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Mit «breiter Brust» gegen Serbien

Die Schweiz kann am Sonntag in der Zuger Bossard Arena (13.15 Uhr) gegen Serbien einen wichtigen Schritt Richtung EM 2020 machen. Eine Hauptrolle gebührt Kreisläufer Alen Milosevic, der im Januar 2014 unter Misstönen zurückgetreten war.
Stephan Santschi
Alen Milosevic (links) und Max Gerbl in Osijek gegen Kroatiens Domagoj Duvnjak. (Bild: Davor Javorovic/Pixsell))

Alen Milosevic (links) und Max Gerbl in Osijek gegen Kroatiens Domagoj Duvnjak. (Bild: Davor Javorovic/Pixsell))

Skandälchen? Misstritt? Jugendlicher Leichtsinn? Wie immer man es bezeichnen mag, was im Januar 2014 in Schaffhausen geschah – die Konsequenzen waren überrissen. Alen Milosevic feierte als 24-Jähriger während des Ausgangs des Schweizer Nationalteams mit heruntergelassener Hose vor einer Gaststätte. Ein findiger Leserreporter sah sich genötigt, ein Foto des Vorgangs an den «Blick» zu schicken.

Das Boulevardblatt, bis dahin an Handball kaum interessiert, stellte den jungen Mann an den Pranger. Der Schweizerische Handballverband verurteilte das Verhalten von Milosevic als ungebührlich und suspendierte ihn bis auf weiteres. Der Spieler entschuldigte sich via Anwalt und trat, im Stolz verletzt, zurück.

Luzerner Andy Schmid mit kongenialem Partner

In diesem Sommer nun, über vier Jahre später, ist es endlich zum Schulterschluss gekommen. Luzia Bühler, SHV-Vorstandsmitglied, und Nationaltrainer Michael Suter bemühten sich intensiv um die Rückkehr des Kreisläufers, der sich beim Bundesligaklub Leipzig zur festen Grösse entwickelt hat. «Es waren sehr nette Gespräche», berichtet der mittlerweile verheiratete 28-Jährige. «Das Projekt reizt mich sehr, weshalb ich nicht lange überlegen musste.» Der unrühmliche Zwischenfall sei eine blöde Geschichte, die er längst verarbeitet und vergessen habe.

Am Donnerstag, zum Auftakt der EM-Qualifikation in Osijek, gab Milosevic sein Comeback. Zwar konnte er beim klar favorisierten EM-Fünften Kroatien die 28:31-Niederlage nicht verhindern, sein grosses Potenzial stellte er mit fünf Toren aus fünf Versuchen dennoch unter Beweis. Vor allem das Zusammenspiel mit dem Luzerner Spielmacher Andy Schmid ist von gehobener Klasse und ermöglicht der Schweiz neue Möglichkeiten. Auf diese ist sie denn auch angewiesen, schliesslich will sie erstmals seit der EM 2004 wieder ein Grossturnier aus eigener Kraft erreichen. «Mit Blick auf die Gruppe und unser Potenzial sollten wir es schaffen. Wir treten mit breiter Brust an», sagt Milosevic.

Vom 117-Kilo-Koloss zum topfitten Kreisläufer

Seine eigene Brust ist jedenfalls von eindrücklichem Format, 105 Kilo bringt der 1,91 Meter grosse Schweizer mit bosnischen Wurzeln auf die Waage. Dabei war er zu seinen Zeiten beim BSV Bern noch viel schwerer, 117 Kilo wog er, «wobei meine Masse nicht produktiv war», wie er schmunzelnd anmerkt. Durch eine Umstellung auf zucker- und kohlenhydratarme Kost habe er den Fettanteil in seinem Körper klar verringert. «Ich fühle mich fitter, bin in Topform», sagt er. Das untermalen seine Leistungen in Leipzig, wo er seit 2013 vom Notnagel zum Leistungsträger reifte, in die 1. Bundesliga aufstieg und mit dem Team zu einem soliden Mittelfeldklub avancierte, der die Grossen zu ärgern vermag.

Der Gegner vom Sonntag in Zug gilt dabei nicht als Grosser, die im Umbruch befindlichen Serben spielten zum Auftakt gegen Belgien nur 27:27-Remis. Milosevic erwartet aber einen Konkurrenten, der viel Physis und Provokation ins Spiel bringen wird. «Sie werden versuchen, uns zu zermürben. Davor dürfen wir keine Angst haben.» Mit einem Sieg käme die Schweiz der lang ersehnten EM-Qualifikation einen wichtigen Schritt näher.

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