Mutsch ein erster Profiteur

FUSSBALL. Dank Mario Mutschs Kopfballtreffer zum 1:1 holt der FC St. Gallen bei den Grasshoppers einen guten Punkt. Unter dem neuen Coach Joe Zinnbauer blüht der 31jährige Luxemburger richtiggehend auf und entwickelt sich zum Führungsspieler.

Christian Brägger/Zürich
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Mario Mutsch im Zweikampf mit Nemanja Antonov. (Bild: Keystone)

Mario Mutsch im Zweikampf mit Nemanja Antonov. (Bild: Keystone)

Mario Mutsch ist ein fleissiger Arbeiter, bissig, aufsässig. Weil er bereits ergraut sowie von kleiner Statur ist und vielleicht nicht die filigrane Technik eines Danijel Aleksic besitzt, kann es durchaus vorkommen, dass er unterschätzt wird. Dass man das nicht tun sollte, wissen spätestens seit Samstag auch die Grasshoppers. Denn plötzlich ist der Luxemburger für den FC St. Gallen auch torgefährlich, seit er unter dem neuen Trainer Joe Zinnbauer wie im Nationalteam im defensiven Mittelfeld spielen darf. Gegen Thun traf Mutsch am vergangenen Dienstag noch den Pfosten, gegen den Rekordmeister erzielte er mit dem Kopf in der 73. Minute das punktbringende 1:1 – eine veritable Rarität: letztmals traf der auch als Verteidiger einsetzbare Mittelfeldspieler in der Super League im September 2011, damals für den FC Sion.

Der Ausgleich war die sichtbarste Grosstat Mutschs, der sich nach anfänglich schlechtem Beginn mit Fortdauer der Partie gesteigert hatte und zum Leistungsträger avancierte. Der Spieler blieb auch im Erfolg seinem bescheiden Wesen treu und sagte: «Schön, hat es heute mit einem Goal geklappt. Wichtiger ist aber der Punkt.» Ein Punkt, der gegen die Grasshoppers nach ihren drei aberkannten Abseitstreffern in der ersten Halbzeit und dem Führungstreffer durch Shani Tarashaj in der 53. Minute glücklich und der maximale Ertrag war. Somit verweilen die Ostschweizer mit elf Zählern auf dem sechsten Rang, wohingegen die Ambitionen des zweitplazierten Rekordmeisters einen herben Dämpfer erhielten, zumal die mit 30 Toren produktivste Offensive der Liga in der Saison noch nie bloss einen Treffer zustande gebracht hatte.

Er will lernen

Mutsch scheint der erste Profiteur unter dem neuen Trainer des FC St. Gallen zu sein. Er sagte, er versuche einfach die neuen Ideen Zinnbauers umzusetzen. «Es sind kleine Details, die der Coach verändert. Wir bewegen uns viel mehr, damit der Ballbesitzende immer verschiedene Optionen hat, Pässe zu spielen. Wir verschieben unsere Positionen öfter, sind flexibler. Aber wir haben noch viel Steigerungspotenzial.» Tatsächlich war der St. Galler Torschütze omnipräsent, bügelte hinten nicht nur Fehler aus, sondern war besonders in der aus St. Galler Sicht mutigeren zweiten Halbzeit jederzeit als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive anspielbar. Er sagte: «Wir können uns alle verbessern, wenn wir das mitnehmen, was uns der Trainer mit auf den Weg gibt.»

Mutsch fragt in den Trainings bei Zinnbauer viel nach, ist wissbegierig und beschäftigt sich intensiv mit dem neuen System, das vorgegeben wird. Ein Wesenszug, den der Coach sehr schätzt. In der Hierarchie der Mannschaft sieht dieser den Luxemburger weit oben. «Er hat bereits das dritte Spiel unter meiner Regie sehr gut gespielt, gewann viele Zweikämpfe und hat sich mit dem Tor noch belohnt. Er ist für mich ein Kandidat, eine Vorbildfunktion einzunehmen. Nicht nur verbal, sondern auch als Spieler auf dem Platz», sagte Zinnbauer.

«Mario will den Erfolg»

«Es gibt Menschen, die fassen neue Dinge schnell auf», fügt der Trainer an. «Mario ist so einer. Er ist ein Spieler, der den Erfolg will. Das spürt das Team, er zieht es mit. Wenn du nochmals drei bis vier dieser Sorte hast, hat man es richtig gemacht.» Der Deutsche spürt, dass sich nach viereinhalb Jahren mit Jeff Saibene Systematiken im Team etabliert haben, die er zwar aufbrechen und verändern will, dafür aber Zeit brauchen wird. So lobte er den Willen des Teams, seinen Inputs, die er in der Pause gab – ja geben musste – zuzuhören und am Ende auch umzusetzen.