Unihockey
Mit Schwerstarbeit zu fünf Punkten: Der UHC Waldkirch-St.Gallen siegt zweimal und bleibt im Playoffrennen

Der UHC Waldkirch-St.Gallen siegt gegen Sarnen und Langnau knapp und bringt sich in eine gute Ausgangslage im Playoffkampf. Gewinnen die St.Galler die verbleibenden drei Partien, sind sie sicher unter den besten acht Teams der Saison.

Nico Conzett
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Tino von Pritzbuer (rechts) holt sich den Ball und der UHC Waldkirch-St.Gallen fünf von sechs Punkten.

Tino von Pritzbuer (rechts) holt sich den Ball und der UHC Waldkirch-St.Gallen fünf von sechs Punkten.

Bild: Michel Canonica

Nach viereinhalb Minuten in der Verlängerung traf Michael Schiess nach punktgenauem Zuspiel von Verteidiger Tino von Pritzbuer endlich zum erlösenden sechsten Tor und sicherte seinem Team den Zusatzpunkt auswärts gegen Ad Astra Sarnen. Das St.Galler Unihockey-NLA-Team legte damit die Basis für eine gute Ausgangslage im Kampf um die Playoffs.

Zuvor hatten sich die St.Galler gegen den Tabellenletzten wesentlich schwerer getan, als das allgemein erwartet worden war. Doch eigentlich war das Team von Cheftrainer Armin Brunner gewarnt gewesen. Zum Abschluss der regulären Saison vor zwei Wochen hatten die Sarner – nach teils desolaten Ergebnissen zu Saisonbeginn – ein starkes Lebenszeichen gezeigt. Sie besiegten Cupsieger Zug United mit 6:5 nach Verlängerung und feierten damit die ersten Punkte der Saison.

Offensichtlich verlieh dieses Erfolgserlebnis den Zentralschweizern eine ordentliche Portion Selbstvertrauen. Denn während die St.Galler im ersten Abschnitt nicht recht in die Gänge kamen, waren die Sarner hellwach und bereit, jeden noch so kleinen Fehler der Ostschweizer zu bestrafen.

Energie fehlte in den ersten 40 Minuten

Und diese spielten dem Heimteam in die Karten. Mehrere unnötige Ballverluste in der eigenen Zone, ein Gegentor nach einem Sarner Freischlag: Nach 40 Minuten schien Ad Astra auf dem besten Weg nach dem Erfolg gegen Zug gleich den nächsten Sieg einzufahren. 3:5 aus St.Galler Sicht lautete das Ergebnis nach zwei Dritteln. Eine Ostschweizer Reaktion war nun Pflicht. Eine Niederlage gegen den Letzten wäre zum Auftakt des Kampfs um die verbliebenen zwei Playoffplätze Gift für die Ambitionen der Ostschweizer gewesen. Dessen war sich Trainer Brunner bewusst – und er drehte offensichtlich an den richtigen Stellschrauben in der zweiten Drittelspause.

Die St.Galler kamen mit viel Energie aus der Kabine und gingen mit der Reduktion auf zwei Linien ein wesentlich höheres Tempo. Ein Tempo, mit dem sie den Gegner überrumpelten. Die Sarner wirkten im letzten Abschnitt zeitweise stehend k.o. und beschränkten sich auf das Blocken von Abschlüssen und das Wegschlagen gefährlicher Bälle aus der eigenen Zone. Da sie diesen Aufgaben mit einer Menge Aufopferungsbereitschaft nachgingen, retteten sie sich in die Verlängerung – und sicherten sich nicht unverdient einen weiteren Punkt. Zu mehr reichte es aufgrund Michael Schiess’ entscheidendem Tor nicht.

Michael Schiess war von Sarnen nicht zu halten - er erzielte den entscheidenden Treffer in der Verlängerung.

Michael Schiess war von Sarnen nicht zu halten - er erzielte den entscheidenden Treffer in der Verlängerung.

Bild: Paul Wellauer

Bei den St.Gallern herrschten nach dem Schlusspfiff gemischte Gefühle. Da war die Freude über die gezeigte und offensichtlich intakte Moral des Teams sowie über die wichtigen zwei Punkte im Kampf um die Playoffs. Aber natürlich auch die Enttäuschung, in den ersten 40 Minuten nicht mehr auf die Reihe und zu wenig Energie auf den Platz gebracht zu haben. Die wichtigste Erkenntnis war jedoch einmal mehr: Es reicht in der höchsten Spielklasse auch gegen ein Team aus den hinteren Gefilden der Tabelle nicht, mental oder physisch nur zu 90 Prozent bei der Sache zu sein – Nachlässigkeit wird bestraft.

Eine offene Rechnung zu begleichen

Während diese Erkenntnis bei einigen Spielern in der Partie gegen Sarnen erneut reifen musste, war gegen den zweiten Kontrahenten des Wochenendes, die Tigers Langnau, wohl allen Akteuren klar , dass es eine Topleistung braucht, um die in der Tabelle vor den St.Gallern platzierten Emmentaler zu bodigen. Denn in der ersten Partie der Saison gegen die Berner, vor bald einem halben Jahr, wurde den Ostschweizern in erster Linie ein Einstellungsproblem zum Verhängnis. Die St.Galler mussten damals mit einer 4:6-Niederlage zurück in die Heimat reisen.

Selten war eine Floskel zutreffender als folgende vor der Partie gegen die Berner: Wer es mehr will, wird diese Partie gewinnen. In den ersten zehn Minuten wollten es die Langnauer mehr. Sie wirkten wacher und spritziger, besser gewappnet für diese Aufgabe. Dementsprechend führten die Gäste mit zwei Toren. Dann arbeiteten sich die St.Galler aber in die Partie. Es gelang ihnen, ein spielerisches Übergewicht und mehrere Torchancen zu kreieren. Die Vollstreckung übernahm Captain Michael Schiess, der die Binde aufgrund einer quarantänebedingten Absenz von Roman Mittelholzer trug. Zweimal assistierte Julian Alder, die Partie war zur Drittelspause wieder ausgeglichen.

Im Mitteldrittel folgte das Meisterstück des Heimteams. Schon öfter in dieser Saison kämpften die St.Galler im zweiten Abschnitt mit Konzentrations- und Konstanzproblemen. Nicht so dieses Mal. Mit 3:0 entschieden sie das Drittel für sich, dreimal reüssierte Rahul Chiplunkar, der damit die starke Teamleistung auf der Anzeigetafel sichtbar werden liess. Die deutliche Differenz – auch in dieser Höhe verdient, zumindest in diesem zweitem Abschnitt.

Hätten die St.Galler diese Performance bis zum Schlusspfiff durchgezogen, die Spannung wäre bereits früh aus der Partie gewichen. Doch wie Waldkirch-St.Gallen sind auch die Emmentaler für ihren Kampfgeist bekannt. Durch drei Verteidigertore kamen die Gäste noch einmal heran. Doch aus der Ruhe bringen liessen sich die Ostschweizer nicht mehr. Trotz des geringen Vorsprungs schaukelten sie die Partie souverän heim.

Nun liegt alles in den eigenen Händen

Damit haben sich die St.Galler in einem intensiven Wochenende fünf von sechs möglichen Zählern geholt. Aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz ist es zum Zusammenschluss der drei Teams Waldkirch-St.Gallen, Chur und Langnau in der Tabelle gekommen. Nach resultatmässig schwierigen Wochen ein Erfolgserlebnis für die St.Galler, die damit die Playoffqualifikation vollkommen in eigener Hand haben. Mit einem Sieg gegen den UHC Thun am kommenden Wochenende können die Ostschweizer einen weiteren Schritt in Richtung erneuter Qualifikation nehmen.

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