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Mit dem Kopf durch die Halfpipe: Der Toggenburger Jan Scherrer zeigt in Laax ein neues Selbstbewusstsein

Jan Scherrer hat im Dezember erstmals einen Weltcupanlass gewonnen. Der 24-Jährige Snowboarder führt diesen Erfolg auf eine veränderte Denkweise zurück – und steht damit sinnbildlich für die Wichtigkeit des Mentalen in einer Sportart von Freigeistern.
Philipp Wolf, Laax
Der Sieg in China hat Jan Scherrer beflügelt. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Der Sieg in China hat Jan Scherrer beflügelt. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Am Samstag will Jan Scherrer dem Publikum am Laax Open einen neuen Trick präsentieren. Das, obwohl der 24-Jährige den geplanten Frontside Double Cork 1260, zwei Saltos mit dreieinhalb Drehungen um die eigene Achse, vor Laax noch nie in der Halfpipe trainiert hat. Ist das nicht ein grosses Risiko? Der Mann aus Ebnat-Kappel antwortet gelassen und selbstsicher.

Den Trick in einem allfälligen Final zu zeigen, wäre sicherlich ein gewisses Risiko. Doch er sagt:

«Bei gewissen Tricks kommt es nicht darauf an, wie oft man sie gemacht hat, sondern darauf, wie viel man im Kopf gearbeitet hat».

Bei diesem Element habe er schon viel mit Video- und Helmkamerastudium gearbeitet, und den Sprung beim Luftkissentraining perfektioniert. Der Toggenburger glaubt nicht, dass ihm der Trick, sobald er ihn ein erstes Mal in der Halfpipe gemacht hat, schwerfallen wird.

Die Arbeit im Kopf ist essenziell

Die Arbeit im Kopf ist für Scherrer und alle anderen Spitzensnowboarder längst zentraler Bestandteil der Sportart, die gegen aussen so gelassen, locker und freigeistig daherkommt. Der Ostschweizer ist dafür ein Paradebeispiel. In der Lobby des Riders Hotel in Laax spricht er überlegt, als er dem Gegenüber seinen Werdegang nachzeichnet, und sucht nach den passenden Worten, um die Denkprozesse in seinem Kopf zu beschreiben. Scherrer steht momentan bei drei Podestplätzen. Zwischen seinem zweiten und dritten – dem Sieg in China im vergangenen Dezember – lagen vier Jahre und elf Monate.

Die Durststrecke sei nicht auf die starke Konkurrenz zurückzuführen, sondern zu einem Grossteil auf die eigene Denkweise, sagt er. «Schlussendlich war es meine Leistung, bei der noch ein Schritt gefehlt hat. Da bin ich voll selber schuld. Ich habe mein Limit zu tief gesetzt.» Der zweifache Olympiateilnehmer hatte sich die absolute Weltspitze nicht zugetraut und performte so, trotz seines grossen Talents, unter seinen Möglichkeiten. Während Fahrtechnik, Physis und Akrobatik über die Jahre kontinuierlich besser wurden, gehen die Fortschritte im mentalen Bereich laut Scherrer vor allem auf den vergangenen Sommer zurück.

Scherrer ist heute egoistischer

Der Ostschweizer begann stärker auf seinen Körper zu hören und seiner inneren Stimme mehr zu vertrauen. Er probierte egoistischer zu sein und spürte dabei im Training für seinen neuen Sprung erste positive Impulse. Pepe Regazzi, Cheftrainer der Schweizer Snowboarder, sieht den Schlüssel in Scherrers jüngster Entwicklung ebenfalls im Mentalen, sieht das Ganze jedoch ein wenig differenzierter. Die Arbeit im mentalen Bereich sei ein Prozess, der bereits vor zwei Jahren begonnen habe. Die Athleten sollten lernen zu verstehen, wie sie mental funktionieren. Regazzi sagt:

«Unser Sport ist sehr gefährlich, da ist das Mentale heute fast der wichtigste Aspekt.»

Eine Verbesserung im mentalen Bereich komme schliesslich allen anderen Aspekten zu gute. Scherrer beginnt nun die ersten Früchte dieses mentalen Trainings zu ernten. Er habe im Verlauf dieses Prozesses realisiert, dass er den nächsten Schritt machen müsse, so der Cheftrainer. Scherrers Kopf sei klarer geworden, er könne seine Performance am Tag X besser abrufen. Der Weltcupsieg in ­China ist ein erstes Resultat davon. «Der Sieg hat eine Tür geöffnet, er hat Jan gezeigt: Da ist noch Potenzial», sagt Regazzi.

Die neue Ausgangslage bedeutet mehr Motivation, nicht Druck

Für den Toggenburger, der nebenbei ein Studium der Betriebsökonomie an der Fernfachhochschule Regensdorf absolviert, ist der Sieg im Secret Garden nicht bloss ein erstes Resultat. Er sagt:

«Der Sieg in China hat mir meine Grenze nach oben geöffnet. Ich bin jetzt im Kopf ganz anders, habe ein anderes Selbstbewusstsein als noch vor einem Jahr.»

Der erste Vollerfolg hat ihn euphorisiert, am liebsten hätte er direkt danach den nächsten Wettkampf bestritten. Scherrer will nun mehr, denkt oft an gute Momente, die er hatte, oder an Ziele, die er noch erreichen will.

Der Sieg in Asien hat nicht nur die Selbst-, sondern auch Aussenwahrnehmung Scherrers verändert, der so lange am Podest vorbeifuhr. An diese neue Ausgangslage müsse er sich erst noch gewöhnen, mehr Druck spüre er dadurch aber nicht. Viel mehr hat er realisiert, was noch möglich ist. Das motiviert den Ostschweizer mehr, als dass es ihn unter Druck setzt. So sagt Scherrer im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt im amerikanischen Park City Anfang Februar:«Vor einem Jahr hätte ich mich noch nicht getraut zu sagen, dass ich an die WM gehe mit dem Ziel, eine Medaille zu gewinnen.» Nun tut er es.

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