sei nicht nur eine Enttäuschung, sondern auch ein Charaktertest. «Wir müssen jetzt Grösse zeigen und uns wieder auf unser Hauptziel, den direkten Wiederaufstieg, konzentrieren.» Dazu fordert er von seiner Mannschaft am Sonntag in Biel umgehend eine Reaktion, also drei Punkte. An der Vorbereitung soll es nicht liegen. Gestern nachmittag und heute vormittag haben die Spieler frei, die Regeneration steht im Vordergrund. Bereits morgen reist die Mannschaft dann in Richtung Biel und übernachtet in einem Hotel. «So können wir uns noch mehr auf die Partie fokussieren», sagt Saibene.

Wer von den angeschlagenen Spielern in Biel dabei ist, weiss der Luxemburger noch nicht. «Einige haben Schläge erhalten, andere kämpfen mit muskulären Problemen.» Zumindest den Frust über das Ausscheiden sollten die St. Galler bis am Sonntag allerdings definitiv verarbeitet haben. Denn schliesslich sind die Bieler auf der heimischen Gurzelen immer für Punkte gut. Gegen Bellinzona erkämpften sie sich ein torloses Unentschieden und das viertplazierte Chiasso musste mit einer 1:2-Niederlage ins Tessin zurückkehren.