Nach Corona-Infektion von Djokovic schimpft sein Vater: «Grigor Dimitrow ist der Schuldige an dem ganzen Desaster»

Novak Djokovic steht nach dem Corona-Desaster bei der Adria-Tour im Mittelpunkt der Kritik. Ohnehin ist der Weltranglistenerste wegen seiner Zusammenarbeit mit einem selbsternannten Geisterheiler seit einiger Zeit umstritten. Sein Vater allerdings sieht die Schuld nicht bei seinem Sohn.

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Srdjan Djokovic. (Archiv)

Srdjan Djokovic. (Archiv)

Keystone

(sid) Tennys Sandgren, der Mann mit dem bemerkenswerten Vornamen, hatte sich schon vor dem positiven Coronatest von Branchenführer Novak Djokovic lustig gemacht. «Wenn Nole negativ ist, werde ich ab sofort mein Wasser mit positiven Schwingungen besprechen», schrieb der US-Tennisprofi in den Sozialen Medien. Ein deutlicher Seitenhieb auf Djokovic, der seit seiner öffentlich zur Schau gestellten Zusammenarbeit mit einem selbsternannten Geisterheiler und Wasserbesprecher seit einiger Zeit ein bisschen schief angesehen wird.

Dagegen macht Novak Djokovic Vater Srdjan mit einem fragwürdigen Statement in einem TV-Interview von sich reden.

«Grigor Dimitrow ist der Schuldige an dem ganzen Desaster. Er hat den Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien extrem geschadet.»

Der Bulgare Dimitrow hatte als erster seine Infektion mit dem Coronavirus nach der Teilnahme an der Adria-Tour bekannt gegeben. Dimitrow sei aber nicht erst während der Tour in Zadar, sondern schon vorher woanders getestet worden», behauptete Djokovic senior: «Er wurde krank, er weiss auch, wo, und jetzt hat er unserem Land und unserer Familie grossen Schaden zugefügt.»

Im Video: Tennisstar Novak Djokovic positiv auf Corona getestet

Es wird vermutlich mal wieder Zeit, dass Mutter Dijana Djokovic ihr Kreuz in den Fluss Don senkt, um ihre Familie aus der Bredouille zu holen. Das hat schliesslich im vergangenen Jahr geholfen, den Sohn im fast schon verlorenen Wimbledonfinale gegen Roger Federer doch noch zum Sieg zu führen. Sagt sie jedenfalls.

«Was nun, US Open? Roland Garros?»

Der lange unbelehrbare Djokovic steht nichtsdestotrotz nach seinem distanz- und oberkörperfreien Spektakel namens Adria-Tour im Mittelpunkt der Kritik. «Was nun, US Open? Roland Garros?», fragte die neunmalige Wimbledon-Einzelsiegerin Martina Navratilova via Twitter und stellte damit die wohl meistdiskutierte Frage: Hat das Corona-Desaster rund um die Adria-Tour Auswirkungen auf den weiteren Ablauf des Tennisjahres 2020?

Nein, sagt Patrick Galbraith, Präsident des US-Verbandes USTA: «Wir werden unser Sicherheitskonzept und die Hygieneregeln noch einmal überarbeiten und verschärfen, damit wir garantieren können, dass bei uns jeder sicher ist.» Aber wie will und kann man das garantieren in einer Zeit, in der «allein schon die Anreise nach New York ein Risiko ist», wie es die Weltranglistenzehnte Naomi Osaka formulierte.

Neue Spitznamen von Djokovic

Das alles wird Novak Djokovic, dessen neueste Spitznamen im Netz «Djocovid» oder «Djerkovic» lauten, zurzeit vielleicht nur am Rande interessieren, mit wortreichen Entschuldigungen war der Weltranglistenerste bemüht, seine Betroffenheit über den Verlauf der Ereignisse zum Ausdruck zu bringen: Es tue ihm unendlich leid, und er könne nur hoffen, dass alle Infizierten so schnell wie möglich wieder gesund werden, liess er wissen.

Bei dem Australier Nick Kyrgios kommt diese Reue zu spät: «Was er gemacht hat, war wirklich die Kirsche auf dem Kuchen. Ich werde immer als Bad Boy bezeichnet, aber im Ernst, Leute: Was ist Novak dann?» Der renommierte US-Trainer Paul Annacone, lange Jahre Coach der früheren Nummer eins Pete Sampras, hat grosse Zweifel an der planmässigen Durchführung der nächsten Turniere: «Dieses Desaster hat uns auf dem Weg zurück zur Normalität 15 Schritte zurückgeworfen.»

Seinen Fans ganz nah: Novak Djokovic geniesst das Bad in der Menge während der Adria-Tour.

Seinen Fans ganz nah: Novak Djokovic geniesst das Bad in der Menge während der Adria-Tour.

Keystone

Von der Normalität eines ganz gewöhnlichen Tennis-Alltags schien sich Djokovic in letzter Zeit ohnehin ein bisschen entfernt zu haben. In einem Instagram-Live-Gespräch mit dem Esoteriker Chervin Jafarieh irritierte er kürzlich mit obskuren Aussagen: «Ich kenne einige Menschen, die es durch energetische Umwandlung, durch die Kraft des Gebetes, durch die Kraft der Dankbarkeit schaffen, die giftigste Nahrung oder das am stärksten verschmutzte in das heilsamste Wasser zu verwandeln.» Das kam nicht bei allen gut an.