Mit dem Glück des Tüchtigen

Fussball. Der FC St. Gallen setzt seinen Aufwärtstrend fort. Er besiegt Sion mit 2:1, feiert in dieser Saison seinen ersten Erfolg auf fremdem Terrain und tritt den letzten Tabellenplatz an Thun ab.

Markus Scherrer/Sion
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St. Galler Siegtreffer: Der von Thomas Weller mit viel Drall getretene Eckball findet den Weg ins Walliser Tor. (Bild: Nicolas Senn)

St. Galler Siegtreffer: Der von Thomas Weller mit viel Drall getretene Eckball findet den Weg ins Walliser Tor. (Bild: Nicolas Senn)

Am Donnerstag, zwei Tage vor dem Spiel im Wallis, tat St. Gallens Trainer Krassimir Balakov die Hoffnung kund, es möge nach dem Heimsieg gegen den FC Zürich nun so weitergehen. Als er am frühen Samstagabend mit seinem Team die Heimreise antrat, durfte Balakov zur Kenntnis nehmen, dass sein Wunsch in Erfüllung gegangen war. Die Ostschweizer verliessen das Tourbillon mit drei Punkten im Gepäck. Und sie durften sich nicht nur über ein 2:1 gegen den FC Sion und den zweiten Sieg in Folge freuen, sondern auch die neue Tabelle mit einer gewissen Genugtuung studieren. Da der FC Thun – zur gleichen Zeit – den Rasen im Berner Oberland als Verlierer verliess (0:1 gegen Luzern), verabschiedete sich der FC St. Gallen vom letzten Tabellenplatz, den er seit der zwölften Runde und dem 6. Oktober nicht mehr los geworden war.

Zwei Pfostenschüsse

Wie bereits eine Woche zuvor gegen den FC Zürich durften die Ostschweizer auch im Tourbillon einiges Glück in Anspruch nehmen. Dieses hatten sie zum Beispiel in der 25. und 74. Minute, als jeweils Alvaro Saborio und der eingewechselte Virgil Reset nur den Pfosten trafen. Oder in der 58. Minute, als Reset nach einem von Goran Obradovic wunderbar in die Tiefe gespielten Pass plötzlich allein vor Torhüter Daniel Lopar stand, diese erstklassige Chance aber auf ziemlich leichtfertige Art vergab. Und gewiss war auch etwas Glück im Spiel, als der FC St. Gallen die Partie für sich entschied. Thomas Weller, der als linker Aussenverteidiger ein Gewinn ist, trat in der 83. Minute einen Corner mit sehr viel Drall und sah den Ball am Ende in der entfernten hohen Ecke und im Walliser Tor. Allein dieses 2:1 war das Eintrittsgeld wert.

Doch es war auch das Glück des Tüchtigen, weshalb der St. Galler Erfolg nicht unverdient ist. Denn einerseits knüpften sie nahtlos dort an, wo sie sieben Tage zuvor gegen den FC Zürich aufgehört hatten. Sie spielten von Beginn weg mutig nach vorne und gingen bereits nach fünf Minuten in Führung. Davide Callà trat einen Freistoss, Marc Schneider köpfelte in den Strafraum und Jii Koubsky verwertete zum 1:0. Und andererseits verloren sie nie den Glauben an den Erfolg – selbst dann nicht, als die Sittener doch druckvoll nach vorne spielten und die bessere Mannschaft waren.

Kritische Momente

Was die St. Galler allerdings zwischen der 20. und 45. Minute boten, konnte nicht wirklich gefallen. In der Druckphase des Heimteams, das sich zu Beginn gegen die kompakt und solid stehende Abwehr der Gäste sehr schwer tat, das allzu oft nicht wusste, was es mit dem Ball anfangen sollte und deshalb auch Pfiffe von seinen Anhängern erntete, kam den Ostschweizern vorübergehend jegliche Ordnung in der Defensive abhanden. Sie hatten einige kritische Momente zu überstehen. Saborio stand in der 23. Minute nicht zum letzten Mal allein vor Goalie Lopar, Alvaro Dominguez' Schuss verfehlte das Ziel nur knapp und Murat Ural rettete kurz vor Ablauf der ersten Halbzeit nach einem Kopfball Saborios auf der Torlinie. Einmal konnten die Walliser dennoch jubeln, als Saborio nach 39 Minuten und einer Flanke Adeshinas zum Ausgleich traf.

Aus der Sicht des FC St. Gallen war es ein Vorteil, dass die Pause kam. Er konnte seine Kräfte sammeln, sich neu sortieren und fand in der zweiten Halbzeit wieder seine Ordnung in der Verteidigung, die einmal abgesehen von jener Walliser Druckphase vor der Pause und zwei, drei Aktionen in der zweiten Halbzeit einen soliden, sicheren Eindruck vermittelte. Und ganz allgemein war hinterher zu sagen, dass die Ostschweizer auch im Tourbillon Charakter bewiesen haben, dass sie erneut jenen Willen erkennen liessen, den eine Mannschaft zeigen muss, die dem Abstieg entgehen will.

Dass trotz den zwei Siegen in Folge noch nicht alles gut ist, vor allem die Offensive doch noch einiges zu wünschen übrig lässt, muss kein Nachteil sein. Denn es hindert die Mannschaft daran, den Boden unter ihren Füssen zu verlieren.

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