MOUNTAINBIKE: «Ich bin keine Maschine»

Jolanda Neff ist noch nicht in Topform. Für den morgigen Heim-Weltcup in Lenzerheide steckt sie sich deshalb keine hohen Ziele. «Bereits ein Top-10-Platz wäre super», sagt die Rheintalerin.

Raya Badraun
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Jolanda Neff, hier bei den Olympischen Spielen in Rio, gehört morgen nicht zu den Favoritinnen. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Jolanda Neff, hier bei den Olympischen Spielen in Rio, gehört morgen nicht zu den Favoritinnen. (Bild: Laurent Gillieron/KEY)

Raya Badraun

Seit drei Jahren hat Jolanda Neff ein Appartement in der Priva Lodge in Lenzerheide. Wenn immer sie Zeit hat, kann sie im Sommer dort wohnen und mit ihrem Mountainbike in Windeseile über die umliegenden Wege rasen. Auch diese Woche nutzte sie den Heimvorteil und reiste früher an als andere Athleten. Bereits seit Montag ist sie mit dem Kross Racing Team oberhalb von Chur und konnte in den vergangenen Tagen auf der Weltcup-Strecke trainieren. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich diese leicht verändert. «Sie ist sehr spektakulär, mit vielen Trails, Wurzeln und Steinen», sagt die 24-jährige St. Gallerin, die in Thal wohnt. Die absolute Lieblingsstrecke von Neff ist der sternförmige Rundkurs jedoch nicht. Dafür fehlt eine lange Abfahrt.

Dennoch freut sie sich auf die spezielle Atmosphäre. Viele Freunde werden am Rande der Strecke stehen, die Familie sowieso. «Wenn ich hier irgendwann einmal gewinnen könnte, wäre das etwas ganz Besonderes für mich», sagt Neff. Bisher ist ihr das noch nicht gelungen. Im vergangenen Jahr belegte sie den dritten Rang. 2015 verpasste sie als Vierte knapp das Podest, nachdem sie in den Monaten davor kein Weltcup-Rennen mehr verloren hatte und die erste Goldmedaillengewinnerin an den Europaspielen geworden war. Damals wurde die Ostschweizerin unter anderem von einem Sturz gestoppt.

Trainingsrückstand noch nicht aufgeholt

Auch morgen im Cross wird es für Neff schwierig werden, in Lenzerheide das Podest zu erklimmen. Dies zeigte auch ihr Auftritt am vergangenen Wochenende beim Weltcup-Rennen in Andorra. Dort belegte sie den zwölften Rang und war damit nur die drittbeste Schweizerin. Es sei ein wirklich harter Wettkampf gewesen, sagt die Rheintalerin. Ein weiteres Mal musste sie spüren, dass sie noch nicht in Topform ist. Ihr fehlen noch immer die Trainingsstunden, die sie im Winter und Frühling durch das Geschichtsstudium an der Universität Zürich verpasst hatte. «Ich bin keine Maschine», sagt Neff. «Zudem gibt es in diesem Sport keine Abkürzungen.» Auch deshalb ist sie erstaunt darüber, dass sie es im Weltcup trotz Trainingsrückstands wieder unter die 15 besten Fahrerinnen schafft. Nach dem 18. Rang zum Saisonstart im tschechischen Nove Mesto überraschte sie im deutschen Albstadt Ende Mai mit dem starken dritten Rang.

«Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen», sagt Neff. Das ist auch morgen in Lenzerheide ihr Ziel. Vor Heimpublikum möchte sie ein gutes Rennen zeigen, für die Zuschauer, aber auch für sich. Über Podestplätze will sie jedoch nicht sprechen. «Bereits ein Top-10-Platz wäre super», sagt sie. Ihr Ziel ist es nach wie vor, an der EM Ende August wieder in Topform zu sein. «Mal schauen, ob ich morgen bereits einen Schritt weiter bin.»