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«Musik soll berühren»

Der Thurgauer Musiker Fabian Künzli komponiert nicht nebenbei – für ihn ist das Schreiben von Musik in ganz unterschiedlichen Stilen vorrangiges Bedürfnis und Berufung. Heute und morgen werden von ihm zwei Stücke uraufgeführt.
Martin Preisser
Kein «Pröbeln»: Für Fabian Künzli muss ein Musikstück von Anfang an in seiner Ganzheit innerlich klar sein. (Bild: Martin Preisser)

Kein «Pröbeln»: Für Fabian Künzli muss ein Musikstück von Anfang an in seiner Ganzheit innerlich klar sein. (Bild: Martin Preisser)

Affeltrangen. Er wohnt nicht in Winterthur oder Zürich, sondern bewusst in einer stillen Ecke des Thurgaus, in Affeltrangen. Eher still, aber konzentriert und bewusst spricht er auch über seine Musik. Unlängst hat Fabian Künzli von Howard Griffith, dem ehemaligen Chefdirigenten des Zürcher Kammerorchesters, einen Kompositionsauftrag für ein Kinderstück erhalten. Ein deutliches Zeichen, dass der 1984 geborene Thurgauer als Komponist ein rechtes Stück Weg zurückgelegt hat. Fabian Künzli, der im Moment vom Komponieren lebt, hat schon als Jugendlicher, der auf dem Nollen aufgewachsen ist, Songs für sich und seine Brüder geschrieben. Und für ihn war früh klar, was er studieren würde. Mit zwanzig hat er an der Zürcher Hochschule der Musik ein Kompositionsstudium begonnen, im ersten Jahrgang des damals neuen Bachelor-Studiengangs.

Stilistisch vielseitig

Was heisst komponieren? Fabian Künzli probiert es zu erklären: «Mir schwebt vor, eine Aussage wirklich auf den Punkt zu bringen.» Er gehöre zu den Komponisten, die sich das Werk als Ganzes vor dem inneren Ohr vorstellen müssten. Stilistisch ist Künzli sehr offen. Er schreibt für Blasorchester, für Chöre, aber auch Filmmusik. Vielseitigkeit heisst für ihn aber nicht, sich überall zu bedienen, aber es heisst auch, nichts auszublenden.

Heute und morgen steht in Frauenfeld und Amriswil die Uraufführung von zwei Intermedien an. Die Thurgauer Musikerin Tabea Schöll hat Fabian Künzli eingeladen, als moderner Tonsetzer quasi zwei Kommentare zu einer hochromantischen, aber selten gehörten Messe von Johann Nepomuk Hummel zu schreiben. Die beiden Konzerte mir dem Chor «Cantus Thurgau» und dem auf historischen Instrumenten spielenden Orchester «Stella Matutina» stehen denn auch unter dem Motto «Abseits der Trampelpfade». Eine Uraufführung vor Augen gebe ihm immer einen speziellen Elan fürs Schreiben, sagt Künzli, dem man die freudige Erwartung anmerkt, wie das innerlich Gehörte dann in der Realität einer konkreten Konzertumgebung wohl klingen möge.

Komponieren ist Reflektieren

Die beiden Interludien sind als Art Klangflächen für Chor und Orchester geschrieben. Fabian Künzli nimmt den Faden aus einem Messeteil der Hummel-Messe auf, hinterfragt, unterbricht, spielt dazwischen, um den Faden dann wieder an die Hummel-Messe anzuknüpfen.

Fragt man ihn nach dem Sinn dieser Intermedien, kommt Eifer in die ruhige Erzählart des Komponisten. Plötzlich spürt man, dass Komponieren nicht einfach nur Tonsetzen ist, sondern ein dichtes Netz von vorausgehenden und begleitenden Reflexionen. Fabian Künzli will die traditionelle Messevertonung hinterfragen und damit auch aus zeitgenössischer junger Sicht über Glaubensfragen an sich nachdenken.

Jetzt erzählt er von seiner Beschäftigung mit Plato und mit den Öffnungsbewegungen der katholischen Kirche zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils. «Ich möchte mit einem langen grauen Bart sterben», lacht Künzli. Für ihn bedeutet das: Immer weiser werden und doch den Glauben ganz allgemein nicht verlieren und das Spannungsfeld zwischen Wissen und Glauben ausloten.

«Musik soll berühren und bewegen», sagt der junge Thurgauer Komponist, dessen Intermedien einen spannenden Kontrapunkt zur Romantik Hummels bilden werden. Eine ganz andere Uraufführung steht Anfang Oktober in Flawil an: Für die Liberty Brass Band Junior hat er «Liberty of Sonance» komponiert. Hier dürfen Jugendliche ein Stück aufführen, dass sie von anfänglichen Geräuschen bis zum rockig befreiten Brass-Klang mitnimmt.

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