Mit den Menschen hier verbunden

FRAUENFELD. Hans Baumgartner ungewohnt: Das Staatsarchiv zeigt dokumentarische Farbaufnahmen über unseren Alltag vor dreissig Jahren.

Barbara Fatzer
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Menschen bei ihren alltäglichen Verrichtungen: Feuerwehrübung in Gündelhart, um 1982. (Bild: Hans Baumgartner)

Menschen bei ihren alltäglichen Verrichtungen: Feuerwehrübung in Gündelhart, um 1982. (Bild: Hans Baumgartner)

Frauenfeld. Dem Fotografen Hans Baumgartner geht es wie vielen künstlerisch tätigen Menschen: Ihnen widerfährt spät oder erst nach ihrem Ableben die Würdigung und Wertschätzung für ihr Werk, die ihnen zustünden. Zum Teil hängt das auch mit ihrem eigenen Verhalten zusammen, dass sie nicht darauf drängen, entsprechende Anerkennung zu erhalten, sondern dass ihnen wichtiger ist, ungehindert arbeiten zu können. Hans Baumgartner gehört zweifellos zu den bedeutenden Schweizer Fotografen des 20. Jahrhunderts – erkannt worden ist das aber erst vor etwa zwanzig Jahren.

Auftragsarbeiten sind farbig

Schon früher hat man im Thurgau Baumgartners Art zu fotografieren geschätzt. So bekam er vor allem nach seiner Pensionierung als Lehrer immer wieder Aufträge zur Bebilderung von Lehrmitteln oder Ortsgeschichten. Dafür fotografierte Hans Baumgartner aus einem anderen Blickwinkel; ihm war bewusst, dass solche Aufnahmen auch einen dokumentarischen, historischen Charakter haben werden. Er selbst hat klar zwischen diesen zwei Kategorien von Kunst- und Dokumentarfotografie unterschieden. Während er seine 120 000 Schwarz-Weiss-Aufnahmen 1996 an die Stiftung für Fotografie übergab, hatte er schon 1992 die über achttausend Farbdias mit Thurgauer Motiven ans Staatsarchiv verkauft. Jetzt und zum ersten Mal darf man einen Blick auch in diese Fülle von Aufnahmen tun – im neueröffneten Staatsarchiv gibt es künftig Platz für die Präsentation solcher sehenswerten Bestände.

«Hier bin ich zu Hause»

So viel anders als seine künstlerischen Fotografien sind diese Farbbilder von Hans Baumgartner allerdings nicht, auch wenn man spürt, dass nicht die äusserliche Farbigkeit ihn zum Abdrücken gereizt hatte. Er hat uns aus den Gemeinden Romanshorn, Weinfelden und Aadorf nicht wiederholbare Zeitbilder hinterlassen, die man so noch nie gesehen hat. Es wundert auch nicht, dass die entsprechenden Textautoren aus ähnlichem Holz geschnitzt waren wie der Fotograf und ihm darum auch den Auftrag übergeben haben: gut verwurzelt im thurgauischen Boden, vertraut mit Geschichte und den hiesigen Menschen, der Landschaft liebevoll zugeneigt.

Das alles gilt auch, wie der Fotograf den geschichtsträchtigen Weiler Gündelhart gesehen hat. Wenn Menschen bei ihm ins Bild kommen, in ihren alltäglichen Verrichtungen, beim Arbeiten, Feiern und Geniessen, dann spürt man die Verbundenheit und das Verständnis des Fotografen den Menschen gegenüber, ohne dass er ihnen zu nahe tritt. Aber auch die Genauigkeit, wie er Arbeitsprozesse dokumentiert oder unterschiedliche Landschaftstypen erfasst.

Zum erstenmal ausgestellt

In der neuen Ausstellung (der fünften und letzten des Projekts «Der Thurgau feiert Hans Baumgartner») sind seine Farbfotografien unterschiedlich erfahrbar. Von den erwähnten vier Orten liegt jeweils eine Auswahl bereit, aus der man Fotos in die Hand nehmen oder sie sogar neu arrangieren darf. Eine grosse Zahl von Bildern zeigen den «schönen» und den «fleissigen Thurgau» an zwei Bildschirmen. Und wer dann noch herausfinden möchte, wo bestimmte Aufnahmen gemacht wurden, kann die vier Ortsgeschichten durchblättern und auch da vielleicht bekannte Gesichter entdecken. Deutlich werden einem dabei die zum Teil starken Veränderungen, die unsere Umgebung in den letzten dreissig Jahren erfahren hat, aber auch was seinen Wert behalten hat.

Hans Baumgartner – Im Auftrag. Zürcherstrasse 221. Mo 13–17, Di–Fr 9–17 Uhr. Bis 26. Oktober. www.baumgartner-feiern.ch www.staatsarchiv.tg.ch

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