Mit vollen Kisten nach Kentucky

An den Weltreiterspielen haben die Ostschweizer Voltigierer in Team und Einzel gute Medaillenchancen. Der Aufwand für das Turnier ist riesig. Vier Pferde, vier Longenführer, zwölf Voltigierer und viele volle Kisten Material fliegen in die USA.

Rabea Huber
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Lütisburgs Longenführerin Monika Winkler-Bischofberger packt mit ihren Voltigiererinnen für den grossen Auftritt an der WM in Kentucky. (Bild: Urs Bucher)

Lütisburgs Longenführerin Monika Winkler-Bischofberger packt mit ihren Voltigiererinnen für den grossen Auftritt an der WM in Kentucky. (Bild: Urs Bucher)

Reiten. Vor der Reithalle in Lütisburg stehen drei Kisten und zwei grosse Taschen, rundherum liegen Pferde-Utensilien. Vom Mähnen-Spray, über Huffett bis zum Ohrengarn – für den perfekten Auftritt nächste Woche in Kentucky darf nichts fehlen. An ein geregeltes Training war an den Tagen vor dem Abflug nach Kentucky fast nicht zu denken. Vor und nach den Übungseinheiten waren die Voltigiererinnen vom Team Lütisburg mit Packen beschäftigt.

Es ist nicht das erste Mal, das die Gruppe um Longenführerin Monika Winkler-Bischofberger an einem Wettkampf im Ausland startet. Und trotzdem ist diesmal alles etwas komplizierter. Denn die Weltreiterspiele finden in den USA im Bundesstaat Kentucky statt. Die Lütisburger Pferde Corado und Will be Good besteigen erstmals ein Flugzeug. Im Transporter werden sie ins belgische Lüttich gefahren, dort werden sie in ihren Boxen in einen Frachter gehoben. Nach dem neunstündigen Flug, müssen die Tiere in den USA zuerst 42 Stunden in Quarantäne verbringen.

All dies muss auch beim Packen beachtet werden. Denn die einen Gepäckstücke werden im Flugzeug bei den Pferden gebraucht, andere werden bei der Ankunft direkt in den Kentucky Horse Park gefahren.

Kisten auf Englisch beschriften

Monika Winkler-Bischofberger füllt die Kisten mit Material und diktiert Melanie Guillebeau, was sie einpackt. Die Voltigiererin notiert alles genau. Denn für den Zoll muss jede Kiste beschriftet und der Inhalt auf Englisch aufgelistet werden.

Beim Übersetzen gibt es immer wieder Lacher. «Die Wundertücher können wir ja schlecht als Magic Towels bezeichnen, sonst räumen sie uns am Zoll die ganze Kiste aus», sagt Winkler-Bischofberger lachend.

Looser von Köln nach Lüttich

Ein Plastiksack, der bereitsteht, ist mit «Patric Looser» beschriftet. Vom Verband haben alle WM-Teilnehmer Pferdedecken mit dem Schweizer Kreuz erhalten. Der Arnegger konnte die Utensilien aber nicht selber entgegen- nehmen.

Denn er wohnt, trainiert und studiert seit einigen Jahren in Köln. Sein Pferd hat er deshalb direkt nach Belgien gefahren. Wie Lütisburg im Team hat auch Looser im Einzel der Männer gute Medaillenchancen. Mit dem Deutschen Weltmeister Kai Vorberg hat er Konkurrenz aus dem eigenen Stall. Im Vorfeld spielte das aber keine Rolle. «Da wir beide die gleichen Vorbereitungen treffen mussten, konnten wir uns gegenseitig helfen und uns abstimmen», so der Arnegger.

Suhner auf Lütisburger Pferd

Neben Looser nimmt auch Dimitri Suhner aus Stein im Einzel teil. Mit seinem Namen ist in Lütisburg eine grosse Material-Kiste beschriftet. Denn Suhner startet auf dem Ersatzpferd des Teams. «Bei einer solch langen Reise ist es schnell möglich, dass ein Pferd nicht ganz fit ist. Wenn wir keinen Ersatz hätten, wären neun Mädchen und ich vergebens in die USA gereist», sagt Winkler-Bischofberger.

Weil Simone Jäiser bei den Frauen im Einzel startet, waren aber bereits vier Pferde gemeldet. Und ein weiteres in die USA fliegen zu lassen, wäre mit grossen Kosten verbunden gewesen. So wurde entschieden, dass Suhner auf einem Team-Pferd turnt. Denn auf diesem kann auch im Einzel gestartet werden, umgekehrt ist die Umstellung sehr gross für ein Pferd, das sich gewohnt ist, nur eine Person zu tragen.

Aufs Gewicht muss auch beim Packen geachtet werden. Neben den Kisten in Lütisburg steht eine Warenwaage. Denn im Flugzeug ist das Gepäck auf 350 kg beschränkt. Für ein paar Medaillen hätte es aber wohl noch Platz.