MOTORSPORT: Immer am Motorsport interessiert

Joel Burgermeister ist Automechaniker mit einem zeit- und kostenintensiven Hobby: Er fährt Autorennen. Der 27-Jährige würde seine Leidenschaft gern eines Tages zu seinem Beruf machen.

Peter Birrer
Drucken
Teilen
Ein starkes Team: Joel Burgermeister mit seinem PRC-Honda 2.0. (Bild: PD)

Ein starkes Team: Joel Burgermeister mit seinem PRC-Honda 2.0. (Bild: PD)

Peter Birrer

sport@thurgauerzeitung.ch

Als Kind war er einmal im Turnverein, er nahm auch Musikunterricht, aber was immer er ausprobierte: Nichts war eine gleichwertige Konkurrenz zu dem, was Joel Burgermeister am liebsten macht. Ihn interessierte schon in ganz jungen Jahren der Motorsport – und so ist das auch heute noch. Der 27-Jährige, der in Egnach aufwuchs und in Steinach lebt, hat sich auf Berg- und Slalomrennen spezialisiert. Und nun steht er vor einer neuen Saison.

Burgermeister ist fasziniert von der Geschwindigkeit und getrieben vom Ehrgeiz, nicht nur national, sondern auch ausserhalb der Landesgrenzen für Aufsehen zu sorgen. Und er träumt davon, eines Tages seine intensive Freizeitbeschäftigung zu seinem Beruf zu machen. Er sagt: «Es wäre grandios, einmal mit dem Rennsport meinen Lebensunterhalt verdienen zu können.»

Der Thurgauer hat angeborenes Talent. Mit gerade einmal sechs Jahren setzte er sich zum ersten Mal auf einen kleinen Motocross-Töff und kurvte damit fast täglich herum. In Egnach fand er dafür das geeignete Gelände vor. Als Elfjähriger fuhr er das erste Mal mit einem Rennkart, und als 2003 in Sulgen die Kartbahn eröffnet wurde, zählte Burgermeister fortan zu den Stammgästen an den Wochenenden. Nach verschiedenen erfolgreichen Kartrennen in der Region nahm er ab 2007 auch an nationalen sowie internationalen Wettbewerben teil, wobei er auf namhafte Konkurrenz wie etwa den heutigen Formel-1-Piloten Max Verstappen traf. Hinter dem Steuer fühlte sich Burgermeister von Anfang an wohl, er brauchte keine Anlaufzeit, um zu begreifen, woran es ankam, um schneller zu sein als die Mitbewerber.

Internationale Erfahrung gesammelt

2009 krönte er sich zum Kart-Schweizer Meister und qualifizierte sich damit für die WM in Ägypten. Dort erzielte er zwar nicht den gewünschten Erfolg, aber er macht die Erfahrung: «International, da geht es richtig ab.» Der Moral tat das keinen Abbruch. Burgermeister war gepackt vom Rennfieber. Nur: Seine Leidenschaft hat auch ihren hohen Preis. Die Eltern ermöglichten ihrem Sohn das kostspielige Hobby. Aber irgendwann sagte er ihnen: «Ich möchte meinen Sport selber finanzieren können.» Und zog sich vorübergehend zurück.

Allerdings wurde aus dem vermeintlichen Rücktritt nur eine Pause, weil Burgermeister doch nicht Distanz gewinnen konnte. Mit 21 kaufte der gelernte Automechaniker einen Lotus, reparierte diesen Unfallwagen, brachte ihn in einen renntauglichen Zustand, ging mit ihm in Frauenfeld an den Start eines Slalomrennens und merkte: Ich bin damit konkurrenzfähig. Das Auto verkaufte er, erwarb dafür ein anderes, eines der Marke TracKing. 70000 Franken musste er dafür auslegen, ist damit aber noch konkurrenzfähiger als mit dem Lotus.

Werksfahrer, aber an den Kosten mitbeteiligt

Nach zwei positiven Bergrenn-Saisons bot ihm die Vorarlberger Rennfahrzeugfirma PRC (Pedrazza Racing Cars) aus Hard die Möglichkeit, 2018 mit einem neu entwickelten PRC-Honda 2.0 unterwegs zu sein. Burgermeister sieht das als grosse Chance – obwohl er als Werkfahrer verpflichtet ist, sich an den Kosten zu beteiligen. 5000 Euro werden pro Rennen fällig. Vorgesehen sind vier Starts, mehr liegt nicht drin. Derzeit versucht er, über die Crowdfunding-Plattform «I believe in you» den noch fehlenden Betrag von 10000 Franken zu sammeln (die Aktion läuft noch bis am 5. Mai).

Mit einer professionellen Betreuung

«Ich nehme den finanziellen Aufwand in Kauf, weil ich an den Rennen mit dem PRC-Honda vom Team professionell betreut werde. Und weil es für mich eine Gelegenheit ist, in einer der höchsten Kategorien am Berg an den Start zu gehen», sagt Burgermeister. Natürlich weiss er um die Risiken, wenn er mit hohem Tempo fährt und zu waghalsigen Manövern ansetzt. Er hat den Vorteil, mit 1,68 Metern Körpergrösse und 60 Kilo über eine ideale Rennfahrerstatur zu verfügen, um sich in einem Cockpit auch wohlzufühlen.

Es gibt aber auch die gemächlicheren Momente im Leben des Rennfahrers, selbst im Auto. Wenn er sich beispielsweise im Strassenverkehr bewegt. «Dann halte ich mich an die Regeln». Vollgas geben kann er am 21./22. April – am selben Datum wie die Renntage Frauenfeld – wieder, wenn es im österreichischen Rechberg mit einem EM-Berglauf ernst gilt. Burgermeister zum Saisonstart: «Ich bin bereit und topmotiviert.»