Mitreissend und von raumfüllender Präsenz

ST. GALLEN. Schon wegen Sebastian Driessen lohnte sich der Besuch des Konzerts am Sonntagabend in der Kirche St. Laurenzen (oder am Vortag in Arbon). Auf dem Programm stand das Requiem des britischen Komponisten Andrew Lloyd Webber.

Brigitte Schmid-Gugler
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St.Gallen. Schon wegen Sebastian Driessen lohnte sich der Besuch des Konzerts am Sonntagabend in der Kirche St. Laurenzen (oder am Vortag in Arbon). Auf dem Programm stand das Requiem des britischen Komponisten Andrew Lloyd Webber. Ein Weltstar nicht etwa aufgrund seiner von ihm komponierten Musica Sacra, sondern wegen der Musicals, die seit Jahrzehnten aufgeführt werden. Der mehrfach Ausgezeichnete hatte das Requiem 1984 geschrieben, zu Ehren seines zwei Jahre zuvor verstorbenen Vaters, des Komponisten William Lloyd Webber.

Ergreifende Soli

Sebastian Driessen sang neben der Sopranistin Beverly Worboys und dem Tenor Thomas Murphy den Knabensopran. Seine helle, sichere Singstimme durchzog das Konzert wie eine silberne Saite und gipfelte im abschliessenden Text «Libera me» und dort im letzten Satz «et lux perpetua luceat eis». «Und das ewige Licht leuchte ihnen» endete mit Sebastian Driessens «perpetua», bestehend aus drei Tönen, die er erst solistisch, dann in einem Mittelteil unter die entfesselten, aufsteigenden Klangtürme von Orgel (Norbert Schmuck) und Trommel legte, um aus dieser Wucht heraus endlich wieder in seinem konstant wiederholten «ewig» verhalten auszuklingen. Ergreifend war das.

Optimale Klangfarben

Das Sinfonische Orchester Arbon, der Konzertchor der St.Galler Singschule, der Thurgauer Singkreis und der Singschulchor der Musikschule St. Gallen standen unter der Leitung von Bernhard Bichler. Er führte mit grossem technischen und künstlerischen Gespür für alle Beteiligten durch den anspruchsvollen Mix von sowohl solistischen als auch polyphonen Passagen einer Totenmesse bis zu fast schon swingenden Pop- und (wie könnte es anders sein) Musical-Elementen. Herausragend der Solopart Beverly Worboys' auch in dem Requiem-Hit «Pie Jesu». Ihr «übermächtiger» kristallklarer Sopran fand in jedem Satz die perfekte Klangfarbe und -stärke. Das St.Galler Publikum applaudierte stehend.