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Störfeuer vor dem Wiler Saisonstart

In zwei Wochen startet Maurice Weber in seine erste Saison als FC-Wil-Präsident. Die sportlichen und finanziellen Herausforderungen sind gross. Nun muss er sich auch noch mit Vorwürfen eines ehemaligen Verwaltungsrats herumschlagen.
Ralf Streule
FC-Wil-Präsident Maurice Weber erklärt die personellen Wechsel der vergangenen Saison: «Wir haben diese Entscheide getroffen, weil wir professioneller arbeiten wollen.» (Bild: Ralph Ribi)

FC-Wil-Präsident Maurice Weber erklärt die personellen Wechsel der vergangenen Saison: «Wir haben diese Entscheide getroffen, weil wir professioneller arbeiten wollen.» (Bild: Ralph Ribi)

Der FC Wil ist noch immer ein Patient. Kein schwerkranker mehr, wie 2017, als die türkische Führung einen französischen ­Abgang machte und der Verein nur knapp die Kurve kriegte. Aber dennoch: Um eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen, muss sich der Club nach der Decke strecken. «Wir zahlen die Löhne pünktlich, wir kommen unseren Verpflichtungen nach», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber. «Aber ­natürlich backen wir kleine Brötchen.» Er, der im Dezember von Roger Bigger das Amt übernommen hat, wusste, was in der Challenge League auf ihn zukommt. Als langjähriger Verwaltungsrat gehörte er der Taskforce an, die den Club vor einem Jahr gerettet hat. Noch immer gebe es aufgrund der Altlasten eine «erhöhte Arbeitsbelastung», so Weber. Aber statt wie vor einem Jahr gut 50 habe man inzwischen nur noch rund 25 Spieler auf der Lohnliste. Finanziell wolle man weitsichtiger arbeiten. Nachhaltige Sponsoringformen anstatt kurzfristige Betteltouren sind ­gefragt. Eine Gruppe von Unternehmern, auch er zähle dazu, halte dem Club weiterhin finanziell den Rücken frei, so der Inhaber der Industrie-, Bau- und Planungsfirma Weber und Partner.

Viele Umstrukturierungen, einige Unzufriedene

Auch sportlich ist Weber zuversichtlich. In jeder Reihe habe man mit Nick von Niederhäusern, Sandro Lombardi und Carlos Silvio erfahrene Spieler, um die ein Team gespickt mit jungen Akteuren geformt werde. Weber hofft auf Zuschauerzuwachs dank der Barrage, auf weitere Verbesserungen seitens der Liga. «Wir machen kleine, feste Schritte.» Und auch wenn nach oben mit Teams wie Lausanne, Servette, Vaduz oder Aarau wenig zu holen sei: «Wir wollen frisch nach vorne spielen, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.»

Das alles tönt hoffnungsvoll und umtriebig. Weber hat seit seinem Antritt vor einem halben Jahr schon einige Pflöcke eingeschlagen im Club. Bald ersetzte er die beiden CEOs Jan Wegmann und Adam Mechergui mit Benjamin Fust. «Kennen Sie eine Firma mit zwei CEOs, die funktioniert? Wir haben dies bereinigt.» Und im Verwaltungsrat trat Marc Aurel Weinmann zurück, das Vertrauen war nicht mehr da, so Weber. Dass nun auch Verwaltungsrat Thomas Hengartner Wil verlässt, hat hingegen nichts mit einer Bereinigung zu tun – sondern mit dem zu hohen zeitlichen Aufwand für Hengartner.

Marc Aurel Weinmann, ehemaliger Verwaltungsrat FC Wil

Marc Aurel Weinmann, ehemaliger Verwaltungsrat
FC Wil

Auch ist es Webers Ziel, den Club zurück in die Herzen der Wiler zu bringen und am Image zu arbeiten. Eines stört dieses Ansinnen: Weinmann, der ehemalige Verwaltungsrat, hat mit einem Facebook-Post ein neues Licht auf die Wechsel der vergangenen Monate geworfen. Er verschaffte sich kürzlich Luft, als der wahrscheinliche Rücktritt von Hengartner publik wurde. Er schrieb unter anderem:

«Wird langsam aber sicher zur One-Man-Show … nach FC Bigger wird's jetzt zum FC Weber. Geldbörse schon mal bereitstellen...»

Er stehe hinter diesen Aussagen und erläutere sie gerne genauer.

«Engagierte Leute wurden gebremst»

Weinmann ist ein umtriebiger Mann. Er führt als Zahntechniker zwei Dentalfirmen in St. Gallen – und würde sich bis heute gerne mit Haut und Haar dem Club verschreiben, das wird im Gespräch deutlich. Marketingideen sind da, Kommunikationsfähigkeit und Begeisterung ebenfalls. Und klare Worte an die Adresse der aktuellen Führung. Nicht als persönliche Abrechnung mache er das, sondern aus Sorge um den Club.

«Es ist die Summe vieler Ereignisse, die mich veranlassten zu reagieren.»

Im kleiner werdenden Verwaltungsrat habe Weber zu grossen Einfluss erhalten. Und: Leute mit Leidenschaft für den Club aber «zu starker eigener Meinung» würden gebremst. Wie auch mögliche Sponsoring- und Marketingprojekte.

Ist es ein Rundumschlag einer Einzelmaske? Ein Störfeuer eines beleidigten Ehemaligen? Zumindest erstes ist nicht der Fall: In Hintergrundgesprächen schlagen mehrere Personen im Umfeld des Clubs in dieselbe Kerbe. Im Zentrum interner Diskussionen soll vergangene Saison, besonders in der Hinrunde, Trainer Konrad Fünfstück gestanden sein. Von unzufriedenen Spielern ist zu hören, von skeptischen Voten in der Führungsriege, von fachlichen Mängeln. ­Weber bestätigt, dass es diese Diskussionen gab, «auf in diesem Business normalen Niveau». Er relativiert und sagt:

«Stünden die Spieler nicht hinter dem Trainer, würden sie nicht so solidarisch spielen.»

Und: «Fünfstück kannte den Schweizer Fussball kaum, lernte zuletzt enorm. Die Rückrunde gab uns recht. 18 Spiele, 29 Punkte.» Auch der Abgang Weinmanns hatte indirekt mit der Trainerfrage zu tun; mit seinem Umgang mit einem heiklen E-Mail zum Thema. «Eine Lappalie», so Weinmann. «Ein Vertrauensbruch», heisst es hingegen beim Club. Und: «Interna blieben Interna. Wir waschen keine dreckige Wäsche.»

Weber: «Ich entscheide bei Wechseln nicht alleine»

In der ganzen Sache zeigt sich eines mit Sicherheit: Es menschelte beim FC Wil in der vergangenen Saison ziemlich heftig. Weber nimmt die Vorwürfe gelassen und reagiert nicht so, als habe Weinmann in ein Wespennest gestochen. Also kein FC Weber? «Ich entscheide bei personellen Wechseln nicht alleine. Als Präsident muss ich aber schauen, dass die Pferdchen in dieselbe Richtung ziehen. Dass es bei Wechseln Unzufriedene gibt, kann ich mir vorstellen.» Und auch wenn der Verwaltungsrat mit ihm, Bettina Osterwalder und Artan Sadiku bald nur noch aus drei Personen bestehe: Die Aufgaben seien dank zwölf Beiräten breit abgestützt. Die Gegner kontern. Die Beiräte würden die Machtkonzentration höchstens verschleiern. Weber dazu:

«Die Entscheidungen trafen wir, weil wir professioneller arbeiten wollen.»

Dann fehlt jetzt nur noch ein ­solider Saisonstart. Und Ruhe ­innerhalb des Vereins. Ohne ausscherende Pferdchen.

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