Mit müden Beinen zum Sieg

Vor 25 000 Zuschauern gewinnt Kariem Hussein beim Diamond-League-Meeting Weltklasse Zürich das Rennen über 400 m Hürden. Sein Ziel, eine neue Bestzeit, erreicht er dabei aber nicht. Selina Büchel enttäuscht über 800 m.

Raya Badraun/Zürich
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LEICHTATHLETIK. Es war wie beim EM-Final vor einem Jahr. Die 25 000 Zuschauer im Zürcher Stadion Letzigrund jubelten so laut wie sonst nie an diesem Abend. Auch die Erwartungen waren hoch – nicht zuletzt wegen Kariem Hussein selbst. Im Vorfeld des Diamond-League-Meetings Weltklasse Zürich sprach der 400-m-Hürdenläufer nicht nur von einem Sieg, sondern auch von einer neuen Bestleistung. Den Erwartungen wurde Hussein in seinem Stadion jedoch nicht ganz gerecht. Zwar führte der Thurgauer das Rennen an und distanzierte seine Konkurrenz am Ende deutlich. Doch die Zeit war mit 49,16 Sekunden nicht überragend. Immerhin liegt seine Bestzeit bei 48,45 Sekunden. Dennoch wird es für Hussein nach dem Verpassen des WM-Finals eine Genugtuung sein und ihm Selbstvertrauen geben. Als WM-Revanche wollte der 26-Jährige das Rennen jedoch nicht bezeichnen. «Ich brauche keine Revanche als Motivation», sagte er. Dies beweis er im Zürcher Letzigrund mit seinem Sololauf.

Dennoch merkte man Hussein an, dass die Saison bereits lang ist. «Ich war sehr motiviert, vor dieser Kulisse zu starten», sagte Hussein. «Doch ich fühlte mich müde.» Die Athleten haben bereits viele Rennen in den Beinen und mit der WM in Peking den Höhepunkt der Saison bereits hinter sich. So sind die Beine nicht mehr so spritzig, der Kopf nicht mehr so wach. Dies merkte man gestern abend auch Selina Büchel an.

Nur Rang zehn für Büchel

Über 800 Meter konnte die Toggenburgerin zu Beginn gut mithalten. Doch bald wurde sie langsamer und fiel zurück. Auf den letzten 100 Metern wurde sie dann von ihren Gegnerinnen nach hinten gereicht und beendete das Rennen am Ende mit 2:02,43 Sekunden auf dem zehnten Rang. «Ich bin natürlich enttäuscht», sagte Büchel nach dem Rennen. Im Vorfeld fühlte sich die junge St. Gallerin fit. Sie hatte die Niederlage im WM-Halbfinal gut verarbeitet. Bereits beim Auslaufen nach dem Halbfinal war sie wieder gut gelaunt. Immerhin lief sie im Alleingang ihre bisher zweitbeste Zeit. Zudem sah sie das Rennen eingebettet in die ganze Saison. Das Ziel war, dieses Jahr unter zwei Minuten zu laufen. Dies hatte sie in Paris mit 1:57,95 Minuten deutlich geschafft. Darauf hatte sie alles ausgerichtet.

Neue Motivation

Die WM stand deshalb lange nicht im Fokus. «Dass ich trotzdem nochmals meine Leistung abrufen konnte, hat mich gefreut», sagt die Toggenburgerin. So schaute sie sich gar den Final im Stadion an. Hussein gelang dies nicht. «Im Stadion zu sitzen wäre schwierig gewesen», sagte sein Trainer Zberg. Zu gross war die Enttäuschung damals. Doch wie Büchel liess er sich von diesem Erlebnis nicht herunterziehen und richtete sich bald wieder auf. «Es motiviert uns, einen Schritt weiterzugehen», sagt Zberg. Auch die Erfahrung helfe seinem Athleten. «So etwas wird nicht mehr passieren.» Dies bewies der Thurgauer bei Weltklasse Zürich. Im nächsten Jahr wird auch Büchel die Chance dazu haben. Zuerst geht sie jedoch in die Ferien.