MOTORSPORT: Der vergnügliche Rollentausch

Fernando Alonso wechselt als Teilnehmer des «Indy 500» nicht nur sein Betätigungsfeld. Der temporäre Rollentausch macht aus dem derzeit chancenlosen Formel-1-Fahrer einen Sieganwärter.

David Bernold (sda)
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Fernando Alonso steigt in Indianapolis ein, um die Sorgen aus der Formel 1 zu vergessen. (Bild: Michael Conroy/AP)

Fernando Alonso steigt in Indianapolis ein, um die Sorgen aus der Formel 1 zu vergessen. (Bild: Michael Conroy/AP)

David Bernold (SDA)

Er ist dann mal weg, unterwegs in seiner eigenen Mission. Indianapolis statt Monte Carlo. Fernando Alonso lässt den einen Klassiker links liegen, um beim anderen, ebenfalls am Sonntag stattfindenden Höhepunkt dabei sein zu können. Er hat Routine gegen Ungewohntes getauscht. Der Spanier fühlt sich wohl dabei. Die Aussicht auf Erfolg ist motivierend. Dem Erfolg in der Formel 1 fährt Alonso seit mehr als zwei Jahren vergeblich hinterher. Die Unterschrift unter den Vertrag mit McLaren hat den zweifachen Formel-1-Weltmeister zum Nebendarsteller gemacht.

Fortschritte sind ausgeblieben. Dass sich da jede Menge Frust staut, ist verständlich. Längst gibt sich Alonso keine Mühe mehr, seinen Ärger zu verbergen. Der ohnehin nicht pflegeleichte Asturier ist zum Zyniker geworden. Praktisch an jedem Rennwochenende bekommt Honda als Motorenlieferant von McLaren sein Fett weg. Die Japaner, ab kommender Saison auch Formel-1-Partner des Schweizer Teams Sauber, tun sich im dritten Jahr seit ihrem Wiedereinstieg nach wie vor schwer mit der Hybrid-Technik.

Die grosse Sehnsucht

Unter den gegebenen Umständen kam für Alonso das Angebot für das 500-Meilen-Rennen in Indianapolis gerade recht. Natürlich wäre er gerne in Monte Carlo am Start gewesen. Doch der Abstecher in die IndyCar-Serie war zu reizvoll, die Chance auf ein Spitzenergebnis zu verlockend. Die Möglichkeit, aus dem tristen Berufsalltag auszubrechen, die angehäuften Sorgen für kurze Zeit hinter sich zu lassen, ebenso. Der temporäre Cockpit-Wechsel zeigt, wie gross Alonsos Sehnsucht nach einem Erfolgserlebnis geworden ist.

Möglich machte die Rochade Zak Brown, der seit vergangenem November als Geschäftsführer die Geschicke im Unternehmen McLaren leitet. Die ersten vagen Pläne soll der Amerikaner schon während des ersten Grand Prix der Saison in Australien geschmiedet haben – in den Tagen, während denen sich für Alonso die nach den Testfahrten gewonnene Erkenntnis bestätigt hatte, eine weitere Saison in einem nicht konkurrenzfähigen Auto Platz nehmen zu müssen.

Die zwischenzeitlichen Sorgen

Auch in Indianapolis rückt Alonso mit einem von Honda gefertigten Triebwerk aus – und sah sich erneut mit Problemen konfrontiert. Vor dem Qualifying musste der Motor ausgetauscht werden, während der Zeitenjagd machte ihm ein zwischenzeitlicher Leistungsabfall des Doppel-Turbo-Aggregats mit sechs Zylindern und 2,2 Litern Hubraum zu schaffen. Befürchtungen standen im Raum, die sich dank Startplatz fünf aber schnell wieder verzogen. Alonso weiss in Indianapolis eine wettbewerbsfähige Equipe mit Michael Andretti, einem einstigen IndyCar-Meister, um sich.

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