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Mit schwingenden Hüften dem Palast entgegen

Tea Time
Raya Badraun, London

Vor dem Buckingham Palace drückten sich Hunderte von Menschen an die Absperrung. Doch für einmal wollten sie nicht die WM sehen, sondern die berühmten Wachen mit ihren grossen Schritten. Hätten sie sich umgedreht, hätten sie eine noch speziellere Gangart gesehen: Die der Geher. Mit schwingenden Hüften liefen sie an diesem Morgen die Allee entlang. 25-mal bewegten sie sich auf den Palast zu, 25-mal gingen sie in die andere Richtung. Das sei verhältnismässig noch spannend, sagt der 46-jährige Auslandschweizer Alex Florez, der auf Mallorca wohnt. Bei anderen Rennen sind die Schlaufen nur einen Kilometer lang. 50-mal laufen die Geher so an den gleichen Chips-essenden Zuschauern und den gleichen grauen Gebäuden vorbei. Doch anders geht es kaum in dieser Disziplin. Denn jede Runde erhalten die Athleten an ihrem eigenen Stand Getränkeflaschen, jede Runde laufen sie zur Abkühlung durch einen feinen Sprühregen.

50 Kilometer sind extrem lang, auch wenn die Athleten ein hohes Tempo vorgeben. Der Schnellste war gestern 3 Stunden und 33 Minuten unterwegs. Da kommt es schon Mal vor, dass sich die Athleten vor den Augen der schockierten Zuschauer erleichtern. Dank einer ausgeklügelten Methode sieht man dabei jedoch nur den Strahl. Die eigenen Schuhe oder die Hose nicht zu treffen, ist jedoch nicht die einzige Herausforderung im Rennen. Da ist auch noch die Zeit, die einfach nicht vorbei gehen will. Die ersten 25 Kilometer bringt man noch irgendwie hinter sich. Da sagt Florez den bekannten Gesichtern im Publikum auch mal freundlich «Hallo». Danach, wenn der Hammer kommt, werde er jedoch unsympathisch. Sein Tempo verlangsamt sich, und er verliert eine Minute nach der anderen auf seine persönliche Bestzeit. Dann beginnt erst der richtige Kampf, der gegen sich selbst. So weit kam es gestern an der WM in London jedoch nicht.

Als Geher braucht es eine unglaubliche Selbstbeherrschung. «Attackieren», schreit ein Betreuer. «Hopp», rufen die Zuschauer. Diese Anweisungen umzusetzen, ist jedoch gar nicht so einfach. Am Rande der Strecke stehen gleich mehrere Schiedsrichter, denen nichts, aber auch gar nichts entgeht. Wenn ein Geher beide Füsse gleichzeitig in der Luft hat, also am Rennen ist, wird er verwarnt. Das gleiche gilt für nicht durchgestreckte Beine. Deshalb sieht der Gang auch so unnatürlich aus.

Florez war bereits nach zehn Kilometern zweimal verwarnt worden. Danach versuchte er sich zu bremsen und langsamer zu laufen. Doch bei Kilometer 28 passierte es ihm erneut. Damit war sein Auftritt an der WM in London bereits vorbei. Enttäuscht verliess er die Allee. Er war jedoch nicht der einzige. Über 50 Kilometer durften gleich 9 Geher das Rennen nicht beenden.

Nun mache er Ferien, sagte Florez, während seine Gegner hinter seinem Rücken noch immer auf und ab liefen. Mindestens einen Monat wird er nicht gehen – sondern laufen.

Raya Badraun, London

raya.badraun@tagblatt.ch

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