Mit Wut im Bauch nach Wengen

Marc Gini muss sich das Sommertraining selbst finanzieren und ist als Athlet und Servicemann in Personalunion oft in einem VW-Bus unterwegs. Trotz Aufwärtstendenz scheidet der Bündner im Slalom von Adelboden im ersten Lauf aus.

Christof Krapf/Adelboden
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SKI ALPIN. Dieses Wetter liebt Marc Gini. Schneegestöber, schlechte Sicht, warme Temperaturen. So sind die Bedingungen für den Slalom in Adelboden; so waren sie vor über acht Jahren auf der Reiteralm. Im November 2007 gewann der Bündner dort einen Weltcup-Slalom. Er wurde als Schweizer Hoffnungsträger im Stangenwald gefeiert – sollte aber in der Folge nie mehr auf einem Weltcup-Podest stehen. Rund ist es bei Gini in den vergangenen acht Jahren fast nie gelaufen. Knieverletzung. Comeback. Rückenverletzung. Comeback. Knieverletzung. Comeback. Auch den Winter 2014/15 verpasste er wegen einer Verletzung. Im vergangenen Frühjahr beschloss Swiss Ski, dass Gini sein Sommertraining selbst bestreiten und bezahlen muss, sollte er seine Karriere fortsetzen wollen.

15 000 Franken aufgewendet

Der Bündner wollte. Ein Osteopath hatte endlich seine Rückenschmerzen in den Griff bekommen. «Warum sollte ich aufhören, wenn es mir körperlich immer besser geht», sagt Gini. Der 31-Jährige kratzte also 15 000 Franken fürs Sommertraining zusammen. Finanzierte damit einen Konditionstrainer und ein Trainingslager in Neuseeland. Er schuftete daheim in Parpan an seiner Kondition und flog in die südliche Hemisphäre für das Schneetraining. «Die Zeit als Einzelkämpfer hat mich weitergebracht. Man lernt, was für einen wichtig ist.» Einen Servicemann hatte er im Sommer nicht zur Verfügung. Seine Ski präparierte er selbst, im Gletschertraining in Europa übernachtete er in einem VW-Bus, um Hotelkosten zu sparen. Gini hat viel auf sich genommen. Weil er überzeugt ist, dass er seine Chance packen wird; «Ich kann wieder zu einem Siegfahrer werden», sagt er. Zu jenem Siegfahrer, der vor mehr als acht Jahren auf der Reiteralm die Konkurrenz überraschte.

In Adelboden soll es klappen mit dem Sprung in den zweiten Lauf. In den vergangenen Wochen hat Gini im Europacup überzeugt. Dreimal fuhr er aufs Podest – zweimal siegte er. Dadurch hat er seine Startposition im Weltcup verbessert.

Zu viel Risiko trotz gutem Start

Der 31-Jährige findet am Kuonisbergli seinen Rhythmus rasch. Doch noch im oberen Streckenteil riskiert er zu viel, versucht eine zu enge Linie zu fahren, scheidet aus. «Das ist besonders schade, weil es meine Bedingungen waren.»

An der Piste, welche wegen Dauerregens und Schneemangels nur mit Ach und Krach für das Rennen präpariert werden konnte, liegt sein Ausscheiden nicht. «Die Strecke war super. Vielleicht sage ich das aber nur, weil es lange her ist, seit ich mit einer guten Startnummer starten durfte.» Gini hat auch im vierten Weltcup-Slalom des Winters den Sprung in den zweiten Durchgang verpasst. Die Enttäuschung ist ihm im Ziel anzumerken. «Ich reise nun mit viel Wut im Bauch nach Wengen.» Am Lauberhorn will er wieder angreifen. Denn er sagt: «Bin ich wütend, hat das im Rennen einen guten Einfluss auf mich.»

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